Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1892)
- Date
- 1892-11-17
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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1748 . trrung, Thorheiten, dies Schuldenmachen, die Liederlichkeit und Verschwendung, wodurch schon so viele reiche Familien zu Grunde gegangen sind." Wie hoch dieser große König eine „strenge" Zucht bei der Kindererziehung anschlug, beweist mehr noch als diese Worte die Thalsache, daß auf seine Verordnung auch „Unteroffiziere" oder „Invalide" zu Schulmeistern verwendet wurden. — Rudolf Dietsch in seinem „Abriß der Brandenburgisch- Preußischen Geschichte" sagt: „Man hat der Versorgung von Unteroffizieren mit Schulstellen getadelt. Aber solche Leute waren am besten zur Handhabung von Zucht und Ordnung geschult und für den knappen Gehalt am meisten an Mäßigkeit gewöhnt." Doch hören wir, was Preußens unvergeßliche Königin Luise, die evelste und verständigste Frau unter den Frauen ihrer Zeit, während der Unglückstage Preußens an ihren fürstlichen Vater, den Herzog von Mecklenburg-Strelitz, schrieb: „Für unsere Kinder mag es gut sein, daß sie die ernste Seite des Lebens schon in ihrer Jugend kennen lernen. Wären sie im Schooße des Ueberfluffes groß geworden, so würden sie meinen, das müsse so sein. Daß es aber anders kommen kann, das sehen sie an dem ernsten Angesicht des Vaters und an der Wehmuth und an den öftern Thränen der Mutter. Besonders wohlthätig ist es dem Kronprinzen, daß er das Unglück schon als Kronprinz kennen lernt. Meine Sorgfalt ist meinen Kindern" (R. v. Meerheimbs „Weltgeschichte in Lied, Wort und Spruch fürstlicher Persönlichkeiten. 1873. S. 470.) Gehen wir noch weiier in die Geschichte unseres Herrscherhauses vorwärts. Hören wir, was der Enkel aus dem Kaiser-Throne, was der hochselige Kaiser Friedrich III. über die Erziehung seines Volkes dachte und sprach. — In seinem „Erlaß vom 12. März 1888 an den Reichskanzler" Fürsten von Bismark schreibt der Kaiser: „Mit den sozialen Fragen enge verbunden erachte ich die der Erziehung der Heranwachsenden Jugend zugewandten Pflege. Muß einerseits eine höhere Bildung immer weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden, so ist doch zu vermeiden, daß durch Halbbildung ernste Gefahren geschaffen, daß Lebensansprüche geweckt werden, denen die wirthschaftlichen Kräfte der Nation nicht genügen kann, oder daß durch einseitige Erstrebung vermehrten Wissens die erziehliche Aufgabe unberücksichtigt bleibe. Nur ein auf der gesunden Grundlage von Gottesfurcht in einfacher Sitte aufwachsendes Geschlecht wird hinreichend Widerstandskraft besitzen, die Gefahren zu überwinden, welche in einer Zeit rascher wtrthschaftlicher Bewegung durch die Beispiele hochgesteigerter Lebensführung Einzelner für die Gesammtheit erwachsen. Es ist mein Wille, daß keine Gelegenheit versäumt werde, in dem öffentlichen Dienste dahin einzuwirken, daß der Versuchung zu unverhaltnißmäßigem Aufwande entgegengetreten werde." Diese Worte Kaiser Friedrichs sind keineswegs schönrednerische Redewendungen, Kaiser Friedrich hat diese seine ausgesprochenen Grundsätze für Erziehung und Unterricht an seinen eigenen Kindern durch die Th at verwirklicht, besonders an unserem jetzigen Kaiser Wilhelm II., Gott erhalte ihn. Kaiser Friedrich III. war es, der den dereinftigen Thronerben in die Mitte der „Schule", d. h. in die Mitte des „Volkes-Lebens" stellte, um ihn so mit dem wirklichen Leben in Berühung zu bringen; Kaiser Friedrich war es, der den Erben des preußischen Thrones auf die Gymnastalbank in Kassel setzte und ihm die Aufgabe stellte, zu lernen, was seine Mitschüler zu lernen hatten, sich in Lehre und Zucht denselben Gesetzen zu fügen, die die Schulordnung der Anstalt für jeden anderen vorschreibt. Kaiser Friedrich III. war es, der kurz vor seinem Tode noch zu diesem seinem Sohne und Thronerben die unvergeßlichen Worte sprach:" Lerne leiden, ohne zu klagen!" und ihn so in die Geheimnisse zur Erlangung aller wahren menschlichen Größe einweihte. — Wie diese Gedanken auch die Gedanken unseres jetzigen Kaisers geworden sind, das beweisen die amtlichen Kundgebungen, welche der junge Kaiser bald nach seiner Thronbesteigung über die Erziehung und Bildung der Jugend gethan hat. (Kabtnetsordre vom 13. Februar 1890) Obgleich diese Kundthuung zunächst für die Pflanzstätten eines bestimmten Lebensberufes (Kadetten-Schulen) bestimmt ist, die in mancher Beziehung von den allgemeinen höheren Schulen wesentlich verschieden sind, so ist doch die Grundlage, aus welcher die Einzelbestimmungen des Erlasses hervorgehen, von einem so hohen Maße pädagogischer Weisheit erfüllt, daß sie als maßgebend und vorbildlich für eine guteJugenderziehung schlechthin bezeichnet werden darf. Der Kaiser verlangt vor allem gleichmäßiges Zusammenwirken der körperlichen, wissenschaftlichen und religiössittlichen Schulung, d. h. er will die Schüler vor allem zu kräftigen, einsichtigen und charakterfesten Männern herangebildet haben; will also, daß das junge Geschlecht zu Gottesfurcht, wahrer Bildung und praktischer Lebenstüchtigkeit erzogen werde; kurz, auch der jetzige Kaiser verlangt „Bildung fürs Leben", für „die Schule des Lebens"! So lehrt denn die Geschichte aller Zeiten und aller Völker die „Wichtigkeit strenger Zucht" bei der Jugenderziehung. Möchten Eltern und Erzieher dieser Lehre der Geschichte, welche mit Recht die Lehrmeifterin der Menschheit genannt wird, wohl beherzigen und befolgen zu ihrem eigenen Heile und zum Nutzen und Frommen der Heranwachsenden Jugend. — Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.