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Der Israelit · 1892-11-10 · Heft 89 (10.11.1892) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 89 (10.11.1892)
Date
1892-11-10
Page
– (sequence 22)
Language
German
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1704 Er wußte sich nicht mehr zurechtzufinden, und seine Gedanken verwirrten sich. Nur das Eine blieb ihm immer gegenwärtig, — der gütige, klare Blick des Mannes, der so leidenschaftslos war und so menschenfreundlich . . . Er wurde müde und schlief ein. In sein Traumleben begleitete ihn der gütige Blick des jüdischen Arztes und Joseph stand neben seinem Lager wie ein Schutzengel mit blendendweißen Flügeln. Ein lächerlicher Traum, sagte er sich, als er wieder erwachte. Ein Jude in der Gestalt eines Engels . . . Mas seine Freunde Wohl dazu sagen werden, wenn er ihnen von diesem Traume erzählt? . . . Aber wie, ist es denn so sicher, daß er überhaupt wieder mit ihnen sprechen wird, mit den Freunden? Ist er nicht dem Tod verfallen, wie fast Alle, die in diesem Hause Aufnahme gefunden haben? Sind nicht rechts und links von seinem Lager, und soweit er sehen konnte, Alle gestorben? Freilich, der Jude hat ihm gesagt, daß er am Leben bleiben werde, und — er fetzte Vertrauen in die Versicherung des Juden, er glaubte ihm .... ihm, den er eigentlich als einen Lügner ansehen müßte, als einen Menschen, dem man das tiefste Mißtrauen entgegenbringen, den man hassen muß . . Ja, hassen! . . Aber die Gründe, die Gründe? . . . Weshalb haßte er ihn eigentlich — ihn und die Anderen? Er hatte Unglück gehabt in seinem Geschäft, er war auf keinen grünen Zweig gekommen. Er und so viele Andere. Woran lag das? Man hatte es ihm gesagt: Tie Juden sind schuld daran, sie haben das Geschäft in ihre Hände gerissen, daß kein Anderer mehr aufkommen kann. Darum nieder mit den Juden! So hatte er sich daran gewöhnt, die Juden als die Urheber alles Unheils änznsehen. Ihm hatten sic eigentlich nichts gethan, auch den Anderen nicht, die er kannte. Sie alle hatten mit den Juden gar keine Geschäftsverbindungen. Ja, weshalb haßte er sie eigentlich - sie und den Doktor mit dem gütigen Blick? Der hatte ihm doch das Geschäft sicherlich nicht verdorben .... Zwei Tage später konnte Neubert das Hospital verlassen. Alle Formalitäten waren bereits erledigt, aber er rüstete sich immer noch nicht zum Aufbruch. „Was wünschen Sie denn eigentlich noch?" fragte der Erpeditionsbeamte mürrisch. „Alle Anderen können es nicht eilig genug haben, aus diesen unheimlichen Räumen herauszukömmen." „Ich möchte meinen Arzt sprechen." „Da kommt er." Neubert wandte sich um und trat Joseph entgegen. „Ich bitte Sie um eine Gunst", sagte er, „theilen Sie mir mit, wo Ihr Vater sich befindet." „Weshalb? Er ist wohl und munter." „Das weiß ich. Ich habe es gehört, als Sie, während Sie an meinem Bett saßen, Nachricht von ihm bekamen und seine Briese lasen." „Was wollen Sie bei ihm?" „Ich will hiugehen, um seine Hände zu küssen. Ich will ihm das Unrecht abbitten, das ihm und so vielen Ihrer Stammesgenossen zugefügt worden ist, mit einem Wort, ich will durch einen Akt der Buße und Demüthigung zu erkennen geben, daß mir durch Sie die Tugend zur Erkenntniß gekommen ist, die die größte ist: die Tugend der Nächstenliebe." H n j e i ö e «. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Die Silbvvrosoven IssbviN Lazaiils Posen Wwk in Frankfurt, a. M. empfiehlt ihre künstlerisch ausgestatteteu isr. Cultusgegenstände: Kz Cliajim, Tass, Kronen, Ohannkahlampcn, Besomimbiichsen, Seder- Gtegenstände, Pokale, Weinhumpen etc. etc. nnd versendet ihre neuen, sehr vergrößerten Musterhefte nebst Preis-Couranten gratis und franko! (189 Verkaufs - Lokalitäten: Frankfurt a. 31., Berlin W., Zeil 46a., im „Hessischen Palais“. Unter den Linden 5, Hotel Bristol. Thiergartenmr. .fr HANNOVER. TMergarteastr. Kenktonnk und Iröhrrr Döchkerschulr wn Frau Dr. Leverson u. Frl. Constance Levy. _Jepige Inhaberin: Fräulein CONSTAJiC-E LEYY. In meinem Handarbeit- und Haushaltungspensionate, welches sich in schönster und gesundester Lage befindet, werden zu jeder Zeit junge Mädchen ausgenommen. Gründliche Ausbildung im Kochen, Backen, Einmachen, Bügeln, Maschinennähen, Znschneiden und Anfertigen von Herren- und Damenwäsche, sowie in allen Handarbeiten. Anleitung in der Buchführung u. s. w. Auch schulpflichtige Kinder finden liebevolle Aufnahme. Näheres durch Prospekte. 3204) Sibilla Levi, Rheinbach, Rheinprovinz. TO To Restaurant M.-Gladbach, Triedrichstr. Nr. 6. Mein altrenommirtes Restaurant, verbunden mit Logis, erlaube ich wir dem verehrlichen reisenden Publikum gntigst in Erinnerung zu bringen. Gute Bedienung, reine Weine, verschiedene Biere. Civile Preise. Hochachtungsvoll _S. Schnork. Kermann S. Htosenau, Juwelieru. Edelsteinhändler München, Mafieistraße I. Auswahlsendungen zu Dienste». (1756 Schiduchim S“ ®£ cretion Joseph Stern 2470) Nerostraße 10, Wiesbaden

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