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Der Israelit · 1892-10-27 · Heft 85 (27.10.1892) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 85 (27.10.1892)
Date
1892-10-27
Page
– (sequence 28)
Language
German
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1630 dieselben sogar prügeln, sind die Kinder der Juden wohlerzogen und fleißig. B. Stern. > Miscellen. < Ueber eine diplomatische Karriere im Orient wird der Münchener „Allg. Ztg." aus Jerusalem geschrieben: Zum Konsul der Niederlande hierselbft ist eine Persönlichkeit ernannt worden, die vtel von sich reden macht. Es ist der frühere Leibarzt des Sultans von Zanzibar, Dr. Gregory, der sich jetzt Dr. d'Arbella nennt. Nachdem er als Arzt der jüdischen Kolonie in Jaffa eine Zeit lang fungirt hatte, übernahm er später die Leitung der neuerbauten Rothschild'schen Krankenhäuser in Jerusalem. Anfang März begab er sich nach Ungarn, wo er sich mit der Schwester des früheren Arztes am hiesigen österreichischen Hospitale, Dr. Schwartz, verheirathete. Das Excquator der türkischen Regierung für seinen Posten als holländischer Konsul erhielt er direkt von Konstanttnopel aus. Ueber seine Antezedentien, speziell über die Art und Weise, wie er dazu gekommen ist, den Namen d'Arbella anzunehmen, haben israelitische Zeitungen, darunter das hier in hebräischer Sprache erscheinende Blatt „Habazeleth" mehrfach Notizen gebracht, die sich in Folgendem zusammenfassen lassen . Joseph Amtzislawski, pseudonym Gregory d'Arbella, geboren zu Pallawa, wo er als Barbierlehrltng fungkrte, wurde im 18. Lebensjahre von dort flüchtig. Nachdem er verschiedene Länder durchstreift, kam er nach Egypten, wo er als Barbiergehilfe in die Dienste eines dort lebenden italienischen Arztes, Namens Gregory d'Arbella, trat, und nach dessen Tode mit der Wittwe d'Arbella's in ein kleines Städtchen Egyptens zog, um unter dem Namen Gregory d'Arbella als praktischer Arzt aufzutreten. Die Heirath mit der Wittwe des früheren Herrn trug dann dazu bei, seine Stellung zu festigen. Als der Sherif von Mekka einst erkrankte und die egyprische Regierung um einen Arzt ersuchte, verstand d'Arbella sich dazu, nach Mekka zu gehen, und nachdem der Sherif genesen, wurde er reich beschenkt und dem Sultan von Zanzibar empfohlen. In Zanzibar starb seine Frau (die Wittwe d'Arbella) und er engagirte Fräulein Toppen, die Schwester des in Ostasrika bekannt gewordenen Curt Töppen, als Erzieherin für seine Kinder, eine Stellung, welche sie bis vor Kurzem behauptete. Einige Seit nach seiner Ankunft in Jerusalem erhielt d'Arbella auch den Besuch seines Vaters und seines Brnders, welche Beide noch den Namen Amtzislawski führten. D'Arbella hat heute eine ausgedehnte ärztliche Praxis und ist trotz seiner etwas bewegten Vergangenheit Gast im französischen wie im italienischen Konsulate. Die Laufbahn ist eben echt orientalisch, auffallend nur, daß sie im diplomatischen Dienste eines europäischen Staates mündet. Von einem Ausflug nach dem schlesischen Städtchen Dyhernfurth berichtet der „Breslauer General-Anzeiger" Folgendes: Eine ganz eigenthümliche Rolle spielt Dyhernfurth in der Geschichte des schlesischen Judenthums, es war längere Zeit sein geistiger Brennpunkt. Uralt, älter wie die Stadt als solche, ist der jüdische Friedhof inmitten des Parkes mit seinen bemoosten Gedenksteinen, von denen einige noch aus dem 15. Jahrhundert stammen. Um ihre Entzifferung und die Geschichte der Juden Dyhernfurihs hat sich der Rabbiner Dr. Braun in Pleß verdient gemacht. Nachdem den Breslauer Juden der Friedhof genommen worden war (die Steine hatte der Kaiser großmüthig der Stadt geschenkt und noch heute findet man deshalb im Hofe des Rathhauses eine Platte mit hebräischer Inschrift zur Pflasterung verwendet), begrub man die Tobten in Dyhernfurth. Erst 1760 wurde in Breslau den Juden wieder das Recht gegeben, einen Friedhof etnzurichten. So sind denn während mehrerer Jahrhunderte hier die jüdischen Tobten aus einem großen Theil des Landes begraben worden. Noch heute dient der Begräbnißplatz für die Juden von Dyhernfurth, Wohlau, Auras Leubus (21j2 Meilen entfernt). Das in die Augen fallende Denkmal ist das Massengrab der 1749 bei der Explosion des Pulverthums in der Wallstraße in Breslau umgekommenen Juden. Der Friedhof, wie gesagt, mitten im Park, macht einen fremdartigen, fast wehmüthigen Eindruck. Ich kenne nur etwas Aehnliches in Paris, wo inmitten des berühmten Pore Lachaise durch eine Hecke dem Unkundigen versteckt, um eine kleine Moschee ein türkischer Friedhof mit den nach Mekka orientirten Gräbern liegt, auf dem unter Andern die Königin von Oude (Indien) und ihr Sohn schlummern. Außerdem war Dyhernfurth lange der geistige Mittelpunkt der schlesischen Juden. Unter den hiesigen Rabbinern und Lehrern waren viele weltberühmte jüdische Gelehrte. Auch existirte am Orte eine große hebräische Druckerei, deren Drucke noch heute geschätzt werden; es spielte in dieser Beziehung eine ähnliche Rolle wie in Süddeutschland Schwabach. In der Synagoge sind noch eine ganze Zahl alter Druckplatten aufbewahrt. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.

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