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Der Israelit · 1892-11-07 · Heft 88 (7.11.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 88 (7.11.1892)
Date
1892-11-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1677 Coblenz. In hiesiger Gemeinde bestand seit 1851 der dreijährige Cyclus, d. h. es wurde die Thora in fortlaufender Reihenfolge in je drei Jahren fertiggelesen. Schon vor fünf Jahren machte Herr Rabbiner Dr. Singer darauf aufmerksam, daß man sich durch Aenderung der Namen der Sidroß von aller Welt isolire; er konnte die Wiedereinführung des einjährigen Cyclus nicht erlangen, erreichte jedoch, daß seitdem der dreijährige Cyclus derart behandelt wurde, daß stets ein Stück aus derselben Sidra gelesen wurde, die in ganz Israel üblich war. Inzwischen wurde anerkannt, daß dieser Modus nur zur nothdürftigen Aushilfe ausreichte, und in voriger Woche hat Herr Dr. Singer — unter freudiger einhelliger Zustimmung von Vorstand und Repräsentanten — den einjährigen Cyclus in hiesiger Gemeinde wieder eingesührt. (Jsr. Wchschr.) Aus dem Saarrevier, 2. November. Die erste Nummer der angekündigtcn antisemitischen Zeitung für das Saar- und Bliesrevier, „Westdeutsches Volksblatt", ist gestern Abend zur Ausgabe gelangt. Als verantwortlicher Schriftleiter und Verleger zeichnet K. H. Rittner, kaiserl. Direktor a. D. in Saarbrücken: gedruckt wird das Blatt bei Mar Müller in Weidenau a. d. Sieg. Die Tendenz des Blattes ist die des deutsch-sozialen Antisemitismus, der sich, wie es in einem Artikel heißt, „nie mit der Religion der Juden beschäftigt, sondern sie lediglich vom wirthschaftlich-sozialeu Standpunkt aus bekämpft." Im Uebrigen ist der Inhalt der ersten Nummer nicht sonderlich interessant. Einen breiten Raum darin nimmt eine Polemik gegen die „vertragsbrüchische" Druckerei von Fischer und Rüssel in St. Johann, bei der das Blatt ursprünglich gedruckt werden sollte, und den Bürgermeister genannter Stadt, Herrn Dr. Nefs, ein, der, wie wir erfahren, zu Unrecht, beschuldigt wird, die Inhaber genannter Firma zu sich beschieden und ihnen den Rath crtheilt zu haben, von ihren übernommenen Verpflichtungen zurückzutreteu. Flensburg. Der deutsche Antiscmitenbund hat in letzter Zeit versucht, auch unter der dänischen Protestpartei in Nordschleswig Anhänger zu werben. Das führende Organ der Protestpartei tritt jedoch dem Hineintragen des antisemitischen Geistes in die dänische Partei mit Entschiedenheit entgegen und will von einem Paktiren mit den unsauberen antisemitischen Elementen nichts wissen. „Flensb. Avis", so heißt das Blatt, nennt das Treiben der Antisemiten eine widerwärtig-scheußliche Bewegung. „Deutschland", heißt es weiter, „hat die Ehre oder die Schande, eine Partei wie die Antisemiten erzeugt zu haben, die am Schluffe des 19. Jahrhunderts den Rassenhaß auf ihre Fahnen geschrieben hat und einen offenen und geheimen Vernichtungskrieg gegen die deutschen Inden mit Mitteln führt, die nicht hinter denjenigen zurückftehen, die in den finstersten Zeiten angewandt wurden." Amerika. In letzter Zeit wurden wiederholt Nachrichten aus Argentinien verbreitet, nach welchen der Plan des Baron Hirsch zur Anlage jüdischer Kolonien vollständig mißglückt sei. Wie nun der „Times" mitgetheilt wird, hat Oberst Goldsmid, welcher bekanntlich die oberste Leitung übernommen hat, allerdings bei seiner Ankunft in Argentinien die Kolonien in vollständiger Unordnung vorgefunden. Die Verwalter, meist Engländer, verstanden die Sprache der Kolonisten nicht und unter den letzteren gab es nur wenige, welche wirklich ihre Felder bebauten. Eine große Anzahl ließ sich einfach in Buenos Aires auf Kosten der Association verpflegen. Hier ist nun Wandel geschaffen worden: eine Menge überflüssiger Beamten ist entlassen worden und diese haben meist die falschen Nachrichten verbreitet, ebenso wie die Faullenzer, welche nach Europa zurückgeschickt worden sind. Die Verwaltung ist jetzt vollständig reorganisirt und die Kolonisten werden zur Arbeit angehalten. Die Lage ist, wie der Korrespondent der „Times" versichert, augenblicklich viel besser als sie gewesen ist und statt Klagen über Arbeit und ungenügenden Lohn höre man nur das Bedauern aussprechen, daß die Kolonisten noch nicht genug Ochsen zur Bearbeitung der Felder erhalten. Indien. Bombay, inl September. Die Einwanderung russischer Juden nach Indien nimmt immer größere Dimensionen an und sind es besonders die großen Hafenstädte unseres Landes, die eine große ^Anziehungskraft auf die neuen Einwanderer ausüben und sie zur Ausässigmachung daselbst einladen. So sind im Laufe der Zeit hier, dann in Kalkutta, Madras, Singapore, Rangun rc. kleine Ansiedelungen russischer Juden (in Indien werden gewöhnlich alle polnischen Juden, mögen sie aus Rußland, Galizien oder Preußisch-Polen kommen, als russian jews (russische Juden he^eiäjmt) entstanden, die im Anfänge zwar stark zu kämpfen hatten, um sich daselbst eine neue Existenz zu gründen, die aber, Dank ihres Geschäftsgeistes, ihrer Beharrlichkeit und ihrer Sparsamkeit, alle Hindernisse besiegten und heute nun sich schon anständig und gemächlich fortbringen. Auch die mangelnde Kenntniß der englischen Sprache bot ihnen nur wenig Schwierigkeiten, denn es ist ja bekannt, wie leicht und schnell polnische Juden eine fremde Sprache erlernen, und

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