Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 85 (27.10.1892)
- Date
- 1892-10-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1612 Phantasie aus. Auf seiner Palette lagen volle Farben. Er malt mit einem poetischen Empfinden, welches sowohl lyrische Stimmung als auch dramatische Lebendigkeit zu fassen versteht. Der Verfasser weiß die stillen Regungen des Gemüths mit psychologischem Vortheil zu beleuchten, (zuweilen dichterisch zu heben) und nicht minder die innersten Gedanken und Beweggründe bloszulegen, sarkastisch zu geißeln. Der Verfasser läßt sich in seinen Cultur- Bildern naturgemäß ein Genüge daran sein, galiztsche Zustände zu schildern, anschaulich, zuweilen ergreifend. Verdienstvoll erschiene aber auch eine ernstliche Cultur-S t u d i e, wie diese — z. B. durch Schulen --zu heben sein möchten. Die äußere Ausstattung des Buches ist einfach, angemessen, dieses der Lektüre nochmals wohl zu empfehlen. T. Zeitnugsnachrichteu und Correspoudeuzeu. Deutschland. Berlin. Am letzten -hed dv wurde in der Jüd. Alterversorgungs - Anstalt der jüd. Gemeinde (Schönhauser Allee) den Insassen Essen verabreicht, ebenso in einer Knaben - Erziehungs - Anstalt, wo ibjähr. Knaben zu essen gegeben wurde. Kommentar überflüssig. Berlin, 20. Oktober. Ahlwardt ist aufgefordert worden, die gegen ihn erkannte viermonatliche Gefängnißstrafe wegen Verleumdung des Berliner Magistrats an diesem Freitag anzutreten. Dadurch wird seine Agitationsreise im Kreise Arnswalde unterbrochen. Abg. Liebermann von Sonnenberg hat die ihm vom deutschsozialen Wahlkomite in Friedeberg ertheilte Vollmacht zur Leitung der Wahl zurückgegeben, da der von dem Verein aufgestellte Ahlwardt der deutschsozialen Partei nicht angehöre. Berlin, 22. Oktober. Die „Konserv. Korresp." schreibt heute an leitender Stelle: „Es kann nach den verschiedenen Kundgebungen in Parteiblättern und von Parteiführern einem Zweifel nicht mehr unterliegen, daß die verschiedenen, sich als antisemitisch bezeichnenden Gruppen in dem Entschlüsse einig sind, die konservative Partei bei den nächsten Wahlen auf das entschiedenste zu bekämpfen, ihr offen als Feinde entgegenzutreten. Wir freuen uns über die offene Stellungnahme. Lange genug ist den Konservativen von antisemitischer Seite Freundschaft geheuchelt worden, um die „alte überlebte" Partei, wie sich die früheren „Freunde" heute ausdrücken, in Vertrauensseligkeit zu wiegen und in deren eigenem Lager sich sicheren Grund und Boden zu schaffen. Nun scheinen die Antisemiten, die mit Vorliebe gleichzeitig Mitglieder der konservativen Vereine wurden, um dort für ihre privaten Zwecke vorzuarbeiten, sich für genügend gerüstet zu Hallen und nun zeigen sie endlich ihr wahres Antlitz. Hamburg, 16. Oktober. Jüngst brachte die „Frankfurter Zeitnng" ein ausgezeichnet geschriebenes und gedankenvolles Feuilleton über die Schicksale Hamburgs während der letzten Epidemie. Manche derbe Wahrheit wurde da über die Haltung des übrigen Deutschlands ausgesprochen und es wurde hervorgehoben, wie die Hamburger Bevölkerung wesentlich auf sich selbst angewiesen war und sich aus eigener Kraft geholfen hat. Als eigentlicher Organisator des sanitären Rettungswerkes, als „der rechte Mann zur rechten Zeit", wurde hierbei ein junger Arzt, Dr. Otto Meyer, mit großem Lobe gefeiert; er habe in seinem Bezirke in den ersten Tagen, wo der Schrecken alle Kräfte lähmte, den Kopf nicht verloren, Alles vortrefflich geordnet, so daß, als die Aerzte zusammenkamen, um Raths zu pflegen, sie nichts Besseres thun konnten und thaten als das, was Dr. Meyer schon für seinen Bezirk in's Leben gerufen, einfach nachzuahmen. Wir wollen, schreibt die Jsr. Wchschr., nur hervorheben, daß dieser Arzt, der schon vorher in Hamburger Blättern die rühmlichste Anerkennung erfahren hatte, ein Jude ist und daß diese selbstlose Thättgkeit für das Gemeinwohl so zu sagen ein Erbstück ist, denn Dr. Meyer ist der Sohn des verstorbenen Sanitätsrathes Dr. Sigismund Meyer in Glogau, der nicht nur in seinem Wirkungskreise, sondern weit über denselben hinaus in der besten Erinnerung lebt. Es thut wohl, wenn in dieser bösen Zeit, wo Alles, was Juden leisten, herabgezogen wird, das segensreiche und tapfere Wirken eines Juden im Kampfe mit dem gefährlichsten Feinde eine so angemessene Anerkennung findet. Dr. Otto Meyer ist ein junger Mann, Anfangs der Dreißiger, und hat eine große Zukunft vor sich. Dortmund, 12. Oktober. Trotz aller Bemühungen ist hier die antisemitische Bewegung von sehr geringem Erfolge begleitet. Gestern hielt Herr Professor Dr. Förster einen Vortrag über den Kampf gegen das Judenthum. Die schwach besuchte Versammlung nahm den Vortrag ziemlich kühl auf. — Oesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest. Die Pester Chewra Kadischa hat ihrem hochverdienten Präsidenten Karl Reuß anläßlich seines achtzigsten Geburtssestes glänzende Ovationen dargebracht. In einer schon vor Tagen ad hoc abgehaltenen, sehr zahlreich besuchten Generalversammlung wurde einhellig und mit großer Begeisterung der Beschluß gefaßt, in Anbetracht der unvergänglichen Dienste, welche sich Herr Karl Reuß in seiner Eigenschaft als Präsident des heiligen Vereins um das Emporblühen desselben erworben hat, eine auf seinen Namen lautende wohlthätige