Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1892)
- Date
- 1892-09-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1345 begeben, wobei sie auf's Strengste überwacht werden, daß sie nicht einen Tag länger als erlaubt, in der heiligen Zarenstadt weilen. Die letzten aus Moskau vertriebenen Juden begaben sich nicht nach den überseeischen Ländern sondern hauptsächlich nach dem südwestlichen Gebiet, von wo aus die meisten Juden vor Jahren nach Moskau kamen. M a r o c c o. Tanger, im August. Die Gefahr, in der unsere Stadt schwebte und worüber ich Ihnen in meiner letzten Korrespondenz an Sie berichtete, ist nun wieder geschwunden. Die Rebellen haben nämlich beim Herannahen des vom Sultan abgesandten Ersatzheeres die Belagerung unserer Stadt aufgehoben und sich in ihre Berge zurückgezogen. Wir können nun ruhig wieder unsere Stadtthore verlassen, um auf dem Lande unseren Geschäften nachzugehen. Aber nicht nur die hiesigen, sondern auch die in den Binnenstädten Marokkos wohnenden Juden fühlen sich durch den Abzug der Rebellen sehr erleichtert, da unsere Hafenstadt das Ein- und Ausgangsthor Marokkos ist, durch das nicht nur die europäischen Fabrikate, sondern auch die in Europa gedruckten hebräischen Lehr- und Gebetbücher in unser Land strömen. Zumal jetzt am Vorabende der D'K-run □-»tr werden ungemein viele hebräische Gebetbücher aus Europa, besonders aus Livorno und Wien bezogen, was bei einer fortdauernden Belagerung unserer Stadt gänzlich unmöglich gewesen wäre. — Der englische Gesandte, Sir Evan Smith, dessen vor Kurzem erfolgte Anwesenheit in der Hauptstadt Fez so viel Lärm in den europäischen Blättern gemacht, hat es nicht unterlassen, auch das dortige Judenviertel zu besichtigen, wo er von den Vorstehern der Gemeinde mit den größten Ehrenbezeugungen empfangen wurde. Der Gesandte konnte sich so durch den Augenschein überzeugen, wie ungesund dieses Viertel mit seinen engen und schmutzigen Gassen für dessen Bewohner ist, und daß hier rasche Abhilfe noththut. Vermischtes. < Wien. In der am 23. d. M. vor dem Wiener Schwurgerichtshofe stattgehabten Gerichtsverhandlung wurde über eine siebenköpfige Diebsbande verhandelt, der eine große Reihe Einbruchsdiebstähle nachgewiesen erschien. Für das gestohlene Gut fand die Diebsbande an dem antisemitischen Agitator und — Armenrath des X. Bezirkes, Johann Dostalek, einen ebenbürtigen Hehler und Abnehmer. Dostalek wird sich in einer besonderen Verhandlung wegen Diebstahlstheilnahme zu verantworten haben. Wie«, 21. August. Anläßlich der am 11. Juli d. I. stattgehabten Wahl von zwei Schiedsrichtern in die Schuhmacher-Genossenschaft ließ der Schuhmacherl meister Jacob Karhan einen Aufruf „an die christlichen Schuhmachermeister" in zweitausend Eemplaren drucken, dessen Spitze sich gegen das Genossenschaftsmitglied I. Nagel richtete. Das Pamphlet, welches vom „antisemitischen Count«, die keine Judenknechte werden wollen", gezeichnet war, ließ Herr Karhan von seinem College» Wenzel Czermak in der Versammlung im neuen Rathhause vertheilen, weßhalb sich gestern Vormittags Karhan und Czermak wegen Uebertretung des §. 23 P. G. vor dem Preßrichter Dr. Schober (Alsergrund) zu verantworten hatten. Karhan, der es nicht begreifen konnte, daß ein derartiges Agitationsmittel gesetzlich strafbar sei, wurde zu 15 fl., Czermak zu 5 fl. Geldstrafe verurtheilt. mi r|TU Wtf DJ? t : vt : : Unter den Einsendern von richtigen Lösungen wird geloost und erhält der Gewinner Ein Werk auS unserem Verlag. Bad Neuenahr. Daß Cholerapilze nach den Beobachtungen der Professoren Rosenbach und Fränkel sich mit Kohlensäure bekämpfen lassen, macht jetzt als Mittheilung sämmtlicher Zeitungen die Runde. Die Nutzanwendung als Kohlensauereinhalation ist aber noch ein fragliches Experiment, da es sich darum handelt, ob sie häufig und intensiv genug gemacht wird. Auch wird sie um so mehr an Werth verlieren, je mehr in der Umgebung der sich Schützenden Choleraerkrankungen Vorkommen. Cholerasicher darf sich daher nach obigen Autoritäten nur derjenige fühlen, der mit seiner ganzen Umgebung in jeder Sekunde, also fortwährend, unwillkürlich große Massen Kohlensauere einathmet. Im Thalkessel des Bades Neuenahr haben wir darum nach obigen Autoritäten cholerasichere Punkte. Die Wege an der Ahr waren in früheren Zeiten fast berüchtigt wegen des Kohlenfäurereichthums der Luft. Die Quellen des Bades Neuenahr liefern angemessene Mengen Kohlensäure an die Atmosphäre, so der große Sprudel allein circa tausend Kubikmeter täglich. Auch auf der andern Seite des Thaies, in dem Apollinarisbrunnen finden wir eine Quelle, die der Atmosphäre Kohlensäure liefert. Gleichzeitig ist aber so zu sagen, der ganze Boden damit imprägnirt, so daß gerade durch die Kohlensäure die Anlage von Kellern in Neuenahr auf große, oft unüberwindliche Schwierigkeiten stößt. Die Kohlensäure bleibt auch, in die Luft übergegangen, vermöge ihrer Schwere im Thalkefsel liegen, so daß die Wirkung jeder Kurgast, der auch kein Wasser trinkt und nicht badet, verspürt, indem er nach kurzem Aufenthalte bei Unlust zu geistiger Thätigkeit in eine sorglose Stimmung mit gesteigertem Apettite versetzt wird. Es kann sich somit Bad Neuenahr freudig der Ueberzeugung hinzeben, daß es auch bei unvermindertem Zuflüsse Fremder aus allen großen Städten nach der Entdeckung der Herren Professoren Fränkel und Rosenbach frei von Cholera bleiben wird. Das Hotel Landskron von G. Borg ist gerne bereit Prospekte des Bades auf Verlangen gratis und franko zu versenden.