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Der Israelit · 1892-11-28 · Heft 94 (28.11.1892) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 94 (28.11.1892)
Date
1892-11-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXIJLI Jahrgang. Mffenschilftl. Beilage,»M 94 d-s „Mni'lit.“ A«s dem Reiche der «Mischen Fadel. Von Bernhard Königsberger. ^Schluß.*) Abgesehen nun von Alledem werden wir bei der Betrachtung letzterwähnter Fabel den Eindruck gewinnen, daß dieselbe eine durchaus künstlich erzeugte ist. In ihr ist das Wesen der Fabel mit dem der Erzählung aus dem alltäglichen Leben, die allerdings märchenhaft klingt, verbunden. Es zeigt sich uns hier deutlich der Uebergang von der Parabel zur Fabel. Während in ersterer dem Menschen durch Anführung ähnlicher menschlicher Verhältnisse Lehren gegeben werden, geschieht dies in der Fabel durch parallele Beispiele aus der Thier- resp. Pflanzen- und Mineralwelt. Wir sehen also hier wirkliche Verhältnisse mit Fabelhaftem vereinigt, und zwar in poetischer Kunstfertigkeit, indem der Dichter Phantasie und Wirklichkeit im Reiche der Träume zusammenf ührte.ft Als Gegenstück zu vorgenannter Erzählung sei folgende Fabel angeführt, die Back nicht erwähnt hat. Sie findet sich an vielen Stellen ft) wir führen sie nach dem Midrasch Haggodol (zur Genesis) an: D er Aiund und der Blagen. Einst stritten Mund und Blagen und richteten mit einander. Da sprach der Mund zum Magen: „Sieh her! All' das, was ich erbeutet, gab ich Dir willig hin!" Darauf dieser, darob erbost, nach der Tage Drcizahl dem Munde vorwarf, was er ihm gegeben. „Hier hast Du, Thor, was Du mir schier gegeben." Als biblische Belege für die in dieser Fabel zum Ausdruck gebrachte Doktrin fugt der Midrasch zuerst Loh. 12, 6' (in selbstständiger Uebersetzung): „Und cs zerbricht der Eimer an der Quelle", alsdann als Ergänzung Malcsachi 2, 3: „Und ich werfe den Koth vor Euch hin, den Koth Eurer Festgelage!" —* 1 2 3) Die Fa¬ *) S. Wissenschaft!. Beilage Nr. 42. 1) Das Problem des Dichters erwies sich jedoch in der Durchführung als überaus schwierig, und so fiel er, f. v. v. aus der Konstruktion. Tenn bei der Rettung des Mannes durch die Zunge hätte jener folgerichtig wieder in Schlaf verfallen müssen. 2) Von gedruckten Quellen findet sie sich am originellsten in Ber. r. 100, 7 (jedoch ohne den zwnten Beleg); vgl. noch Jer. Moüd Kat. 82b, ib. Jebam. 15 e., Jalk. zu Jjob 14, 8 907 und zu Maleachi 2, § 587. Wichtig ist die Ausführung in Koh. r. zu 12, 6. 3) Vgl. Bcz. einer mehrgliedrigen Beweisführung durch “lO'N* meine „Miscellen aus d. jüd. Alterthumskunde" im Jüd. Lit.-Bl. Nr. 42—43 (1891), XIII. (Was Rabbiner L. Kahn (ib. Nr. 45) hierzu ergänzend bemerken will, ist belanglos; vgl. des. Bezah 5a. und b. Eine eingehende Untersuchung „über das beweisende iDiNV' habe ich für das 2. Heft (§ 6) meiner „eregetischen Studien" vor. — Interessant ist, daß in Koh. r. der 1. Vers von R. Chija b. Nechemjah (fehlt in Frankel's Llebo hajerutscb.), der 2. von R. Chaggai zum Beweise angeführt wird; ebenso in JeruschalmisR. CH. b. Ol. kommt als Agadist in Koh. r. zu Kap. 6 wiederholt vor; auch Tanchuma zu rnt£‘ ’TI (ed, Buber 60b.) 33über, Einltg. p. 24b. Note 75a. Seder hadd. (ed. Marsch.) 