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Der Israelit · 1892-09-29 · Heft 78 (29.9.1892) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 78 (29.9.1892)
Date
1892-09-29
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXIU. Jahrgang. Mette Beilage;u M 78 des „Israelit^. Zeitungsuachrichteu und Correfpondeuze«. Deutschland. Schifferfta-t (B. Pfalz). In erhebender Weise vollzog sich unter überaus lebhafter Betheiligung die Einweihung der neuen Synagoge. Der Festzug formirre sich um */s4 Uhr, unter dem Krachen von Böllersalven, und unter Borantritt von Schulkindern mit Fahnen und einer Musikcapelle setzte sich derselbe durch die in festlichem Grün und Flaggenschmuck prangenden, von einer dichten Menschenmenge besetzten Straßen in folgender Neihensolge in Bewegung. Schulkinder mit Fahnen, der Synagogenchor, die Trägerin des Schlüssels mit Begleitung von weiß gekleideten Mädchen, der Synagogenausschuß, 3 Thorahträger, Bezirksrabbiner Dr. Salven di aus Dürkheim, Lehrer Michel und Eantor Singer aus Frankenthal, der Vertreter des kgl. Bezirksamtes, Herr Bezirksamtsassessor Eßlinger, der Baumeister der Synagoge, Herr Bezirksbauschaffner M ü n ch, der Bürgermeister mit den beiden Adjunkten und dem gelammten Gemeinderath. Diesen schloß sich eine große Anzahl einheimischer und auswärtiger Festtheilnehmer an. Am Portal der Snnagoge richtete der Vorstand der Enltusgemeinde, Herr Leopold Mayer, an die Versammelten eine herzliche Begrüßungsansprache. Die Tochter desselben überreichte nach Vortrag eines sinnigen Gedichtes den aus sammeten Kiffen liegenden Schlüssel dem Bezirksamts-Assessor, welcher nach einer sehr hübschen Ansprache denselben dem Bezirks-Rabbiner Tr. Salvendi übergab. In einer überaus herzlichen Ansprache dankte dieser dem Vertreter der Regierung für sein Erscheinen und sprach im Namen der Gemeinde der Regierung und allen betheiligten Behörden den tiefgefühltesten Dank aus für die Unterstützung dieses hehren Werkes. Hierauf schloß er die Pforten aus und der Zug trat unter Absingung des „Ono" ein. Nach dem Einweihungsgebete und einem Liede des Synagogenchores hielt Dr. Salvendi die Festpredigt über die Bestimmung und den Zweck des Gotteshauses. Nach der vortrefflichen Predigt folgte ein Ehorlied, dann das Gebet für die Gemeinde, den Prinzregenten, Kaiser und das Vaterland. Hirschberg (Pfalz). Heute fand die Einweihung der neuen Synagoge unter großer Betheiligung von Seiten der Protestanten und auswärtigen Israeliten statt. Im stattlichen Zug begab man sich an das alte Gotteshaus, aus welchem die Thorahrollen geholt wurden. Herr Rabb. Dr. Mayer-Zweibriicken nahm in ergreifenden Worten Abschied und nun zog man zur neuen Synagoge. An der Thüre übergab ein Mädchen dem Rabbiner den Schlüssel; derselbe erklärte hierauf die Bedeutung des Wortes „Gotteshaus" und öffnete die Hallen. Nachdem alle Anwesenden sich versammelt hatten, wurde ein feierlicher Gottesdienst gehalten. Schotten (Prov. Posen), 14. Sept. Heute wurde unsere neue Synagoge eingeweiht. Von Nah und Fern waren Gäste herbeigeeilt, die theils mit der Gemeinde oder deren Mitglieder in engerer Fühlung stehen. Die Weihepredigt hielt in einer formvollendeten Rede und in zu Herzen gehenden Worten Herr Rabbiner Dr. Rosenthal aus Rogasen, ebenso die Ansprache beim Anzünden der heil. Lampe. Die Snnagoge konnte die Zahl der Theilnehmenden fast nicht fassen, denn die Betheiligung war seitens unserer hiesigen christlichen Mitbürger eine sehr große, unter anderen waren der Bürgermeister und die Hru. Stadtverordneten anwesend. England. London, 14. September. Ter Neunte Internationale Orientalisten-Kongreß, welcher vom 5.—12. September hier getagt hat, kann sowohl, was den Verlaus der einzelnen Veranstaltungen betrifft, als auch hinsichtlich des Gesammtergebniffes als in hohem Maße erfolgreich und bedeutsam bezeichnet werden. Zunächst und in höchstem Maße gilt dies von der gedanken-und kenntnißreichen Eröffnungsrede des Präsidenten, Professors Mar Müller, welche die in der ältesten Zeit bestehende Kulturgemeinschast zwischen Trient und Occident und die auch in der späteren Zeit der Trennung und Entfremdung sortbestehenden mannigfachen kulturellen Berührungen behandelte und in dem daraus sich ergebenden Hinweis ans die Einheit und Zusammengehörigkeit aller Glieder der Menschheit und die Verwerflichkeit der Verfolgung einer Rasse durch die andere gipfelte. Sie zeigte in gleich meisterhafter Weise einerseits, welch wichtige theoretische Ergebnisse die orientalische Forschung während der letzten Zähre geliefert, andererseits, welch hohe praktische Bedeutung — entgegen der gewöhnlichen Anschauung — diese Wissenschaft für die Menschheit besitze, und wie nahe sie daher unserem Geiste und unserem Herzen stehen müsse. Und wie richtig der Redner die Tendenz der gegenwärtigen orientalischen Forschung erfaßte hatte, dafür lieferten die Verhandlungen eben dieses Kongresses selbst den Beweis, indem nämlich ein sehr beträchtlicher Theil derselben sich mit den Beziehungen und Berührungen der verschiedenen orientalischen Kulturen unter einander oder mit denen des Occidents beschäftigte. Rußland. Petersburg. Das Project zur Lösung der Judenfrage in Rußland, welches in der Herbstsession des Petersburger Reichsrathes zur Berathung gelangen soll, enthält unter Anderm auch den Vorschlag, einen Theil der Juden aus dem Niederlassungsgebiete in den wenig bevölkerten Gegenden des Ezarenreiches anzusiedeln und sic zum Ackerbau heranzuziehen. Da die Frage über die Fähigkeit der russischen Juden zum Ackerbau von einigen Mitgliedern der Plehweschen Commission bestritten wurde, so begibt sich demnächst der russische Domänen- Minister Ostrowskis, wie der Graschdanin meldet, nach dem Gouvernement Cherson, um die dort befindlichen jüdischen Ackerbau-Colonien zu besichtigen^ Ein hervorragender russischer volkswirthschaftlicher Schriftsteller

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