Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 81-82 (17.10.1892)
- Date
- 1892-10-17
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXlli. Jahrgang. Dritte Beilage M M 81 & 82 -es „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correfpoudenzeu. Deutschland. Berlin, 10, Oktober. Das von uns berichtete mannhafte Auftreten des evangelischen Predigers Hoßbach gegen den Antisemitismus anläßlich der Buschhof- Sammlung hat diesem würdigen Geistlichen, wie vorauszusehen war, eine Fluth von Schmähungen seitens der Judenhetzer eingetragen. Jetzt veröffentlicht Herr Hoßbach im „Evangelischen Gemeindeboten" den Wortlaut seiner Ausführungen und erklärt, dag er wegen seiner Rede von antisemitischer Seite mit Schmähungen überhäuft und u. A. beschuldigt werde, er sei von den Juden bestochen worden. In einer Postkarte mit gebildeter weiblicher Handschrift wurde er sogar gefragt, wie viel Geld er für diese Predigt von den Juden empfangen habe und dergleichen. „Ob solche Auslassungen und Verdächtigungen — so sagt Herr Hoßbach wörtlich — im Stande sind, meine Gemeinde an mir irre zu machen, muß ich dahingestellt sein lassen. Mich hat diese Ausnahme, die meine Worte in antisemitischen Kreisen gefunden haben, nur in der Ueberzeugung bestärken können, die ich in meiner Predigt ausgesprochen habe, daß durch die antisemitische Bewegung eine Leidenschaft des Hasses großgezogen ist, die den Boden des Christenthums unter den Füßen verloren hat und eines christlich sein wollenden Volkes unwürdig ist; mich hat sie nur in der Ueberzeugung befestigt, daß es nöthig war, den Finger aus die Wunde in unserm christlichen Volksleben zu legen, in der Ueberzeugung, daß es für einen evangelischen Geistlichen, der in seiner Gemeinde christliches Leben erwecken und pflegen soll, solchen Krankheitserscheinungen gegenüber nicht blos sein Recht, sondern seine gebieterische Pflicht ist, seiner Gemeinde zuzurufen: „Vergesset nicht, welches Geistes Kinder ihr seid!" Colberg, 12. Okt. Gegen die Antisemiten hat der ultramont. bayer. Landtagsabgeordnete Pfarrer Dr. Fr. Frank, wie früher bereits ausführlich berichtet, unter dem Titel: „Die Kirche und die Juden" ein Buch geschrieben. Der Verfasser kommt zu dem Schlüsse, daß ein katholischer Priester und überhaupt ein gläubiger Katholik nicht Antisemit sein könne. Er wird deshalb von einigen Zentrumsblättern scharf angegriffen und die „Kreuzztg." druckt diese Angriffe mit schmunzelndem Behagen ab. Der im Zentrum sich immer breiter machende Antisemitismus ist ein Beweis für den Niedergang der Zentrumspartei seit dem Tode Windthorsts. Born Niederhein. Der siebte Jahresbericht des isr. Waisenhauses zu Dinslaken am Niederrhein zeigt gleich den Vorjahren eine recht erfreuliche Weiterentwickelung des Hauses. Am Beginn des Jahres bestand die Befürchtung, daß durch die großen Ansprüche, welche durch die die Gesammtjudenheit berührenden traurigen Ereignisse des letzten Jahres an die Opferfähigkeit derselben gestellt wurden, die Leistungen für das Waisenhaus beeinträchtigt würden; doch kann mit Freuden konstatirt werden, daß trotz der gebrachten großen besonderen Opfer die Beiträge für die Waisen keine Einbuße erlitten haben. Was an einzelnen Stellen ausfiel, ist durch neue Beiträge wieder ausgeglichen worden — bei den großen Leistungen für das große Ganze hat der bewährte Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen auch der naheliegenden dringenden Ausgaben nicht vergessen und so hat auch das vergangene Jahr, wie die vorhergegangenen, der Anstalt weitere Kräftigung und erfreulichen Fortschritt gebracht. In Anbetracht der großen Ansprüche, die auch im letzten Jahre wieder an dieselbe herangetreten sind, ist dies Resultat doppelt erfreulich. Von der großen Zahl der cingegangenen Aufnahmegesuche konnte die Verwaltung dennoch nur den kleinsten Theil berücksichtigen, und war dieselbe bemüht aus der Zahl derselben die dringendsten Fälle zunächst zu berücksichtigen, wobei natürlich in erster Reihe diejenigen Gemeinden bevorzugt werden mußten, welche durch ihre Leistungen für das Haus gerechtfertigte Ansprüche aus Gegenleistungen zu stellen hatten. Im vergangenen Jahre wurden fünf Kinder entlassen. Mehrere davon befinden sich in der Lehre noch unter der besonderen Aufsicht des Curatoriums und werden von hier aus mit allem Röthigen versorgt. Ausgenommen wurden sieben Kinder. Die Zahl der Pfleglinge betrug am 31. März d. I. vierundzwanzig. — Die verschiedenen Einnahmepositionen haben alle sich aus bisheriger Höhe gehalten. Die Beiträge und Spenden ergaben ungefähr wieder den vorjährigen Ertrag. Die Stiftungen hingegen haben gegen das Vorjahr wesentlich zugenommen. Die Verwaltung bittet ihre Freunde auch fernerhin besonders um Zuwendung von Kaddisch-Stistungen. Für eine einmalige Kapitalseinzahlung von M 300 — wird während des Trauerjahres das Kaddisch-Gebet von den Waisen verrichtet und die Begehung des Jahrzeittages für ewige Zeiten übernommen. Auch Stiftungen zu Lebzeiten der Stifter sind in diesem Jahre mehrere errichtet worden. Die Almosenbüchsen haben ebenfalls fast den vorjährigen Ertrag erreicht. Es sind auch in diesem Jahre in Synagogen, Hotels und bei Privaten neue Büchsen ausgestellt worden. Bei den Ausgaben war das Curatorium bemüht sich aus das Allernothwendigste zu beschränken und ist ihm dies gelungen, so daß trotz der höheren Lebensmittelpreise und vergrößeren Kinderzahl die diesjähnigen Ausgaben die des Vorjahres nur wenig übersteige. Einnahme und Ausgabe bilanciren mit 24,000 Mark. Frankreich. Paris. Es gehört nicht viel dazu, um von den französischen Antisemiten mit einem Ehrensäbel beschenkt zu werden. Der Marquis de Mores hat bekanntlich den Hauptmann Mayer, der insoferne, als er an einer Schwäche des rechten Armes litt, kein ebenbürtiger Gegner war, im Säbelduell getödtet. Einige Fleischer aus dem Schlachthause von La Villette haben ihn für diese Abschlachtung eines Menschen durch Uebergabe