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Der Israelit · 1892-12-28 · Heft 102-103 (28.12.1892) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 102-103 (28.12.1892)
Date
1892-12-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Mtthodo^e MuderrthumÄ •mkiM) «8. D-z. i«».i m%i ZW m soi 4 m r«-.... •f S^bbbtvutze. Eine wahre Begebenheit Robert Hänlein. Vor ungefähr zehn Jahren als unter Jgnatieff's Regime eine große Zahl jüdischer Familien aus Rußland ausgewiesen wurde, verschlug das Schicksal einen armen jüdischen Familienvater, mit Weib und vier Kindern in eine deutsche Stadt, die eine ziemlich große jüdische Gemeinde hat. Die Mitglieder derselben sind zum größten Theil gute Menschen, aber leichte Juden. Sie nahmen sich der armen Familie an und gingen ihr zur Hand, daß sie einen Handel mit abgetragenen Kleidern anfangen konnte. Die ersten Wochen ging alles gut. Als aber durch Vermittelung einiger 'wohlthätigen Herren ein kleiner Laden ausfindig gemacht wurde, den die arme Familie mit einer billigen Wohnung^beziehen sollte, da ereignete sich das in N. N. ganz Unerhörte, daß der fremde Eingewanderte am Freitag Abend seinen Laden schloß, um ihn erst Sonntag Morgen wieder zu öffnen. Erst lächelte man über diesen Schritt, dann spöttelte man darüber und zuletzt nahm man ihn ganz ernstlich übel. Der erste Vorsteher, welcher der neu zugcwanderten Familie besonders hilfreich zur Hand gegangen war, ließ Herrn Orlowski, so heißt der arme Kleiderhändler — rufen und machte ihm begreiflich, daß er mit seiner Sabbatruhe, unter den Juden öffentliches Aergerniß errege. „Wir haben hier", sagte der würdige Herr Gemeindevorsteher, „große, mittelgroße und kleine Geschäfte, aber keines feiert am Sonnabend. Alle arbeiten und suchen sich redlich und emsig von ihrer Hände Arbeit zu ernähren. Sie sind der einzige, der hier auf die öffentliche Wohlthätigkeit angewiesen ist, und Sie gerade feiern und gehen mit Weib und Kind spazieren, während Ihre Helfer tief in der Arbeit stecken. Sie werden begreifen, daß sich diese Gegensätze nicht gut vereinigen lassen. Heutzutage muß man die Hände rühren, wenn mans zu etwas bringen will und da heißt es denn mit den alten und veralteten Anschauungen aufräumen. Bei Ihnen zu Hause tief in Rußland mag das schonlseine Berechtigung haben, allein hier kommen Sie auf diese Weise nie zu etwas. Sie bringen sich in Gegensatz mit Ihren besten Freunden und werden sehen» daß Sie sich dieselben entfremden." Das war auch in der That so und die Entfremdung wurde von Woche zu Woche fühlbarer. Herr Orlowski bemerkte in aller Bescheidenheit, wie leid es ihm sei, seinen Wohlthätern in diesem Punkte entgegentreten zu müssen, aber er könne Menschen zu Liebe seinen von Gott eingesetzten Sabbat nicht aufgeben. Wer den Sabbat entweihe, habe aufgehört Jude zu sein, und wäre in jeder Hinsicht wie ein Nichtjude. Hätte er sein Judenthum Preis geben wollen, so brauchte er nicht das Brod der Verbannung zu effen, dann hätte er in Rußland bleiben und unbehelligt leben können. Diese Opposition erbitterte den Vorsteher aber erst recht. Mit erzwungener Ruhe entließ er den armen Mann, und meinte mit der Zeit werde er schon klüger werden und einsehen, daß er mit solchen Ansichten auf keinen grünen^Zweig komme. Orlowski kam aber nicht zur Einsicht, sondern im Laufe der Zeit häuften sich die Symptome, welche den Vorsteher und seine Gesinnungsgenossen überzeugen mußten, daß ihr Schützling unverbesserlich ooer richtiger unverschlechterlich sei. Orlowski besuchte mit seiner Familie, selbst an den höchsten Feiertagen niemals die Synagoge, weil sie durch ein nichtjüdisches Kircheninstrument profanirt und der schönste Theil unserer alten Gebete ausgemerzt war. Das war ein unverzeihliches Verbrechen. Wer so religionslos ist, daß er nicht einmal im Jahre den Gotresdienit beiwohnte, kann nicht aus Religiosität» sondern höchstens aus Trägheit den Oberrabb. Wolff in Kopenhagen.

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