Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 84 (24.10.1892)
- Date
- 1892-10-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1598 solche wird als einziger Käufer angesehen und darf daher nur an Mitglieder verkaufen. Der erste Versuch, Schwierigkeiten zn machen, lag nun darin, daß ein Polizeiwachtmeister sich Fleisch holen ließ und dann den Fleischer darauf belangte, daß er widerrechtlich Fleisch verkaufe und gegen die polizeilichen Bestimmungen verstoßen habe. Um dies zu verhindern, werden fortan die Gemeindemitglieder Legitimationskarten beim Fleischeinkauf Vorzügen. Jedenfalls leidet die Chemnitzer Gemeinde nicht unter dem Gesetz vom 1. Oktober. Thorn. Auch unsere Gemeinde hat mancherlei Neuerungen im Gottesdienst eingeführt. Die Gebetsänderungen resp. Kürzungen sind zwar unwesentlich, bilden aber immerhin den Anfang von unliebsamen Aenderungen. Bei dem Barne madlikin und dekum purkon hat man Streichungen vorgenonnnen. Was noch folgen wird, darüber gehen verschiedenartige Gerüchte um. Beim Ma-Gebet am Versöhnungsfefte wurde unerklärlicher Weise statt, wie es üblich ist, Ha’schem liuhoelohim 7 Mal, nur 1 Mal gesagt. Was eigentlich damit bezweckt wird? Jedenfalls sollte doch etwas geändert werden. Aber dieses Etwas veranlaßt sehr zu weiterem Nachdenken. Rußland. Petersburg, 12. Oktober. Die Frage der gesetzlichen Stellung der Juden tritt allem Anscheine nach in ein neues Stadium. Das von der Commission unter Geheimrath Plewe ausgearbcitete Jndengesei;, das schon mehrmals auf der Tagesordnung des Rcichsrathes stand und iuuner wieder den Ministerien zur Acndernng und Vervollständigung zurückgeschickr wurde, soll diesen Herbst endlich zur Berathnng gelangen. Die Gegner der Juden, beispielsweise Pobedonoszew, zeigen daher gegenwärtig größere Rührigkeit. Alle Anzeichen sprechen aber dafür, daß die Judenfeinde nicht Oberhand behalten und jedenfalls weitere rigorose Maßnahmen gegen die Juden nicht zur Anwendung kommen werden. Witte, mag er auch kein Judenfreund sein, ist entschieden gegen Bedrückungen, die auf den Volkswohlstand in ungünstiger Weise zurückwirken. Auch die hartnäckig angestrebte Aufhebung der jüdischen Ackerbau-Colonicn im Gouvernement Jekaterinoslaw soll nun nach dem dortigen Besuche des Domänen-Ministers unterbleiben. Die Colonien sollen blos entsprechend den russischen Bauerngesetzen reformirt und aus ihnen russisch-jüdische Dorfgemeinden gebildet werden. Italien. Rom, 2. Oktober. Der heutige päpstliche „Osservatore Romano" bringt auch eine Tagcsnachricht überschrieben „J1 Chipur“ (^sd d?), in der er meldet, daß die hiesigen Israeliten gestern ihr großes Bußcfasten (grandigineo d’ Espiazione) begingen, an dem hier alle jüdischen Geschäftsläden geschlossen waren, jedoch, bemerkt das Blatt dabei zugleich „pero non tutti“ (nicht alle) d. h. einige Geschäftsläden waren offen. Es ist dies sehr beschämend für die hiesige Gemeinde, die seit Jahrhunderten wan riL'Np n1?"? genannt wurde, daß zweiundzwanzig Jahre nach ihrer Befreiung von der päpstlichen Herrschaft jüdische Geschäftsläden hier am Versöhnungstage geöffnet sind. Nun, unter der Herrschaft der Päpste hätte so ein öffentlicher Skandal hier nicht Vorkommen können, denn der Cardinal-Vicar, der damals die Stelle eines Gouverneurs von Rom versah, sah strenge darauf, daß die Juden hier ihren Glauben hielten, und wer damals nur eine Cigarre am Sabbat zu rauchen wagte, erhielt eine dreitägige Kerkerstrafe. Jetzt aber, wo bte Juden hier emancipirt sind, wo wir hier den Schwiegersohn Jsak Samuel Reggio's (t'E"), Rabbi Moses Lewi Ehrenreich, als Oberrabbiner haben und wo wir auch ein Rabbiner- Seminar besitzen, ereignet sich hier der Scandal, daß jüdische Geschäftsläden am Versöhnungstage offen sind, so daß dies sogar das amtliche Organ des Vaticaus rügt. Wir können daher sagen: nm«^ »in nra nmp6 "in: Ach und weh über eine solche Schande! Genua, 8. October. Gestern Abends wurde im hiesigen Theater Carlo Felice die von Baron Franchetti, einem Neffen der Nothschild's, componirte neue Oper „Cristoforo Colombo" mit glänzendem Erfolge gegeben und dauerte die Vorstellung von 8 Uhr Abends bis 2 Uhr Morgens. Baron Franchctti, dessen Gattin und Familie anwesend wäre!?, wurde s i e b en u n d z w a n z i g Male gerufen. Diese Oper, welche von der Entdeckung Amerikas durch Columbus handelt, wurde vom hiesigen Stadtrathe eigens bei dem Baron bestellt, nachdem Guiseppe Verdi, der größte jetzt lebende Tondichter Italiens, erklärt hatte, daß ihm die Zeit zu einer solchen Arbeit mangle, und empfahl er an seine Stelle Baron Franchetti, der sich durch seine Oper „Asrael" schon einen Namen in der Musikwclt gemacht hat. Den jüdischen Tondichtern Meyerbeer und Halevi reiht sich nun Baron Franchetti würdig au. P a l ä st i n a. Jerusalem. In Europa treibt sich jetzt ein gewisser Abraham Levi herum, der sich als (Sendbote) der heiligen Stadt ausgiebt und für dieselbe Gelder sammelt. Der Chacham-Baschi hier warnt daher die Gemeinden Europas vor diesem Schwindler und bittet, denselben überall abzuweisen. > Vermischtes. Leipzig, 4. Oktober. (Reichsgericht. Prozeß Ahlwardt.) Der Reichsanwalt beantragte die Verwerfung