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Der Israelit · 1892-11-03 · Heft 87 (3.11.1892) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 87 (3.11.1892)
Date
1892-11-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXIil. Jahrgang. Zweite Beilage jn M 87 des „Israelit^. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Frankfurt a. M Ein kürzlich wegen Bigamie verhafteter Agent Schl, kam 1880 hierher und heirathete 1881 ein unbemitteltes Mädchen aus dem Spessart. Aus dieser Ehe entstammen drei Kinder, aus der ersten ein Sohn. Sch. befand sich in leidlichen Verhältnissen, er erfand vor zwei Jahren eine Sparfeuerung für Seedampfer, die sich praktisch bewährte und ihm Geld einbrachte. Seine erste Ehe betrachtet er als nicht zu Recht bestehend, weil er, als Christ, sich für einen Juden ausgegeben habe, um sich mit der ersten Frau, einer Jüdin, nach jüdischem Ritus (?) trauen lassen zu können. Pfaffen-Beerfurth im Odenw. Hierorts wurde am vergangenen Samstag der zweite und letzte diesjährige „judensreie" Viehmarkt abgehalten, bei welchem trotz der verlockenden Anwesenheit des Antisemitenführers Dr. Böckel und trotz wochenlanger eifrigster Agitation — sage und schreibe: in Summa 9 Stück Rindvieh aufgetrieben waren, von denen übrigens noch mindestens zwei Drittel Beersurther Bürgern gehörten und in Wirklichkeit gar nicht verkauft werden sollten. Drei Käufe würden abgeschlossen. Das war der große antisemitische, judenreine Viehmarkt von Pfaffen-Beerfurth! Bonn a. Rh. Post festum. Bei der am diesjährigen iisZ dv in der Synagoge Hierselbst stattgefundenen Seelenfeier konnte es sich der Rabbiner Dr. C. nicht versagen, auch des vor ]/2 Jahre verstorbenen Musiklehrers Johannes Wolf zu gedenken und für sein Seelenheil zu beten. Herr I. W. war längere Zeit Leiter des gemischten (aus Damen und Herren bestehenden) Synagogenchores — sonst ist uns nichts von ihm bekannt. NON 'ji pbn nrh w> mowi. Wir haben nichts dagegen, daß Herr Dr. C. Herrn I. W. ein freundliches Andenken bewahrt, ob es aber nöthig und erlaubt ist, derartige Dinge in einer Synagoge zu treiben, das überlassen wir dem Urtheile der Leser. Herr I. W. hat sicher nie den Wunsch ausgesprochen, von Herrn Dr. E. „verhimmelt" zu werden. Wir schlagen dem Herrn Dr. C. vor, den I. W. ins hiesige Memorbuch einzutragen. „Johann" heißt: „prw" und „Wolf" „nxi". — Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, war an den beiden verflossenen Sabbaten kein Minjan hier aufzutreiben. Das kommt davon! Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 23. Oktober. In Folge der Einbeziehung der ehemaligen Vororte zur Kommune Wien und des Gesetzes zur Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der Religionsgenossenschaften hat auch die Wiener israelitische Kultusgemeinde ein Statut vorgelegt, welches jedoch nicht genehmigt wurde. Das Ministerium des Innern hat die Zuziehung von Vertrauensmännern angeordnet und als solche wurden von der Regierung nominirt die Herren: Emanuel Baumgarten, Theodor Berger, Moriz Dub und Polizeirath Bernhard Frankl. Wien, 24. October. Dreihundert Aerzte, welche sich durch die jüngst von antisemitischer Seite im Landtage gefallenen Aeußerungen verletzt fühlten, haben an Hofrath Nothnagel, der bekanntlich solchen unwürdigen Verhetzungen mit Energie entgegengetreten ist, eine Dankadresse gerichtet, in welcher es nach einigen einleitenden Sätzen heißt: „Sie gehören zu den seltenen Menschen, welche das Anderen zugefügte Unrecht empfinden, als wenn es Sie selbst träfe. Reine Liebe zur Gerechtigkeit und Menschlichkeit leitet Sie und die edlen Männer, die an Ihrer Seite kämpfen. Die Zukunft wird zeigen, daß Sie sich nicht vergebens gemüht haben. Unsere Dankbarkeit ist um so wärmer und inniger, je schmerzlicher wir die kühle Gleichgiltigkeit empfinden, mit der Viele jenem Treiben zusehen. Möge es Ihnen gegönnt sein, bald diese Volkskrankheit erlöschen zu sehen, welche droht, den besten Gewinn unserer Culturentwicklung zu vernichten, das gleiche Recht und den Frieden unter den Staatsgenossen!" Diese Adresse ist gestern überreicht worden und wurde durch eine herzliche Ansprache des kaiserlichen Rathes Dr. Wölfl er eingeleitet. Professor Nothnagel dankte den Unterzeichnern mit warmen Worten. Rußland. Zahlreiche Israeliten, welche aus Rußland ausgewiesen sind, lassen sich gegenwärtig in Russisch- Polen nieder. Der „Warsz. Dniewnik" macht eine ganze Reihe von kaufmännischen Firmen namhaft, welche ihren Sitz neuerdings von Moskau nach Warschau verlegt haben. Petersburg. Keine Woche vergeht, ohne daß die russischen Zeitungen neue Maßregeln veröffentlichen, die gegen die Israeliten getroffen werden, und werden ihnen auf diese Weise einzeln und allmählich alle Rechte und Subsistenzmittel entzogen. An der Börse zu Odessa, wie auch in Warschau dürfen die Juden Mitglieder des Comites,

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