Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 83 (20.10.1892)
- Date
- 1892-10-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1578 dieser Inselbewohner befand sich im Besitze von kostbaren Ringen, die er vor vielen tausend Jahren von seinem Gotte empfangen hatte. Diese Ringe besaßen die Eigenschaft, daß sie deren Träger Gesundheit und langes Leben gaben, nur mußten dieselben davor in Acht genommen werden, daß sie nicht mit Wasser in Berührung kamen, denn sobald einer der Ringe feucht wurde, verlor er seine wunderbare Kraft. Die Besitzer der Ringe hüteten denn auch diese auf das Peinlichste und es war in den vielen tausend Jahren nie vorgekommen, daß einer der Ringe in daS Wasser gefallen wäre, oder daß man ihn beim Waschen anbehalten hätte. Eines Tages indeß bekamen die übrigen Bewohner der Insel, die häufig krank wurden und unter deren Mitte viele in früher Jugend sterben mußten, einen großen, unbesiegbaren Haß auf die Ringbesitzer. Mit dem Tragen der Ringe nämlich waren auch strenge Vorschriften über Mäßigkeit, Sparsamkeit, Nüchternheit und sonstige Tugenden verknüpft, so daß viele der Ringinhaber im Laufe der Zeit große Schätze an Gold, Silber und edlem Gestein sammeln konnten. Das erregte den Neid der anderen Insulaner, sie gründeten antiringbesitzende Vereine, hielten große Versammlungen ab und brachten er soweit, daß sie den Großvezir bewogen, eine Ministerial-Verordnung zu erlassen, die anscheinend gar nicht gegen die Ringbesitzer gerichtet war, sondern wonach im Interesse der Reinlichkeit in Zukunft jeden Morgen die Ringe von sämmtlichen Bewohnern der Insel durch einen Beamten des Khalifen einer gründlichen Waschung unterzogen werden sollten. Sofort entwickelten die Besitzer der Wunderringe eine fieberhafte Thätigkeit, um die Kraft ihrer Kleinode, die durch das Waschen ja verloren ging, zu erhalten. Die Gemeinden und Seelsorger der Ringbesitzer machten an maßgebender Stelle darauf aufmerksam, daß das Waschen den Ringen der anderen Einwohner nicht schade, daß man aber ihre Ringe hiervon ausnehmen solle, umsonst — man erwiederte ihnen, sie erstrebten eine Ausnahmestellung im Lande, man könne ihnen zu Liebe keine besonderen Gesetze machen und jeden Freund der Reinlichkeit entsetze es, wenn er sehe, wie schmutzig die Ringe seien. Die Ringbesitzer ließen sich hierauf Gutachten von vielen ärztlichen und anderen Autoritäten aus der ganzen Welt kommen, welche alle bezeugten, daß es für die Sauberhaltung der Ringe durchaus nicht nothwendig sei, daß sie mit dem ihnen Verderben bringenden Element in Berührung kämen, daß man dieselben auch auf andere Weise sehr gut, ja noch viel besser putzen könne, es half Alles nichts; am 1. Rhamadan trat die Verordnung in Kraft. Da versuchten die Inhaber der kostbaren Ringe einen letzten Schritt, sie ließen eine große kostbare Schatulle unfertigen, legten sämmtliche Riuge in dieselbe und begaben sich mit der Schatulle in der Hand zu dem Khalifen. Ein ehrwürdiger Greis mit schneeweißem Bart und lang herabwallendem Haupthaar trat vor den Herrscher und redete ihn also an: „Wisse, o Herr, seit vielen tausend Jahren leben diese Deine Diener glücklich und zufrieden in diesem Lande, dessen Wohl sie in den langen Jahren ihres Aufenthaltes stets auf das Giftigste förderten. Befehle, daß in den Büchern Deiner Chronik nachgefchlageü werde und Du wirst die Wahrheit meiner Worte bestätigt finden. Seit Kurzem aber ist schweres Leid über Deine Diener hereingebrochen. Die Ringe, die uns von unseren Urahnen als heiliges Vermächtniß überliefert wurden und die uns, wenn wir sie frei von aller Feuchtigkeit halten, uns vor Krankheit und frühzeitigem Tod bewahren, sollen auf Befehl Deines Großvezirs von jetzt ab jeden Morgen in Wasser getaucht werden, so daß sie ihrer wunderbaren Kraft verlustig gehen werden. Wir haben deshalb, großmächtigster Herr, beschlossen, die Ringe von jetzt ab nicht mehr zu tragen. Wir legen sie Dir zu Füßen, thue damit, was Du in Deinen Augen für gut hältst." Damit legte er die Schatulle an dem Throne des Khalifen nieder. Dieser hatte den Worten des Greises mit gespannter Aufmerksamkeit gelauscht und als der Letztere geendet, sprach der Herrscher: „Nicht also, mein Freund, nicht kann es mein Wunsch sein, daß über so treue Unterthanen wie Ihr seid, so schweres Mißgeschick komme. Ich glaubte, die Verordnung sei der Reinlichkeit zum Schutz, ich wußte nicht, daß sie Euch zum Trutz erlassen wurde. Ziehet in Frieden nach Hause, ich will sofort Befehl ertheilen, daß Eure Ringe von keinem meiner Beamten in Zukunft berührt werden dürfen; diejenigen aber, die mich über die Eigenschaft Eurer Ringe falsch berichteten, sollen der verdienten Strafe nicht entgehen." Glücklich zogen die Leute wieder nach Hause und lobten ihren weisen und gerechten Herrn, dem sie nunmehr mit noch größerem Eifer wie früher dienten. Briefkasten -er Redaction. I. M. Gr. Senden Sie die betr. Arbeit nur ein. Für gute Arbeiten auf dem Gebiete der isr. Schule haben wir immer Verwendung. Red. der „Bl. f. d. isr. Sch." Pädag. Beil. z. Israelit. B. in F. Der in voriger Nr. mitgetheilte Brief des Geh. Regierungs- und Schulrath Dr. Kellner war an Herrn Lehrer Rothschild in Worms gerichtet. Auflösung des Arers-AätHsets in M. 79 & 80: ♦TO*» — "TO — TON ~ S>NTO' Unter den Einsendern von richtigen Lösungen wurde geloost und erhielt der Gewinner, Herr A. N. Kranz darff in Gothenburg, Schweden Ei« Werk aus unserem Verlag franco zugesandt. Privat-Telegramm des „Israelit". Prag, 16. October, 11 Uhr 45 Minuten Vormittags. Soeben schied Negierungsrath Professor Dr. S. I. Kämpf, emeritirter Tempelprediger aus dem Leben. Eine Biographie des Verstorbenen empfangen Sie für die nächste Nummer des „Israelit".