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Der Israelit · 1892-09-12 · Heft 73 (12.9.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 73 (12.9.1892)
Date
1892-09-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1401 daß ich am ganzen Leibe wie Espenlaub gezittert Hab', ich hält' gar nicht gedacht, daß der Onkel Kaiser gar so böse sein kann!.... Er hat mit dem Fuße aufgestampft und geschrieen: Prinz Eugen und wieder Prinz Eugen, überall stellt er sich meinem Willen entgegen, Althan hat recht, er sühlt sich schon zu übermächtig und glaubt der Einzige zu sein, der in Oesterreich zu befehlen hat, er glaubt, ich wäre nur eine Marionette in seiner Hand, die er, wenn's ihm beliebt, auch ganz vom Theater verschwinden läßt! Wie darf er es wagen ohne meine Genehmigung über eine interne Familienangelegenheit an einen fremden Minister zu schreiben, über die Hand einer kaiserlichen Prinzessin zu verfügen? Wenn er vielleicht noch tiefer liegende Pläne mit seinem Heirathsprojekte verbindet, können sich diese — zum Hochverrathe ausweiten!... Althan hat Recht, vollkommen recht und ich danke Gott, der mir neuerdings gezeigt hat, wo ich meine wahren Freunde zu suchen habe! Die übergroßen Machtbefugnisse des übermüthigen Prinzen werde ich einzuengen wissen. Dir aber, meine liebe Nichte, sage ich ernstlich: Schlage Dir den Prinzen August aus dem Kopfe, der wird in keinem Falle Dein Gatte. Ich will Dich nicht zu einer Ehe mit einem ungeliebten Manne zwingen; wenn Du nicht Karl Emanuels Gattin wirst, bestimme ich Dich für's Kloster, wirst Du Aebtissin! dann verließ er plötzlich das Zimmer." „Das ist schlimm, sehr schlimm", sprach Gräfin Eleonore zur Pallavicini gewendet, „durch die Unbesonnenheit der Erzherzogin wird das Mißtrauen, das Althan und seine Genossen gegen den Prinzen geweckt, im höchsten Grade gewachsen sein. Ich muß augenblicklich eine Depesche an den Prinzen absenden, er muß sofort hierherreisen. Vielleicht gelingt es seinem unbesiegbaren Genie, doch die Kabalen seiner Feinde zu vernichten; unserem armen, lieben Kinde — kaiserliche Hoheit wollt ich sagen — zu seinem Glücke zu verhelfen!" „Gott möge ihm hierzu seinen Beistand verleihen", sprach Maria Josefa, andächtig die Hände faltend. Neuntes Kapitel. „Herr Perez Markbreiter aus Nikolsburg, soeben hier angelangt, wünscht den Herrn Oberhoffaktor zu sprechen", meldete der Diener diesem, welcher wieder an seinem Arbeitstische in seinem Sprechzimmer saß. „Ist willkommen", erwiederte Wertheimer, und sofort trat der Angemeldete ein. Es war dies ein Mann von vierundzwanzig Jahren, groß, breitschultrig, muskulös mit einem offenen, schönen, gut aefärbten Gesichte, einem starken, dunkelblonden Barte und großen, dunkelblauen, feurigen Augen. „Scholom alechem*), sprach Wertheimer. Scholom olajich mori werabbi1 2)", erwiederte Markbreiter, die Hand, die ihm Wertheimer reichte, ehrerbietig an seine Lippen führend. „Befinden sich Ihre Eltern wohl?" frug Wertheimer. „Ich komme nicht von zu Hause, ich komme von Preßburg, doch darf ich nach den Briefen, die ich täglich bekomme, hoffen, daß sich, Gott sei Dank, zu Hause Alles im besten Wohlsein befindet. Mein Vater hat mir schriftlich aufgetragen, seine höflichsten Empfehlungen an Sie, Herr Oberhoffaktor zu übermitteln. — Ich weiß es, Herr Oberhoffaktor, Sie sind der beschäftigteste Mann in Oesterreich, unter Umständen kann eine Minute Ihrer Zeit unschätzbaren Werth besitzen. Ich gestatte mir daher ergebenst sofort zum Gegenstände der erbetenen Besprechung zu übergehen. Ich habe, um womöglich jeden Verlust Ihrer kostbaren Zeit zu vermeiden, schon vor vierzehn Tagen unsere Rechnung zur Prüfung eingesendet und habe vorsichtshalber auch eine Copie derselben mitgebracht, die ich hiermit zu überreichen die Ehre habe. — Hatten Sie die Gnade dieselbe mit Ihren Büchern vergleichen zu lassen?" „Ich habe damit meinen Commis Rafael Levi, einen tüchtigen, verläßlichen Mann beauftragt, doch habe ich seinen Bericht noch nicht entgegengenommen." „Rafael Levi?" meinte Markbreiter verwundert. „Der Name klingt mir fremd; ich glaubte alle hervorragende Mitarbeiter Ihres Hauses zu kennen." „Er befindet sich erst seit Kurzem in meinem Hause. Sie werden ihn sogleich persönlich kennen lernen." Wertheimer läutete. „Ich lasse", sprach er zu dem eintretenden Diener, „Herrn Levi bitten herüber zu kommen und das Conto Corrent der Herren Markbreiter und Sohn mitzubringen." Eine Minute später trat der Gerufene, einen Bogen Papier in der Hand, ins Zimmer, verbeugte sich artig vor dem Geschäftsfreunde des Hauses und berichtete, ohne eine Aufforderung seines Chefs abzuwarten, in jener knappen Form, welche in großen Geschäftshäusern, wo man mit der Zeit sparen muß, stets üblich war. „Das Conto-Corrent der Herren Markbreiter und Sohn stimmt mit unseren Büchern vollkommen überein. Sie haben in dem letzten Trimester, theils an unser hiesiges Haupt-Magazin, theils an unsere Sublieferanten und Mandataren, direkt an das 1) Friede mit Euch. Eine bei den Juden übliche Begrüßungsformel. 2) Friede mit Dir, mein Lehrer und Rabbi.

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