52 d., sowie Juchasin.s bel ist uns im Namen des z. Z. des römischen Kaisers Diokletian lebendenR. Levi, des Zeitgenossen R. Amis und R. Seira'sft, überliefert und hat vielen Anklang an die vorerwähnte Fabel des Römers Menenius Agrippa. Doch gehen wir weiter! Wir haben hier noch eine vollständige Fuchsfabel zu besprechen, welche bereits wiederholt Gegenstand der Erörterung gewesen. Einer der angesehensten talmudischen Gewährsmänner, R. Jochanan, rühmt von dem bereits genannten R. Meir 300 „Fuchsfabeln"ft, von denen aber nur drei auf bie Nachwelt gekommen wären, ft Nach altem Usus dienten sie zur Erklärung biblischer Erzählungen oder Sentenzen. Ihnen lagen folgende d^e i Schriftverse zu Grunde: 1. „Die Väter essen saure Dmuben und den Kindern werden die Zähne stumpf" (Ezech. 18, 2); 2. „Richtige Wage, richtiges Gewicht" (Lev. 19, 36) und 3. „Der Gerechte wird aus seiner Gefahr errettet und es tritt der Bösewicht an feine Stelle" Spr. Sal. 11, 8.) — $}ad) einem Berichte ft des Hai Gaon, des letzten Schuloberhauptes von Pumbeditha (969—1038) hat sich nur eine der Fabeln bis auf seine Zeit erhalten. Sie hat folgenden Wortlaut: Der Fuchs sprach zum Löwen, der ihn verzehren wollte: „Was hast Du an mir, um Deinen Hunger zu stillen? Komm', ich will Dir einen fetten Menschen zeigen, den kannst Du zerreißen und Du wirst von ihm satt werden. Der Löwe war damit zufrieden, und der Fuchs führte ihn an den Rand einer verdeckten Grube. Auf der gegenüberliegenden Seite saß ein Mensch und betete.ft Sobald ihn der Löwe erblickte, sprach er zum Fuchse: „Ich furchte des Menschen Gebet; es könnte mir schaden!" — „Weder Du, noch Dein S-ohn, beruhigte ihn der ängstliche Fuchs, braucht sich zu fürchten, (wenn Du Unrecht thust); erst an Deinem Enkel wird sich die Sunde rächen. Stille 4) Vgl. jer. Rosch hasch. 59 b.. Pes. vabb. (ed. Friedm.) lG7b. 5) lieber die Zahl 300 vgl. jetzt außer Blumenthal, R. Meir, S. 99 Anm. 2 (wozu noch Landsberger a. a. o. Einltg. XXIV ff., sowie de Rosst, Meor Enajim iV, (ed. Wien 1830) Zuuz 20, p. 139 b. u. 146b., desgl. zum Citate aus Chull. 90 b. nach Mibd. 3, 8 (nach der Mitiheilung des R. Elieser b. Zadok) der goldene Weinstock, zu dessen Abladung „300" Priester nothwendig waren, hinzuzufügen ist) meine „Miscelle" XIV in Nr. 44 des Jüd. Lit.-Bl. (1891), Anm. 6. — <Bez. der nickt wörtlich zu nehmenden Zahl OO, vgl. Raschi zu Sanh. 7b. «Stichw. E'TG:; 'D, Tosephvlh zu Jebam. 109 b. ' Sr. L'll'll') und N"t&nn?2 z. St. Vgl. das latein. sescenti. 6) Sanh. 38b. (nicht 39 a., wie Bl. S. 99, Anm. 1, ungenau für das ganze Eitat angibt.) 7) S- E’:PN‘:n nnt'n, ed. Harkavy, (durch den Verein „Mekize Nirdamim"), p. 183, Nr. 362. . Vgl. auch P'kl (ed. Lyk 1864. § 30) und Aruch s. v. bre II. (Nack Ar. ist nicht gerade von einer Fabel die Rede.) 3lnch R. E hall anel (zu Sanh.) weiß nur von einer Fabel (anlehnend an Ez. .18, 2). die bekannt wäre (N’n ”>*“"!), zu berichten. 8) 8?t:nc xins?. Diele 2 Worte fehlen in der ed. Lyck, sind aber zur Erklärung oer Ursache der Furcht des Löwen erforderlich.

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