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Der Israelit · 1892-12-06 · Heft 96 (6.12.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 96 (6.12.1892)
Date
1892-12-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1837 Oesterr.-Ungar. Monarchie. Sarvar, 27. Nov. Die orth. jüdische Gemeinde Sarvar (Ungarn), ja das gesammte orth. Judenthum hat einen schweren Verlust zu beklagen. Philipp Sofer, der wackere Rabbiner und streng religiöse Leiter der genannten Gemeinde, der mit einem wahrhaften Feuereifer für den echt jüdischen Glauben kämpfende, älteste Sprößling des hochwürdigen Oberrabbiners zu Paks, ist am 21. d. in der Blüthe seines Lebens, im 38. Jahre einem Asthma-Leiden erlegen. In ihm betrauert die Gemeinde ihren aufopfernden, eifrigen Seelsorger, der gramgebeugte greise Vater seinen ällesten, theuren Sohn, eine aufopfernde treue Gattin ihren unvergeßlichen Gatten und fünf unmündige Kinder ihren stets um ihre Zukunft besorgten Vater. — Die Leichenfeier des Verewigten fand am 24. d. M. unter Betheiligung einer außergewöhnlich zahlreichen Trauerversammlung aus Nah und Fern statt. Außer dem Vater hielten noch sieben Rabbiner O'neOn. Zu Gunsten der Verlassenen wurden milde Gaben gesammelt und kann das Resultat der Sammlung als ein ziemlich ergiebiges bezeichnet werden. Auch hat cs die Gemeinde nicht unterlassen, sofort für die Zukunft derselben nach Maßgabe der Möglichkeit zu sorgen, um sowohl ihnen, als auch dem tiefbetrübten Vaterherzen einigen mildernden Trost zu bieten. n"3&n. Griechenland. Maroeeo. Ein Act haarsträubender, unbegreiflicher Grausamkeit wurde von dem unmenschlichen Gouverneur dieser L-tadt begangen. Dieser rohe Mensch trieb seine Herzlosigkeit so weit, eine arme, schwache, hilflose Frau peitschen zu lassen. Die Thatsachen sind kurz Folgende: Eine maurische Frau lud eine jüdische Schneiderin vor den Gouverneur, weil sie ihr ein Kleid nicht, wie versprochen am bestimmten Tage abgeliefert hatte. Die Jüdin entschuldigte sich, es sei ihr wegen der Feiertage und weil ihr Sohn plötzlich krank geworden sei, unmöglich gewesen, ihr Versprechen zu halten. Darauf entschied der Gouverneur, sie müsse das Kleid bis zum nächsten Ta^e vollkommen fertig stellen. Vergebens versicherte die arme Jüdin, daß ihr dies unmöglich sei, weil sie ihr krankes Kind pflegen müsse — der Gouverneur bcharrte bei seinem Ausspruche. In ihrer Rathlosigkeit verlegte sich die arme Frau aufs Bitten. Das empörte den Gouverneur dermaßen, daß er sie ins Frauen-Gefängniß werfen und dort peitschen ließ. Wie sehr sie dort gepeinigt, welchen Qualen sie ausgesetzt war, weiß niemand, weil Frauen nicht öffentlich vor dem Publikum gepeitscht werden, aber ihre Weh- und Klagerufen drangen bis vor das Haus und ließen die sie Hörenden bis ins Innerste erschauern. Nachdem sie die bestimmte Anzahl Peitschenhiebe erhalten hatte, wurden der ohnmächtigen Frau schwere Ketten um Füße und Hals gelegt und so wurde sie im Gefängnisse belassen. Das Los der Juden und Jüdinnen in Marocco wird ein schreckliches werden, wenn nicht schnell Hilfe kommt. Amerika. Washington. Herr Salomon Hirsch hat, auf seinen Posten als bevollmächtigter Botschafter der Vereinigten Staaten bei oer hohen Pforte, welchen derselbe seit 16. Mai 1889 einnahm, resignirt. Diese Resignation kam nicht unerwartet, da Mr. Hirsch bereits vergangenes Jahr, als derselbe seine Familie nach Washington brachte, dem Präsidenten seinen bezüglichen Wunsch bekannt gab. Der Grund htefür lag in der Rücksicht auf seine Familie, insbesondere auf seine Kinder, welche eine bessere Erziehung erheischen, die ihnen in der Türkei nicht zu Theil werden kann. Der Präsident bemerkte damals dem Mr. Hirsch, daß es seine Pflicht sei, nach der Türkei zurückzukehren und die von ihm eingelciteten wichtigen Verhandlungen durchzuführen, was er persönlich in einigen Monaten bewerkstelligen könne, während ein neuer Botschafter mindestens zwei Jahre hiezu benöthigen werde. Nach Abwicklung dieser Angelegenheiten werde der Annahme seiner Resignation nichts mehr im Wege stehen. Die wichtigen in Rede stehenden Verhandlungen betrafen die Frage der Naturalisation von Türken in Amerika und deren Wirkung für den Fall der Rückkehr nach der Türkei — und die Frage der amerikanischen Schulen in der Türkei und Kleinasien. In beiden Punkten waren die Verhandlungen von Erfolg begleitet. Insbesondere die Angelegenheit der Schulen wurde ganz befriedigend geordnet. Diese in großer Anzahl ^in der Türkei errichteten Schulen waren bisher großen Beschränkungen unterworfen. Nunmehr ist denselben volle Lehrfreiheit garantirt. — Die Resignation des Mr. Hirsch wurde mit einem ebenso liebenswürdigen wie schmeichelhaften Schreiben des Staatssecretärs John W. Förster angenommen. -£• Vermischtes. Schwetzingen, 21. Nov. In Anschluß an ihren badischen Parteitag, zu dem außer einigen Heidelberger Studenten, Mannheimer Postbeamten und dem Plankstädter Acciser und Rathsschreiber noch ca. 15—20 Personen sich eingefunden hatten, wollte die deutsch-soziale antisemitische Partei hier heute eine öffentliche Volksversammlung abhalten, in der Herr Welker, Redakteur der „Ulmer Schnellpost", über die Ziele seiner Partei sprechen wollte. Der Boden Schwetzingens schien den Herren aber offenbar zu heiß zu werden, sie zogen sich nach dem nahen Plankstadt zurück,

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