Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1892)
- Date
- 1892-11-17
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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N Ja <^AA BttMöLeMüoerüMrW 17. Rov 1892.] -DfHS lf., 91 lNr. 5. Inhalt: Die Wichtigkeit strenger Zucht in Schule und Haus im Lichte der Geschichte betrachtet von Emil Benjamin aus Memel. (Zur Preisbewerbung.) Die Wichtigkeit strenger Jucht in Schule und Haus im Lichte Ver Geschichte betrachtet von Emil Benjamin aus Memel. — (Zur Preisbewerbung.) Nichts wird wohl von den Eltern mehr vernachlässigt, als die Anwendung „strenger" Zucht bet der Erziehung ihrer Kinder. Der Grund davon kann kein anderer sein, als daß die meisten Eltern von der „Wichtigkeit strenger Zucht" nicht hinlänglich genug überzeugt sein möchten, oder von der Liebe zu ihren Kleinen zu sehr geblendet, unfähig sind, die Vorzüge strenger Zucht einzusehen. Es dürfte aber namentlich in heutiger Zeit nicht ganz unwichtig erscheinen, Ellern und Erzieher auf die Wichtigkeit strenger Zucht aufmerksam zu machen und die Gründe und Beweise, welche für die Anwendung strenger Zucht sprechen, zu erörtern. Wie aber jede andere Wissenschaft und Kunst nur auf geschichtlichem Wege recht verstanden und begriffen werden kann, so auch die Wissenschaft und Kunst der Erziehung. — Gehen wir in die Geschichte zurück, so finden wir schon bet fast allen Völkern des Alterthums „strenge Zucht" bei der Kindererziehung vorherrschend. Diese Strenge grenzte zwar bei manchen Völkern des Alterthums oft an „Härte" und artete mitunter sogar in „Grausamkeit" aus, wie z. B. bei den „Spartanern" (Gewöhnung an Ertragung von Schmerzen durch Geißelung), doch ist solche Uebertreibung bei der damaligen Bildungsstufe jener Völker wohl erklärlich. Weit edler als bei den Völkern des „Heidcnthums" finden wir die „Kinderzucht" jedenfalls im „Judenthum"; auch hier war entschieden „Strenge" vorherrschend; aber gepaart mit Menschlichkeit und Milde. — Alle, die allgemeine Menschenwürde verletzende Zuchtmittel waren strenge untersagt; daher auch „Rute und Stock" in Schule und Haus nicht zur Anwendung kommen dursten. Aber nicht nur im Alterthum, sondern auch das ganze „Mittelalter" hindurch begegnen wir fast ausschließlich „strenger" Zucht. Diese Strenge wurde auch in der darauf folgenden „neuern Zeit" geübt und gelehrt von den ausgezeichnetsten Männern jener Zeit, welche ihre Kräfte dem Dienste der Jugendbtldung gewidmet hatten. So sehen wir in der Schule „Trotzendorfs" (1490—1556) sogar einen „Schüler-Senat" zu Gericht sitzen über Zuwiderhandlungen gegen die Schulgesetze. Der Schuldige mußte sich vor diesem Gerichtshöfe in einer lateinischen Rede vertheidigen. Das Strafurthetl wurde von dem Leiter der Anstalt selbst unnachsichtlich ausgeführt. Die Strafen waren: Rutenstreiche, Karzer, Relegation. Amos Comenius, der bedeutendste Erziehungsschriftsteller jener Zeit, „der Mann der Sehnsucht", wie er sich selbst nannte, vergleicht gleichwohl „eine Schule ohne Zucht mit einer Mühle ohne Wasser." Selbst der fromme Stifter der so zahlreichen Waisenhäuser und Schulen zu Halle, Aug. Herm. Francke, welchen die Erziehungsgeschichte als Hauptreformator der Disziplin rühmt, fordert strenge Disziplin, jedoch durfte diese nicht barbarisch sein. Sogar Rousseau, von welchem Diesterweg meint, daß er die Rechte der Kinder entdeckt und deren liebevolle Behandlung gelehrt, ist doch keineswegs gegen „Strafe und Strenge" bei der Erziehung; vielmehr verlangt er in seinem Erziehungsbuche „Emil" ausdrücklich, daß man „das Kind nur als Kind" behandle und seinen Anmaßungen Strafen entgegensetze, jedoch solche, die aus seinen eigenen Handlungen folgen, also bloß natürliche (negative) Strafen. Wohl trat in der Person des Joh. Beruh.