Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 78 (29.9.1892)
- Date
- 1892-09-29
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448292--34962-2482925- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1500 hat im vorigen Jahre nach gewiesen, daß die erwähnten Colonien sich in blühendem Zustande befinden, so daß Minister Ostrowskij, dessen humane Gesinnungen in Rußland allgemein bekannt sind, Gelegenheit haben wird, sich von der Fähigkeit der Juden zum Ackerbau persönlich zu überzeugen. Ostrowskis ist übrigens ein Gegner der Verschärfung der Judengesetze; er hat von seinem berühmten Bruder, dem verstorbenen russischen Dramaturgen Alexander Ostrowskij, gelernt, gegen die Bedrückung der Schwachen zu kämpfen und Humanität zu üben. -£• vermischtes. < Berlin, 5. September. Das neueste amtliche „Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reichs" enthält Angaben über die Religionsverhältnisse der Bevölkerung Deutschlands nach der Volkszählung von 1890. Danach waren unter einer Gesammtbevölkerung von 49 428 470 Personen 81026 810 Evangelische (Lutheraner, Reformirte und Unirte), 17 674921 Katholiken (einschließlich 2992 griechisch-katholischer), 145-740 andere Christen, 567884 Juden, 562 Bekenner anderer Religionen, 6510 mit unbestimmter Angabe des Religionsbekenntnisses und 6248 ohne Angabe des Religionsbekenntnisses vorhanden. Seit der Volkzählung von 1885 hat, wie ein Vergleich mit früheren amtlichen Veröffentlichungen zeigt, zügenommen die Zahl der Evangelischen um 1656 968, der Katholiken um 889187, der sonstigen Christen um 19 867, der Inden um 4714, und der Bekenner anderer Religionen und Personen unbekannter Religion um 2087. In Prozenten ausgedrückt, steht einer Zunahme der Gesammtbevölkerung um 5,5 pCt. eine solche der Evangelischen um 5,6 pCt. gegenüber, während die Katholiken sich nur um 5,8 und die Juden sogar nur um 0,8 pCt. vermehrt haben. Die geringere Zunahme der jüdischen Bevölkerung im ganzen Reiche geht in vielen Staaten und Regierungsbezirken in eine Abnahme über. In Preußen beträgt die Zunahme der Juden 5484 oder 1,5 pCt., in den übrigen deutschen Staaten hat eine Abnahme um 770 stattgefnndeu. Unter den preußischen Provinzen zeigen die im Osten belegenen durchweg eine Abnahme der jüdischen Bevölkerung, am meisten Posen um 6460 (12,4 pCt.), Schlesien um 8478 (6,7 pCt.), Westpreußen um 2904 Z1,8 pCt.), Ostpreußen um 1256 und Pommern um 1045. Zugenommen hat dagegen die Zahl der Juden in Schleswig-Holstein um 27, in Hannover um 108, Westfalen um 237, Sachsen um 606, Hessen-Nassau um 1378, Brandenburg um 1611, Rheinland um 2829, und in Berlin um 14 903. In Berlin hat die Gesammtbevölkerung um 20,0 pCt., die jüdische dagegen um 23,1 pCt. zugenommen. Von den deutschen Staaten außer Preußen zeigen eine Zunahme der Juden nur Sachsen um 1638 oder 21,1 pCt., Bremen um 191 oder 11,8 pCt., Hamburg um 102!» oder 9,0 pCt. und Braunschweig um 165 oder 11,2 pCt., ferner eine Anzahl kleinerer thüringischer Staaten, sowie Bayern (um 188 oder 0,8 pCt.). Abgenommeu dagegen hat die Zahl der Juden in Württemberg um 582, Baden um 201», Hessen um 573, den beiden Mecklenburg um 173, Sachsen-Weimar, Anhalt, Waldeck, Lippe und Elsaß- Lothringen, um 2231 oder 6 pCt. Berlin, 16. Sept. An Sonntag sprach Prediger Hoßbach in der „Neuen Kirche" über das Evangelium vom barmherzigen Samariter. Er führte, wie einem hiesigen Tageblatte geschrieben wird, dabei aus, man sollte eigentlich vorausseven, daß auch der einfältigste Mensch dieses klare Gleichniß sofort verstehen müsse. Dem sei jedoch nicht so. Wie die antisemitische Bewegung zeige, besännen sich manche Christen auf die Grundsorderungen des Christenthums recht wenig. „Neulich habe ihm Jemand, der sich als „Besucher der Neuen Kirche" Unterzeichnete, in einem Briefe einen Vorwurf daraus gemacht, daß er, der Prediger Hoßbach seine Namensunterschrift zu einem Ausruf hergegeben habe, welcher bezweckt, einer jüdischen Familie, die durck Unverstand der Christen ruinirt worden war, wieder auszuhelsen. Hieraus könne man ersehen, daß es sogar noch heute christliche Kirchenbesucher gebe, die dem Samariter von seinem Werke abrathen unter dem Hinweis, daß der unter die Mörder Gefallene ja ein Jude sei, dein ein Christ nicht helfen dürfe und den Samariter gewissermaßen aufforderten, dem Priester im Gleichniß zu folgen." Wenn alle Seelsorger die Gemeinde so an ihre Pflichten erinnern würden, wie der Prediger Hoßbach es hier gethan, so würde der Antisemitismus nicht so üppig wuchern, wie es in Folge der verhetzenden Thätigkeit eines Ltöcker und anderer „Prediger der christlichen Liebe" der Fall ist. Brüssel, 14. Sept. Herr Dr. W. Herzberg, früher Director des jüd. Waisenhauses in Jerusalem, hat seit Kurzem die Direction des bekannten Institut International Kahn (Schule für Handel, Gewerbe und moderne Sprachen in Brüssel) übernommen und wird dasselbe in dem alten religiösen Geiste weiter führen. Grevenbroich, 12. Septbr. Das Schöffengericht hat acht Personen, die an Ausschreitungen gegen dir Juden in Gindorf und Frimersdorf theilgenommeu hatten, zu Hast von drei ^agen bis einer Woche wegen Hanssriedensbrnchs und Bedrohung vernrtheilt. Niederstetten (Württemberg). Das Fest der gol denen Hochzeit beging hier Herr Kaufmann M o f c v Stern mit Frau. Auf ausdrücklichen Wunsch de»n Jubelpaares ward von jeder osneiellen Feier abgesehen. Herr Stern zählt 84 und seine Frau 75 Jahre. Beide erfreuen sich sowohl körperlicher als geistiger Frische. Bet der ungetheilten Ehre, welche dem Jubelpaare von allen Seiten entgegengebracht wird, möge ihnen ein. froher Lebensabend beschieden sein. Aus Baden. Die diesjährige Religionskonseren' der isr. Lehrer des Konferenzbezirkes Bühl wurde am 11. September unter Vorsitz des Bezirksrabbiners Hrn. Dr. Meyer aus Bühl in dem Orte Malsch abgehalten. Nach Begrüßung der Versammlung durch den Lehren des Versammlungsortes, Herrn Hauptlehrer Bergmann und besonderer Danksagung an die Herren Bürgermeister Rastätter und Rathschreiber Deutel, die auf an die Ortsschulbehörde ergangene Einladung die Konferenz mit ihrer Anwesenheit beehrten, erwiederte Herr Bürgermeister Rastätter in warmen zu Herzen gehenden