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Der Israelit · 1892-12-22 · Heft 101 (22.12.1892) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 101 (22.12.1892)
Date
1892-12-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XX XIII. Jahrgang. Imeite Beilage;u M 101 des „Jscntlit“. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 9. Dez. Die Now. Wr. bietet ihrem Leserkreise mitunter Nachrichten, bei denen sich der Leser unwillkürlich fragt, ob die Redaktion verrückt geworden. So bringt sie einen Leitartikel mit der Ueberschrift „Eine jüdische Dynastie in Bulgarien", in welchem allen Ernstes mitgetheilt wird, Stambolow habe durch eine besondere Kommission als wissenschaftliches Factum feststellen lassen, die Bulgaren seien keineswegs Slaven, sondern ein Gemisch türkischer Elemente mit Juden. Prinz Ferdinand werde eine Jüdin heirathen, und die Kinder sollen als Juden erzogen werden; aus diesem Grunde beabsichtige man, bei der Reform der bulgarischen Verfassung einen Paragraphen durchzubringen, der den Kindern des Fürsten die freie Wahl der Religion sichert. Oester.-Ungar. Monarchie. Budapest, im Dezember. Mit Bezugnahme auf die in Nr. 93 Ihres gesch. Blattes erschienene Notiz „Wien" erlaube mir zur Beruhigung der Wiener türkischen Sephardim mitzutheilen, daß die dahier projectirte Gründung einer Gemeinde nicht von türkischen Sephardim ausging, sondern von einer kleinen Anzahl aus dem ungarischen Alfölde stammenden Glaubensgenossen, welche vorgeben, daß ihnen die jeden strenggläubigen Jehudi in höchstem Maß befriedigenden Institutionen der hiesigen orthodoxen Gemeinde nicht genügten. Cultusmintster Graf Czaky hat die Petenten mit der Begründung e nt giltig abgewiesen, daß in Budapest, wo eine orthodoxe Gemeinde bestehe, die für ihre Mitglieder in hinlänglicher Weise Sorge trage, kein Bedürfntß vorhanden sei, eine neue Gemeinde zu creiren. Budapest, 15. Dezember. Eine besondere Ehre wurde heute unserem, unter den städtischen Aerzten eine hervorragende Stellung einnehmenden, hochgeachteten Glaubensgenossen Dr. Jacob Schächter zu Theil. Dersebe wurde nämlich in der heute abgehaltenen Sitzung des Municipalausschusfes als Stadtrepräsentant der Haupt- und Residenzstadt Budapest, einberufen. Dr. Schächter, welcher Vicepräses der hiesigen orthodoxen Gemeinde, wie auch Präses mehrerer Wohlthätigkeitsvereine ist, um deren Aufblühen er sich besondere Verdienste erworben, ist einer der gesetzestreuesten Jehudim Ungarns, und wurde daher seine Ernennung als Stadtrepräsentant in allen diesen Kreisen freudigst begrüßt. L. Griechenland. Maroeeo. Im Jahre 1864, bei Gelegenheit einer Reise des großen Philantropen Moses Montefiore nach Marocco, erlangte derselbe bei dem Sultan einen Firman, laut dessen künftighin die Israeliten keine Stockschläge mehr erhalten sollten. Der jetzige Sultan erneute diesen Firman bei seiner Thronbesteigung im Frühjahr 1974. Dieser Befehl ist von den kaiserlichen Beamten im Allgemeinen befolgt worden, Dank der Wachsamkeit der europäischen Consuln und Minister. Vor drei Monaten wurde Hady Mohamed Ouida zum Kaid der Kasba (europäisches Viertel) in der Stadt Marocco ernannt. Kaum in Stellung zeigte der neue Kaid die böswilligsten Dispositionen für die Israeliten und ließ ohne des kaiserlichen Verbots zu achten, unter den unbedeutensien Vorwänden den Israeliten Stockschläge ertheilen. Man wird sich von der grausamen Lage, in welche die Israeliten Marocco's durch diesen Beamten gebracht wurden, ein Bild, machen, wenn man folgende Zeilen lieft, die ein dortiger Glaubensgenosse an einen Israeliten der Küste schreibt: Marocco, den 25. September 1892. Vor drei Monaten ungefähr wurde Hady Mohamed Ouida zum Kaid der Kasba ernannt. In den ersten Tagen nach seiner Ankunft begrüßten ihn die fremden Schutzbefohlenen und die israelitischen Notablen. Er hat sie sehr kalt empfangen und ihnen geradezu gesagt, daß er von dem Schutz, unter welchem sie stehen, keine Notiz nehme. Er hat nicht lange gezögert, seine schlechten Dispositionen uns gegenüber zu rechtfertigen. Gestatten Sie, daß ich Ihnen über verschiedene Fälle berichte, in denen er die Beweise seines unstillbaren Haffes gegen die Israeliten, wie auch einer beispiellosen Grausamkeit gegeben. 1. Ein Israelit war zum Kaid Bendaoud, Gouverneur der Medina (Arabisches Viertel) gegangen, um Klage zu erheben gegen einen Araber. Der Kaid derKaSba ließ ihm Stockschläge verabreichen, weil er seine Klage nicht bei ihm oorgebracht hat. 2. Wegen einer unwesentlichen Sache hatten sich zwei junge Israeliten geprügelt und dann wieder versöhnt; der Kaid Ouida ließ sie rufen und jedem 400 Peitschenhiebe geben, weil sie sich selber ihr Recht gesucht, anstatt mit ihrer Klage zu ihm zu kommen. 3. Ein sehr armer israelitischer Malratzenstopfer hat gleichfalls Stockschläge bekommen, nur weil er etwas gezögert, sich zum Kaid zu begeben, um deffen Matratzen auszubeffern. 4. Am 20. September endlich hat der Kaid Ouida eine furchtbare barbarische Thal begangen, die uns an die unseligen Tage erinnerte, wo unsere Glaubensgenoffen von den maroccanischen Beamten die unmenschlichste Behandlung zu erdulden hatten. Anbei die Thatsache: Ein junger 18jähriger Mensch, der nicht einmal zu effen hat, wurde vor den Kaid gerufen, um 1 FrcS. Steuer

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