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Der Israelit · 1892-09-01 · Heft 70 (1.9.1892) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 70 (1.9.1892)
Date
1892-09-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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1358 Mererrston. Urkundliches aus dem Leben Samson Wertheimers. Von Prof. Dr. D. Kaufmann. Wien 1891. Carl Konegen. Pr. 3 Mk. 8. Das vorliegende, 143 S. starke Werk ist als Ergänzung der von demselben Verfasser erschienenen Lebensbeschreibung Wertheimer's anzusehen. Diese gelehrte Arbeit ist nicht nur für gelehrte Historiker von Interesse, sondern auch für gebildete Laien, da der Vers, sich nicht nur auf eine Wiedergabe der Akten beschränkt, sondern an der Hand und unter Einfügung eines großen Theils derselben wichtige Abschnitte aus dem Leben Wertheimers in fortlaufender Erzählung darstellt. So hat das vorliegende Werk auch nicht nur Bedeutung für die Geschichte der Juden, es besitzt vielmehr durch die einflußreiche Stellung Wertheimers am Wiener Hofe allgemein geschichtlichen Werth, namentlich da in einer Episode in dessen Leben die hohe Politik hineinspielt. Es ist dies jene Anklage, die hier zum ersten Male klar dargelegt wird, in welcher der Wiener Hoffaktor Salomon Oppenheimer eines Mordanschlags auf Samson Wertheimer bezichtigt wird. Es war dies die Mache eines elenden, verkommenen Menschen, des Abenteurers und Hochstaplers Major Edelack, welcher vorgab, durch Vermittelung des Rüben Elias Gomperz in Wesel von Salomon Oppenheimer in Wien zur Ermordung des Samson Wertheimer angestiftet worden zu sein. Edelack war es darum zu thun, Geld zu machen, da er den Bischof Kolonitsch, der Oppenheimer feindlich gesinnt war, für seine Sache glaubte gewinnen zu können, was in der That auch geschah. Kollonitsch, welcher den Lügen des Majors Glauben schenkte, war die eigentliche Triebfeder des Prozesses, der Oppenheimer sowohl, wie auch Gomperz in Untersuchungshaft brachte, aus welcher ersterer bald, letzterer erst nach längerer Zeit entlassen wurde. Interessant ist der hieraus entstandene diplomatische Schriftwechsel, wie auch der politische Vorgang, der sich hierbei abspielte. Von den Agenten zwischen dem Wiener und Berliner Hof wurde Friedrich III. die Rückgabe des Schwtebuser Kreises seitens Oesterreich in Aussicht gestellt, wenn er in die Auslieferung des Gomperz nach Wien zur Konfrontation mit Edelack einwilligen werde. Die Einwilligung wurde gegeben, aber unter allen möglichen Kautelen, daß die Persönlichkeit des Gomperz geschützt sein solle. Zur Auslieferung kam es nicht; Edelack wurde bald entlarvt. Bemerkenswerth sind das Kapitel über die Beziehungen Wertheimer's zu Frankfurt und die Mitthetlungen über die Ehrungen, die er von Carl VI. erfuhr, für dessen Krönung er in Frankfurt das nöthige Geld zur Bestreitung der Feierlichkeiten aufbrachte. Er und sein Sohn Wolf wurden mit der goldenen Ehrenkette geschmückt, er erhielt weitgehende Privilegien für sich und seine Familie, einen Generalpaß für das ganze Reich, der ihm, seiner Familie und Dienerschaft Reisefreiheit überall hin gestattete, ihn und die Seinigen von allen entehrenden Abzeichen oder Abgaben befreite und ihm und den Seinigen schützendes Geleit durch das ganze Reich sicherte. Er durfte überall Grundbesitz erwerben und hatte das Recht, mit dem kaiserlichen Doppeladler seine Häuser auszuzeichnen. Seinen Glaubensgenossen war er ein stets bereiter Helfer und Fürsprecher und wendete manches Unheil von ihnen ab. In seinem fürstlichen Hause zu Wien, in welchem die Großen des Reiches, wie Prinz Eugen u. A. nicht selten zu Gaste waren, sah man stets die Agenten der größeren jüdischen G emeinden, die Anliegen dort anzubringen hatten. Josef I. und Carl VI. rühmen Wertheimer bei jeder Gelegenheit wegen seiner „uneigennützigen und getreuen Dienste", die er ihnen geleistet, und in der That konnte auch nur die gewissenhafteste und peinlichste Rechtlichkeit ihn auf die Stufe heben, auf welche er gelangt ist. Im Anhang theilt die interessante vorliegende Schrift, die wir nicht warm genug empfehlen können, mit: 1. Die Inschriften der Grabsteine der Familie Wertheimer in Worms; 2. Auszug aus dem Memorbuch von Marktbreit und die Synagogeninschrift zu Marktbreit; 3. einen Brief Wertheimers an seinen Vater, Vorsteher in Worms; 4. Einladung an den Vorstand und das Rabbinat der Gemeinde Worms nach Wien zur Hochzeit seiner Tochter mit einem Sohne David Oppenheimers; 5. Protokoll Edelacks, das er sich wie eine Art Tagebuch als Grundlage für seine Denunziation zusammengestellt hat; 6. u. 7. zwei Eingaben Gomperz' an den Kurfürsten Friedrich III. um seine Entlassung aus der Untersuchungshaft; 8. Brief des I. v. Barfuß, Kanzleirath des Kurfürsten, an den Commissar Schmidt in Wien in Sachen Edelacks; 9. Wertheimers Rabbinatsdiplom von Krakau; 10. Brief der Agenten Speier und Drach an die Gemeinde Frankfurt a. M. nach dem Brande von 1721. Verantwortliche Redaction für die „Wissenschaftliche Beilage": vr. A. Sulzbach in Frankfurt a. M. Druck und Verlag der Ioh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.

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