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Der Israelit · 1892-10-04 · Heft 79-80 (4.10.1892) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 79-80 (4.10.1892)
Date
1892-10-04
Page
– (sequence 28)
Language
German
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1538 „Wir sollten mitgehen; Vater hatte es uns versprochen." „Im nächsten Jahre s. G. w. mein Schatz. Doch versuche jetzt zu schlafen; bis Du wieder aufwachst, ist Vater auch wieder da." Der Knabe legte sich zur Seite und noch nach einer Weile konnte man ihn leise vor sich hinmurmeln hören: „Nicht sterben, lieber Gott, laß mich nicht sterben." Aufregende, traurige Tage waren die zehn Bußtage für Ephraim und seine Frau. Ihre Kinder schwebten in Todesgefahr, aber sie verzagten nicht. Was Gott thut, das ist wohlgethan! Dieser Spruch und das Gebet gab ihnen Kraft und Ausdauer. Und ihre Gebete sollten nicht unerhört bleiben. Am Rüsttage des Versöhnungstages erklärte der Arzt die Knaben außer Gefahr. Wer beschreibt die Freude der Eltern, welche Feder vermag die Dankbarkeit schildern, die ihre Herzen gegen den Allvater erfüllte! Wie glücklich war der Vater, als er an diesem Tage um seine Knaben als Kaporoh zwei stattliche Hähne schlagen und dem lieben Gott für ihre Rettung danken durfte! Ein Sabbat der Sabbate war ihm der Versöhnungstag in jedem Jahre, aber zum doppelten Freudentag war er ihm in diesem Jahre geworden. Innig stieg sein Dankgebet zum himmlischen Vater empor! Wie gelobte er, mehr noch als seither, nach den Geboten unserer heiligen Religion zu leben und seine Knaben in ihren Lehren zu erziehen! Und als der Versöhnungstag zu Ende, als der Schofarton verklungen war, der Israel die Verheißung gibt, daß sein Gott ihm verziehen, daß es rein von Sünden die heilige Stätte verlassen könne, da eilte Ephraim nach Hause, umarmte sein Weib und seine Kinder, herzte und küßte und segnete sie. Und als der Körper gestärkt war, da wurden bunte Papierbogen herbeigeholt und Alle betheiligten sich an dem frommen Werke, zum Schinucke der Sukkoh beizntragen. Kettchen und Körbchen wurden geschnitten, Russe vergoldet uud versilbert, um eine Sukkoh zu bauen, so schön wie sie noch Niemand gesehen. In diesem Jahre baute Ephraim seine Sukkoh selber und sie wurde nicht weniger schön als in den Jahren zuvor, wo er sich dieselbe von Klaus hatte erbauen und schmücken lassen. Mit Stolz betrachtete er sein Werk als es vollendet war, und mit Stolz sagte er, als er zum ersten Male in ihr wohnte, den vorgeschriebenen Segensspruch: Leschel‘ basukkoh. Das Wetter hatte sich wiederum geändert. Es war so warm und so schön geworden, daß der Arzt für die beiden Nekonvalescenten den steten Aufenthalt im Freien und in der frischen Luft verordnete. Was konnte hierzu geeigneter sein, als die Sukkoh? Und nun wohnten sie wirklich darin. Vom frühen Morgen bis zum Abend waren sie in der Laubhütte. Und der Vater trug ihnen aus der Mischnah den Abschnitt Sukkoh vor und ergötzte sich an dem Eifer und der Lernbegierde seiner Kinder. So traurig das Neujahrsfest den Eltern verflossen war, so freudenvoll war für sie das Lrukkothfeft und Ephraim sagte fast täglich zu seiner Frau: „Unsere Freude wäre doch nur halb so groß, wenn wir keine Sukkoh hätten!" Und die Sukkoh sollte ihnen noch in anderer Weise zum Heile gereichen. Eines Tages war es furchtbar schwül und drückend. Die Sonne brannte, als ob man im August wäre und die Temperatur war schier unerträglich. Da zogen schwarze Wolken am Himmel auf und ein furchtbares Gewitter brach los. Blitz folgte auf Blitz, Schlag auf Schlag, Himmel uud Erde schienen sich im Feuer zu vereinigen und die Schwüle nahm immer zu, da trotz des Gewitters kein Tropfen Regen zur Erde siel. Aengstlich suchten die Vögel Schutz unter den Dächern und auch Ephraims Frau sagte: „Komm', laß uns hineingchen in's Haus; es bietet doch mehr Schutz als die sukkoh." „Wenn Du Dich dort sicherer fühlst, wollen wir hineingehen, aber auch in der Sukkoh sind wir unter Gottes Schutz." Schon wollte er sich erheben, da flammte es am Himmel auf. Auf den Blitz folgte ein Schlag, so furchtbar, daß Alle erschreckt auf ihre Plätze zurückfielen und zitternd und bebend das Kommende erwarteten. Da tönte auch schon der Ruf Feuer! durch die Straßen und die Flamme loderte aus dem Hause Ephrann's. Der Blitz hatte daselbst eingeschlagen und gezündet. Nun brach auch der wolkenbruchartige Regen los und das war ein Glück. Er erstickte das Feuer, ehe es an Ausdehnung gewinnen konnte. Ephraim hatte rasch das feste Dach der Sukkoh niedergelassen, so daß sich die Bewohner derselben im Trockenen befanden. Das Feuer war zwar rasch gelöscht, aber trotzdem hatte der Blitz großen Schaden ungerichtet, da er fast das ganze Wohnzimmer und dessen Einrichtung zertrümmert hatte. Ephraim stand sprachlos vor der Verwüstung. Aber nicht das Bedauern über den Schaden, den er erlitten, war es, was ihm die Sprache raubte, es war die Dankbarkeit gegen Gott, der ihn und die Seinen vor dem sicheren Tode beschützt. Nur der gewissenhaftesten Befolgung des göttlichen Wortes, l e 8 e li e f basukkoh, in der Sukkoh zu wohnen, hatte er sein Leben und das seiner Lieben zu verdanken; hätte er die Sukkoh, wie das so oft geschieht, nur als Speisezimmer benutzt, so wären sie alle verloren gewesen. Ja, die Gebote Gottes müssen genau befolgt werden. Basukkaus tesehwuh, sagt die Schrift, in Laubhütten sollt Ihr wohne u. Wohne nur getrost in Deinen Laubhütten, ''mein Israel. Sind diese Wohnungen auch nicht so fest und sicher, wie Häuser aus Eisen und Stein, so bieten sie Dir doch Schutz auf Deiner Wandernng durchs Leben, denn sie führen Dich zu Deinem Gott, sie erinnern Dich an den, der Deine Ahnen einst sicher durch die Gefahren der Wüste geleitet und Er, zu dem Du betest uferaus olenu sukkaus schlomecbo, breitet aus Über UNs die Hütte Deines Friedens, Er wird Dich in Deinen Hütten schützen, in Deinen Wohnungen schirmen, bis jene Zeit kommt, von der es heißt: ^esukod thihje lezei jaumom und Israel wird sicher wohnen, uneben jehi rozaun, so sei Dein heiliger Wille! Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition be8 „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.

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