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Der Israelit · 1892-10-17 · Heft 81-82 (17.10.1892) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 81-82 (17.10.1892)
Date
1892-10-17
Page
– (sequence 27)
Language
German
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1565 Pharmazie und solchen Fächern zuwenden, in denen die Honorarstundung wenig üblich ist. In der juristischen Facultät dagegen, namentlich aber in der für die Juden hauptsächlich in Betracht kommenden medicinischen Facultät kennzeichnen sie sich mit den Katholiken vorzugsweise als die bedürftigeren Studenten. Da übrigens der statistisch nicht ganz erfaßte Honorar-Erlaß, worunter hier auch die Fälle begriffen sind, in welchen auf Grund statutarischer Berechtigung Honorar überhaupt nicht geschuldet wird (Professorensöhne 2c.), nicht durchweg die Bedürftigkeit zur Voraussetzung hat, so ist es zweckmäßig, die vorerwähnten Procent-Ziffern lediglich für die Honorar-Stundung zuberechnen. Geschieht dies, fo erhielten Stundung Preußen auf Preußischen Universitäten in der in der in der in diesen von medicinischen juristischen philosophischen ZFacultäten je 100 Facultät Facultät Facultät zusammen Evangel. 21.5 4.6 12.7 13.3 Katholiken 34.6 8.3 18.4 22.4 Juden 33.8 11.5 9.5 24.0 Wie man also die Kreise der Untersuchung auch begrenzt, immer tritt der katholische und jüdische Student als ärmer und unterstützungsbedürftig hervor und zeigt sich der evangelische als aus solchen Kreisen hervorgegangen, deren Wohlhabenheit die Inanspruchnahme fremder Mittel in verhältnißmäßig geringerem Grade erfordert. Breslan. Der Schulbericht der hebräischen Unterrichtsanstalt von Rabbiner Dr. P. Neustadt, der sich wiederum über zwei Schuljahre, (1890/91 und 1891/92,) erstreckt, darf mit einer erfreulichen Thatsache beginnen, die in das Ende der genannten Periode fällt. Durch Erlaß der Königlichen Regierung vom 7. Februar 1892 ist die Anstalt nunmehr auch staatlich anerkannt worden. Sie hat die Concession ohne jede Dauerbeschränkung für immer und die Berechtigung erhalten, staatlich geltende Zeugnisse über den Religionsunterricht auszustellen. Es darf mit Selbftbewußtsein hervorgehoben werden, daß sich die Anstalt diese hohe Anerkennung redlich verdient hat in einer dreißigjährigen an Arbeit, aber auch an Erfolgen reichen Thätigkeit, daß sie sich in diesem langen Zeitraum das Vertrauen der religiösen Kreise innerhalb wie außerhalb der Gemeinde zu erringen gewußt hat, unendlich viel beigetragen zur Hebung der religiösen Bildung, hebräisches Wissen in weite Klassen der israelitischen Bevölkerung getragen, für die in den Vorstädten wohnenden Glaubensgenossen, welche besonderer Einrichtungen für den Religionsunterricht ihrer Kinder bisher entbehren, Unterrichtskurse geschaffen, zum ersten Male schon vor 30 Jahren mit Einrichtung eines für die öffentlichen Schulen besuchenden Kinder so dringend nothwendigen Jugendgottesdienstes hervorgetreten und auch damit bis heute in unserer Gemeinde allein geblieben ist. In der verflossenen zweijährigen Berichts-Periode erhielten den Unterricht in der Anstalt 188 Kinder, Knaben und Mädchen. Von denselben bekamen 86 ganze Freischule, 22 Schulgeld zum Besuch von höheren Schnlen (Realschulen, Gymnasien, Töchterschulen) und monatliche Stipendien im Gesammtbetrage von 1329,50 Rmk., 41 empfingen die erforderlichen Schulbücher und Schreibmaterialien für beide Schulen; für 3 Schüler übernahm die Anstalt die gesammte Ausbildung zum Lehrer- Beruf. Unter den Freischülern befanden sich auch auswärtige, darunter 5 Kinder von Gemeinde-Beamten. Die Zahl der auswärtigen zur Anstalt beitragenden Mitglieder ist von 331 im Jahre 1888 auf 4o0 im Jahre 1890 gestiegen, wozu in der verflossenen Berichtszeit noch 71 Mitglieder traten. Sie vertheilten sich 1888 auf 158, 1890 auf 208 Gemeinden, ihr Jahresbeitrag war 1888: 2604,85 Rmk. 1890: 3159,70 Rmk. 1891: 3639,53 Rmk. Die Zahl der hiesigen Mitglieder stieg in derselben Zeit von 202 auf 279 und 516 im Jahre 1891, ihr Jahresbeitrag von 1316 Rmk. auf 1743 Rmk. und 2614 Rmk. Diese starke Vermehrung der Mitgliederzahl beweist gewiß deutlich, wie sehr die Anstalt verstanden hat, durch ihre Leistungen die Shmpathieen großer Klaffen der Bevölkerung zu erwerben. Außer der hiesigen Gemeinde tragen auch noch bei zur Anstalt die Gemeinden Erfurt und Otterberg und verschiedene Eorporationen der Gemeinden Breslau, Bayreuth, Dürkheim, Ellingen, Frankfurt a. M., .tzeilbronn, Hürben, Leobschütz, Mosbach, Obersitzko, Trachenberg. Die Bibliothek erfuhr auch im verflossenen Zeitraum werthvolle Bereicherungen und zwar die Schüler- und die Lehrer-Bibliothek wie alljährlich von Seiten unseres ungenannten Gönners kostbare Zuwendungen. Die Einnahme für 1890/92 betrugen 13,440 M., die bis auf 8 M. vorausgabt wurden. In Petersburg ist am 15. v. M. Leon Gordon, der größte hebräische Dichter der Gegenwart, nach langer Krankheit gestorben. Gordon hat nur ein Alter von 54 Jahren erreicht. Er wurde 1838 zu Wilna geboren und lebte seit 1872 in Petersburg, bis 1881 als Sekretair der jüdischen Gemeinde, von 1881—88 mit geringer Unterbrechung als Redakteur des „Hamelitz". Vor einigen Monaten wurde der verletzte Leichnam eines weiblichen Kindes in einem Strome des Departements Brenne aufgesunden, und eine in Tours erscheinende klerikale Zeitung, das Journal älnäre et Loire“, versicherte, das Verbrechen sei zu „Ritualzwecken" von Juden ausgeübt worden, obgleich kaum einige Juden in dem Distrikt lebten. Der Pariser „Ternxs“ bringt nun einen Bericht über die Angelegenheit, welcher zeigt, daß die Mutter selbst den Mord begangen hat, um sich ihres illegitimen Kindes zu entledigen. Sie wurde zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurtheilt. — Herr A. Vorzanger, Professor der Musik in London, hat eine Kapelle für Streichmusik, bestehend aus 11 jüdischen Musikern, welche aus Rußland vertrieben wurden und im Zufluchtshause für arme Juden (Poor Jews Temporal Shelter) Aufnahme fanden, errichtet. Nach einer Probeaufführung im königlichen Aguarium wurde die Kapelle engagirt, täglich in der englischen Hauptstadt zu spielen. — In der Universität von Kielo in Japan ist die hebräische Sprache als Lehrgegenstand ausgenommen worden. Es befinden sich 38 Studenten in der hebräischen Abtheilung.

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