Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-09-12 · Heft 73 (12.9.1892) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 73 (12.9.1892)
Date
1892-09-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448288--34861-2482820
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXXIil. Jahrgang. Beilage zu M> 73 -es „Israelit". Literarischer Bericht. Zwei Reden über den Talmud in der Synagoge zu Bruchsal, gehalten von D r. I. Eschelbach er, Bezirksrabbtner. (Durch den Synagogenrath dem Druck übergeben.) Verlag von Sigmund Mayer in Trier. Man sollte es kauni für möglich halten und doch ist es so, daß in dem liberalen Baden, wo der Landesfürst schon so oft seine Mißbilligung über den Antisemitismus ausgesprochen hat, letzterer es doch wagt, bald da, bald dort, in unverschämter Weise sein freches Haupt zu erheben. So hat er denn auch vor noch gar nicht zu langer Zeit die Stadt Bruchsal ausersehen, um von hier aus seine vergifteten Pfeile nach den verschiedensten Seiten zu senden. Es war deßhalb durchaus am Platze, daß Herr Bezirksrrabb. Dr. Eschelbacher den von den Antisemiten so schwer angegriffenen Talmnd zum Gegenstände zweier Predigten machte, um in erster Linie die Leute seines eigenen Reviers über das Wesen des Talmuds aufzuklären, — was in heutiger Zeit leider dringend geboten erscheint — damit sie wenigstens in den Stand gesetzt werden: amw no yn die Juden müssen die von den Antisemiten falsch Belehrten aufzuklären verstehen und die Sache in richtiger Weise darzustellen im Stande sein. Nachdem nun Dr. E. die Belehrung im eigenen Lager geschaffen, mußte er bestrebt sein, die Belehrung über den Talmud in weitere Kreise dringen zu lassen, damit die bethörten Glieder derselben auch eine andere Stimme über diesen Gegenstand vernehmen, alsdann Vergleiche anstellen orro» i'2 in*Dvi. So ist die uns vorliegende Broschüre entstanden. Ein Blick in das Jnhaltsverzeichniß desselben zeigt uns schon, mit wie vielem Fleiße der Verfasser gearbeitet hat. Wir begegnen hier den Ueberschriften: „Einleitung; Name und Bestimmung des Talmud; Entstehung und Verbreitung, Studium; Schwierigkeit seines Verständnisses; Jrrthümer und Verleumdungen; das sittliche Ideal der Lehrer des Talmud; dessen Gegenstand und Inhalt; Stellung gegenüber dem Heidenthum; gegenüber einem reinen, sittlichen Menschenthum; gegenüber dem Christenthum, Erklärungen des Talmud zu den Zehngeboten." Vertiefen wir uns aber in den Inhalt der Broschüre, so müssen wir gestehen, daß jede Zeile uns den Fleiß und den heiligen Eifer des Verfassers erkennen läßt. Bei jeder Belegstelle ist die Quelle genau angegeben, so daß man offener und ehrlicher mit den Gegnern kaum sprechen kann. Vortrefflich ist dem Verfasser die Erklärung der nvom mwy im Lichte des Talmuds gelungen, ja so sehr gelungen, daß wir wünschten, dieselbe dem Unterricht in der Schule zu Grunde gelegt zu sehen. Wer sich von der Richtigkeit unserer Ansicht überzeugen will, den bitten wir, die Erklärung des zweiten Gebotes sich anzusehen und er wird uns sicher beipflichten. Der Werth der Broschüre wird noch dadurch erhöht, daß die Sprache durchweg eine sehr populäre ist, so daß auch der Laie sie gerne und mit vielem Interesse lesen wird. Indem wir der Broschüre, deren Lcctüre uns selbst so vielen Genuß bereitet hat, einen zahlreichen Leserkreis wünschen, können wir uns es nicht versagen, den Schluß der Broschüre auch hier wiederzugeben: „Die geplagt werden und nicht wieder plagen, ihre Schmach hören und nicht erwiedern, in Liebe wirken und in Leiden heiter bleiben, für die gilt," so lautet ein Spruch des Talmuds, „das Wort der Schrift, die Gott lieben, deren Licht gleicht der Sonne, wenn sie hervortritt in ihrer vollen Stärke." Dieser Mahnung getreu wollen auch wir aus dem Unrecht und den Schmähungen, die uns zugefügt werden, uur lernen, nicht also zu thun, wollen in Liebe zu Gott unsere Lebensarbeit verrichten und trotz aller Leiden die Heiterkeit des Gemüthes uns bewahren. Auch die Sonne geht aus dem Dunkel auf und sie umhüllt oft Nebel und Gewölk. Siegreich aber tritt sie aus ihnen immer wieder hervor und sendet über die Erde ihre Strahlen, spendet Licht und Wärme, weckt Leben und bringt Gedeihen. Es ist Gott, der den Weg der Menschen führt. Die Sonne seiner Gnade hat seit Jahrtausenden uns geleuchtet, sie wird auch ferner uns leuchten." Worms. Rothschild. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 11. September. Man schreibt der „K. V." aus Jerusalem: „Am Sonntag den 21. August strömte viel Volk aus dem Jaffa-Thore in der Richtung nach Bethlehem, wo nicht weit von der Stadt, zwischen der Niederlassung der deutschen Templer und der Straße nach Bethlehem, der neue Bahnhof für die in nicht ferner Zeit zu eröffnende Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem au-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.