Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 68 (25.8.1892)
- Date
- 1892-08-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1299 Tone. Wer bürgt ihm dafür, daß der Same, den er ausstreut, nicht zur Drachensaat unter denen wird, zu welchen er spricht oder unter ihres Gleichen und daß diese dann einmal die Glücksgüter eines Grasen Preysing mit dem nämlichen Stigma versehen, wie er in Vorstehendem es gethan. Heute geht es gegen die besitzenden Juden, morgen gegen die Katholiken oder Protestanten je nach dem örtlichen Uebergewicht, darüber täusche man sich nicht, daß im Antisemitismus der brutale Roheitsinstinkt des Thierischen im Menschen znm Ausdruck kommt, und hat er sich einmal gekrästigt, kann und wird er auch die sog. Säulen und Stützen der Ordnung und der Gesellschaft angreifen. Frankreich. Paris, 22. Ang. Einige beunruhigen sich über die Ankunft zahlreicher russischer Juden, die aus ihrer Heimath ausgewiesen, im elendesten Zustand, in Lumpen gehüllt und halb verhungert hier eintreffen. Jeden Tag bringt ein Zug der Lyoner Bahn mehrere Hunderte dieser Emigranten, von welchen einige zweimal 24 Stunden in einem Bahnhofsschuppen lagerten, da man sie nicht anderswo unterzubringen wußte. Ihre hiesigen Glaubensgenossen sind in großer Verlegenheit. Es ist in Paris keine Beschäftigung für die Ankömmlinge zu finden, da keiner von ihnen ein Wort französisch versteht, und man hat nicht die Mittel, sie etwa nach Amerika zu schicken. Mehrere Hundert sollen jedoch in voriger Woche aus Kosten des Barons Hirsch dorthin eingeschifft worden sein. Das Schlimmste ist, daß sie aus einer von der Cholera heimgesuchten Gegend kommen sollen und man daher befürchtet, sie könnten leicht in ihren Lumpen die Seuche einschleppen. Rußland. Petersburg, 23. August. Der „Regierungsbote" tritt kategorisch den Meldungen der Blätter entgegen über die Grausamkeiten, welchen in Rußland die Juden ansgesetzt seien; namentlich sei die Meldung der „Daily News" völlig unrichtig, daß Juden aus Moskau und Petersburg gefesselt und zu Fuß in die ihnen zum Aufenthalte angewiesenen Orte abgeführt, ja sogar nach Sibirien transportirt worden seien. In Rußland würden nur Zwangssträflinge gefesselt und auch diese nicht zu Fuß transportirt. Der „Regierungsbote" schließt mit der Erklärung, in Rußland würden gegen die Juden keine Grausamkeiten und Gewaltthaten begangen. Alle Zeitungsmeldungen seien rein erfunden. Vermischtes. Vor einiger Zeit hat sich in Augsburg ein Comitö von Damen gebildet zu dem Zweck, die Beiträge für die verfolgten Juden in besonderer Weise vermehren zu helfen. Rach längerer Berathung verfiel man auf die Idee einer Sammlung von Autographen, die zum Besten der Opfer des zarischen Despotismus verkauft werden sollten. Die Idee fand allgemeinen Beifall und demgemäß ergingen an alle berühmten Männer Schreiben entsprechenden Inhalts. Die orthodoxe Gemeinde in Stratzdurg läßt eine Synagoge in der Kagenekerstraße gegenüber der früheren Kronenburger Kaserne erbauen. Das Gotteshaus enthält außer dem eigentlichen Tempel, der auf 10 m Höhe 13 m im Quadrat mißt, vier kleinere Säle, die als Unterrichtssäle u. s. w. benutzt werden. Für die verwaiste Rabbinerstelle in Winzenheim ist Herr Dr. Zivi aus Biesheim vom Konsistorium ausersehen. Derselbe ist Elsässer, erhielt seine Vorbildung auf dem H ild esheim er'schen Rabbinerseminar und dient zur Zeit als Einjähriger bei einem Infanterie- Regiment in der Nähe seiner Heimath. Der beste Ruf geht dem Kandidaten voran, und wartet man mit Ungeduld in betreffender Gemeinde auf seinen Amtsantritt. Jriowrazlaw Der kürzlich verstorbene Kaufmann Wolfsohn hat zum Bau eines jüdischen Krankenhauses 400,000 M. hinterlassen. Briefkasten der Redaetion. I. G. 1357 in Düsseldorf. Baron .Hirsch befindet sich, so viel uns bekannt, augenblicklich in Paris. Dr. in P. Wie Sie uns mittheilen, decretirt Rabbiner Dr. G. in O. i. Elsaß, daß ein nanu ioa geschlichtet und als nsnts verkauft werden darf. Unglaublich! WM" Anzeigen. -WW «- Für den folgenden Theil ist die Redaetion nicht verantwortlich. ~m S.&D.LÖWENTHALSilberwaaren 867) Frankfurt a. 9K., Zeil 23, C\d) suche für meine Nichte, 18 I. alt, oO eine Stelle in einem religiösen Hause, wo sich dieselbe im Geschäfte u. im Haushalte ausbilden kann. S. Neter, 5243) Bentheim (Hannover.) Ä.;; I ch suche per sofort einen tüchtigen Bäckergesellen sowie einen Lehrling. Weil Schohl, Bäckermeister, (5257 Waburg i. E., Kleberplatz 16. Israel. Cultusgegenstftnde, Wiir meine Haushaltung suche eine tüchö tige, selbstständige Köchi n. Meldungen nebst Zeugnissen und Referenzen erbeten. I. Bacharach, 5184) Wiesbaden.