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Der Israelit · 1892-09-29 · Heft 78 (29.9.1892) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 78 (29.9.1892)
Date
1892-09-29
Page
– (sequence 21)
Language
German
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ÄrthodM MuderrthumÄ /s B Q NJ/' mam HV iil V} LS Sept 1892 ] Wt. 4. Inhalt: Die Blindenbildung und ihre Bedeutung für die Erziehung des Menschengeschlechtes. — Aus Stadt und Land: Eisenach. Hannover. Are Mindensiitdung und ihre Aedeutung für die Erziehung des Menschengeschlechtes. Vortrag, gehalten von S. Heller, Direktor des israel. Blinden-Jnstitutes, im Verein Oesterr. Israel, Union, am 9. April 1892. Verehrte Damen! Sehr geehrte Herren! Es gibt Worte, welche in allen Sprachen das Herz sofort ergreifen, weil sie es in den Schauern der Vergänglichkeit erbeben machen, weil sie mit der Gewalt des Unmittelbaren uns zum Bewußtsein bringen, was das Schicksal des Menschen bedeutet. Worte von solch ergreifender Gewalt sind: „Ein blindes Kind." — Ein Kind ist ein Wesen, welches sorglos den Lebensweg dahin wandelt, tausend Blumen pflückend, mit welchen es sein Dasein schmückt, aus den wunderbaren Quellen trinkend, die sein unjchuldsvolles Herz mit Heiterkeit und Frohsinn erfüllen. Ein Kind ist ein Wesen, welches mit seinen Augen den Himmel und die Erde mit all ihren Herrlichkeiten in die Seele saugt, dessen Augen einen Himmel der Unschuld, der unentweihten Menschlichkeit am reinsten und herrlichsten wiederspiegeln, so daß ein Blick in das Auge des Kindes den Traum des Paradieses von neuem in uns erweckt und die Hoffnung auf eine Zukunft, in welcher ein edles Menschenthum der Welt für immerdar erscheinen wird. Und setzen wir zu dem Worte „Kind" das Wort „blind", so ist dieses sonniggoldene, leuchtende Bild sofort von einer Nacht verschlungen, in welcher es niemals tagt, so steht vor uns ein Wesen, dem durch einen unerforschlichen Rathschluß Gottes die schönsten, die unschuldsvollsten Freuden des Lebens versagt bleiben, welches umwogt ist von brausenden Stimmen einer wirkenden, schaffenden, verlangenden Welt, die es nicht versteht, welches räthselnd Erscheinungen gegenübergestellt ist, die es niemals völlig zu begreifen vermag. Ein trauriges, ein schweres, ein furchtbares Schicksal ist eingeschlossen in den zwei kleinen Worten: „Kind und blind." Es ist menschenwürdig, in Rührung und Mitgefühl bei der Betrachtung dieses Menschenschicksals zu verweilen, aber es ist auch unsere Pflicht, insbesondere als Bekenner des Judenthums, uns in dem Gedanken und in der gläubigen Zuversicht zu erheben, daß auch dieses Geschick der Vater der Liebe sendet, welcher, hocherhaben über allem Irdischen und aller Beschränkung, jedem Menschendasein seinen Zweck und seine Bedeutung vorzeichnet und in das Streben nach diesem Zwecke unverlierbare Keime wahren Glückes gelegt hat. Auch dem blinden Kinde ist eine solche Mission gegeben, und diese gehört zu den erhabensten, die ein Menschenkind zu erfüllen vermag. Der Blinde kann einem Ziele entgegengesührt werden, in welchem ihm ein Licht erscheint von einer Hoheit, einer Pracht und Herrlichkeit, die unser erschlossenes Auge nicht zu erschauen vermag, und auf dem Wege dahin erblüht ihm ein Glück, an dem der Schein keinen Antheil hat, das die Enttäuschung nicht dauernd beeinträchtigen, die Vergänglichkeit nicht zerstören kann. Soll der Lichtberaubte aber jene hohe Sendung erfüllen, jenes lichtvolle Ziel erreichen, soll ihm ein solch unverlierbares Glück zutheil werden, dann muß ihm ein Bote Gottes die Hand reichen und ihn an derselben treulich führen, und dieser Bote ist die Menschenliebe. Wenn diese Menschenliebe ein blindes Kind an das Herz drückt, wenn es an demselben erwärmt, an seinem Pulsschlage empfindet, daß es eine Erbarmung gibt, die sich nicht in Thränen löst, welche Werke der Erlösung schafft: dann steigt in der Nacht des Blinden ein Stern empor, der sich allmählich in eine Sonne verwandelt, der jenes flutende, himmlische, unvergängliche Licht entströmt, von dem ich eben gesprochen habe. (Beifall.) Aber nur die wahre Menschenliebe ist es, welche dieses Wunder vollbringt, nicht jenes weiche

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