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Der Israelit · 1892-09-26 · Heft 77 (26.9.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 77 (26.9.1892)
Date
1892-09-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1476 anstreben zu sollen und haben in dieser Richtung einige Maßnahmen in Aussicht genommen, über welche wir näheren Bericht zur Zeit uns noch Vorbehalten. Wir sind namentlich darüber in Berathuug, wie den Herren Lehrern im Bedürfnitzfalle ein Beitrag zur Altersversorgung, sowie eine Beihilfe für deren Hinterbliebenen gewährt werorn könnten. — In Angelegenheit der auch von unserer Vereinigung erstrebten Beihilfeleistung zur Unterbringung von Stellesuchenden in solchen Stellungen, welche ihnen die Beobachtung des Sabbats und der Feiertage gestatten, sind durch die auch seither stets von uns geübte Mittheilung unserer Vacanzenlisten, welche wir auf Ansuchen Mitgliedern wie Nichtmitgliedern unentgeldlich zusenden, bereits in einer Anzahl von Fällen junge Leute zu Stellungen gelangt und müssen wir uns vorerst bescheiden, in dieser Weise unser Möglichstes als einen Beitrag zur Förderung dieses hochwichtigen Zieles zu leisten. Berlin. Das Berliner „Fremdenblatt" gilt als das Organ der conservativen Hofpartei. Deshalb erregt ein Artikel desselben mit der Ueberschrift „Conservatismus und Antisemitismus" eine gewisse Aufmerksamkeit. In diesem Artikel heißt es, die elementarsten Gebote der politischen Raison sollten den Conservativen die Augen darüber öffnen, wie verkehrt ihr offenes oder verstecktes Liebäugeln mit dem Antisemitismus ist und welchen unsühnbaren Fehler sie begehen würden, falls sie nun gar noch das officille Parteiprogramm mit feindlichen Satzungen gegen das Judenthum bereichern wollten. Die antisemitische Bewegung habe von dem ersten Tage ihrer Entstehung Formen angenommen, die ihr den sicheren Mißverfolg und die Abwendung aller vornehm Denkenden verbürgten. Das, was in dieser Bewegung so abstoßend wirke, sei einmal die völlige Unklarheit über die erstrebten Ziele. Das ganze Thun und Reden der Antisemiten erschöpfte sich in dem Schlagworte: „Juden 'raus!" Ob dies, wie Fürst Bismark kürzlich spöttisch bemerkte, durch eine neue Bartholomäusnacht oder sicilianische Vesper geschehen soll, nicht einmal darüber herrscht Uebereinstimmung in den antisemitischen Köpfen. Thatsächlich höre ihr Latein sofort auf, sobald sie weiter als über das „Juden 'raus!" denken und einen discutablen Vorschläge zur Beseitigung der dem Judenthum zugeschriebenen Mißstände äußern sollen. Nicht minder aber als diese Verschwommenheit der Ideen stoße die Scrupellosigkeit ab, mit der die antisemitischen Himmelsstürmer sich über die bestehenden Gesetze hinwegsetzen. Kein Einziger von ihnen scheine sich darüber Rechenschaft abzulegen, daß eine mit dem Ansprüche auf Verwirklichung ihrer Pläne auftretende Reformpartei, welche noch dazu immer die Liebe zum Vaterlande als tieferes Motiv ihres Handelns im Munde führe, in erster Reihe das bestehende Recht zu achten, d. h. Gerechtigkeit zu üben, also auch dem Gegner gerecht zu werden habe. Inwieweit der Antisemitismus den Voraussetzungen einer zum wahren Wahle des Vaterslandes unternommenen Propaganda genüge, davon lege jede seiner Versammlungen mit ihren Brandreden und ihren systematisch auf die Entfessellung der niedrigsten Volksleidenschaften gerichteten Manipulationen den bündigsten Beweis ab. Das sei von jenen conservativen Kreisen zu bedenken, welche das conservative Programm nach antisemitischem Katechismus ummodeln und von Conservatismus so auf den Antisemitismus einschwören möchten. Was der letztere mit seinen Mitreln bezweckt, sei unzweifelhaft unconservativ im weitesten Sinne des Wortes, und man b rfe nicht eine Bewegung mit conservativer Flagge decken, die so ausgesprochen zu den Satzungen christlicher Moral im Widerspruch stehe, wie die antisemitische. Diese Kritik des Antisemitismus kommt von einer Seite, die dem Antisemitismus als solchem nicht einmal feindlich gegenübersteht, sondern nur seine Taktik mißbilligt. Pfungstadt, 1. mn'dv. Nach einer 9jährigen Thätigkeit am hiesigen „Israelitischen Institut" verläßt Herr Lehrer Salomon Eisenmann die hiesige Gemeinde, um eine ähnliche Lehranstalt in Gailingen am Rhein zu gründen. Wir bedauern das Weggehen des Herrn Eisenmann lebhaft, denn wir verlieren in ihm einen jener seltenen Männer, die im wahren Sinne des Wortes echte Jehudim genannt werden können. Nie fehlte er, wo es galt, eine rnrrv irn auszuüben, wo es galt, etwas vnyb ovm beizutragen und sein eigenes und pekuniäres Interesse setzte er bet derartigen Gelegenheiten stets hintenan. Trotzdem das „Institut" seine eigene Synagoge hat, dadurch eigentlich von unserer Gemeinde ziemlich abgetrennt ist, wirkte Herr Eisenmann doch stets zum Wohle der Gemeinde eifrig mit und trat, treu dem Grundsätze insn p «man bx, als Mitglied bei. In schöner Weise verstand er es, min mit pN “jm zu verbinden, so daß er bei Christen und Juden beliebt und hochangesehen ist. In seiner Frau, einer rnn na verlieren wir eine *?»n new im besten Sinne des Wortes. Wir brauchen wohl nicht mehr hinzuzusügen, daß sein Haus und sein Tisch stets für Arme offen war. Möge es ihm in seiner neuen Stellung Wohlergehen und ihm der wohlverdiente Segen Gottes nicht fehlen. Zur Enthebung von dem Versenden von Neujahrskarten haben die Folgenden eine Spende für die Armen des heiligen Landes gegeben und wünschen auf diesem Wege allen Freunden, Bei wandten und Bekannten eine rovo nfcrnn um Der Betrag der hierfür eingegangenen Spenden gelangt im Jnseratentheil zur Veröffentlichung: David Levy in Straßburg, Joseph Levy in Straßburg, Lehrer I. Gans und Frau geb. Ehrenreich in Niederaula. Wochen - Kalender. Freitag, 30. September, 9. Tischri. DV my. Versöhnungstag-Anfang 5 Uhr 15 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 1. Oktober, 10. Tischri. DDD Dl’. Versöhnungstag-Ausgang 6 Uhr 25 Min. (Mainzer Uhr.) In denjenigen Staaten, in welchen mitteleuropäische Zeit eingeführt ist (also bis jetzt in Baden, Bayern, Elsaß und Württemberg), ist die oben angegebene Zeit, abgesehen von der Umrechnung der Mainzer Uhr in die betreffende Ortszeit, um etwa 25 Minuten später zu berechnen.

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