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Der Israelit · 1892-08-18 · Heft 66 (18.8.1892) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 66 (18.8.1892)
Date
1892-08-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXUJ. Jahrgang. Erste Beilage j» M 66 des „Israelit". Neue Bücher. Wir beginnen unsere heutige Umschau mit einer Reihe der religiösen Erbauung und Belehrung gewidmeten Schriften. Da dürfte wohl in erster Linie der 1. Band der „Predigten aus d e m Nachlaß von Dr. M. I o el" (Breslau 1892. Schlesische Verlagsanstalt) unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken. Der Vers, dieser Predigten ist sowohl durch seine umfassende Gelehrsamkeit, wie seine geistvolle Auffassung der von ihm behandelten gelehrten Stoffe hinlänglich bekannt. In den vorliegenden Predigten, die jetzt nach seinem Tode die Rabbiner Dr. A. Eckstein und Dr. B. Ziemlich heransgegeben, treten die Eigenschaften, die den Verf. in seinen gelehrten Forschungen so augenfällig auszeichneten, recht deutlich hervor. Es ist hier kein leeres Wortgeklingel, es sind gehaltvolle Reden, in denen sich ein philosophisch geschulter Geist in einer anmuthvollen Form uns offenbart. Joel weiß zürn Herzen und Verstände seiner Zuhörer zu sprechen und an der Hand des Bibelwortes und unter Anwendung des Midrasch die Zeichen und Vorgänge der Gegenwart zu deuten. Man hört oft, daß man Kanzelreden nicht solle drucken lassen, weil das geschriebene Wort den Eindruck des gesprochenen nicht rviederspiegeln könne und durch den Druck demnach die Predigt leide. Es hat dies seine Berechtigung; ja Redner, die man sonst rühmen hörte, haben durch ihre gedruckten Reden an ihrem Rufe Einbuße erlitten. Das waren aber eben solche, welche durch schöne Worte das Ohr des Zuhörers entzücken und diese gleichsam in einen momentanen Rausch zu setzen verstanden; fehlte hier die Persönlichkeit des Sprechenden, seine imponirende Erscheinung, seine wohltönende Sprache, dann konnte natürlich das nackte Wort, wie es sich dem Leser darstellte, nicht mehr entzücken oder hinreißen. Doch die geistvolle Rede in schöner Form, die nicht nur Worte, sondern auch Gedanken enthält, sie fesselt auch, wenn sie vor uns, losgelöst von der Person, die sie gesprochen, tritt; ja, wir ergänzen durch sie im Geiste seine Persönlichkeit und sein Sprechen und Gehaben, auch wenn wir den Redner nie von Auge zu Auge gesehen haben. Dieses Gefühl überkommt uns bei der Lektüre vorliegender Predigten, die wir einmal begonnen, ungern unterbrechen. Stand der Verf. auch auf dem Boden der Reform, allerdings nicht auf dem Flügel, dem sein Vorgänger Geiger angehörte, so würden wir an eine solche nicht erinnert werden, wenn wir nicht splitterrichterlich sein wollen, wenn nicht das Fehlen von Predigten für den achten Tag des Pesachfestes und solche für Simchas-Thora uns daran erinnern würden. Wir haben diesen Punkt hervorzuheben nicht unterlassen können, nachdem wir die Vorzüge des Buches gebührendermaßen ins rechte Licht gestellt haben. — Unter dem Titel „ionn pDj?, Thal d er Thränen" hat I. Gossel, Prediger der israelitischen Gemeinde in Conneo bei I. Kauffmann in Frankfurt a. M. eine Sammlung von Grabreden erscheinen lassen, die bei Todesfällen gehalten worden, also nicht auf Vorrath gearbeitet worden sind. Außer dem Herausgeber haben viele Rabbiner und Prediger Beiträge geliefert, so unter anderem auch Jettinek in Wien, dessen Reden gelegentlich der Katastrophe des Ringtheaterbrandes hier ihre Stelle gefunden haben.— Ein ganz vorzügliches Buch für das Haus und die Schule ist „b'n Vno von Kraft zu Kraft" (Offenbach a. M. 1892. I. Rothschild), das der Erbauung und Belehrung dienen soll. In England entstanden, ist es durch eine treffliche Uebersetzung, die deßhalb Lob verdient, weil sie in nichts an das englische Original erinnert, eine wahrhafte, glückliche Bereicherung unserer religiösen Literatur, das geeignet ist, Begeisterung für das Judenthum und Liebe zu seinen Satzungen zu erwecken. Beide Seiten des Judenthums, das ethische Moment und die zur Uebung vorgeschriebenen Gesetze, der sogenannte ceremoniale Theil, sinden ihre volle Berücksichtigung. Die sogenannten Ceremonien werden nicht als Nebensächliches betrachtet, sie werden vielmehr als nothwendigen Bestandtheil des Judenthums hingestellt, durch deren Vernachlässigung die Ethik und Moral für den Juden verloren gehen würde. Ihre erzieherische Wirkung für das Individuum wird in das rechte Licht gerückt, wie sie auch unsere Weisen es betont haben in den Worten: n8n mann unj n? nv-ün nN Wenn aber auch Musik als eine edle Beschäftigung für den Sabbat genannt wird, so ist doch wohl das Anhören derselben verstanden. Die Fassung der betreffenden Stelle ist nicht ganz deutlich. Es sind 36 Kapitel, unter denen die Betrachtungen über die 10 Gebote und die Fest- und Fasttage die Mehrheit bilden. Schön angewandte Midraschstellen erhöhen den Reiz der Vorträge. Wenn auch kein Verfasser genannt ist, so können wir doch soviel verrathen, daß dieses Werk aus der Familie der Rothschilds in England hervorgegangen ist, und Lady von Rothschild, eine tüchtige Bibelkennerin, 15 Kapitel geschrieben hat, während die übrigen, andern Mitgliedern dieser berühmten Familie angehören. Die Uebersetzung stammt aus der Feder einer jungen Frankfurter Dame. — Sind auch die „23 Fest-Predigten und synagogale Vorträge für alle h. Feiertage und Volksfeste von Bezirks-Rabbiner L. Schleßinger in Breiten" (Frankfurt a. M. 1891. I. Kauffmann) nicht sehr umfangreich, so sind sie doch nichtsdestoweniger recht inhalt- und gehaltreich und seien deßhalb bestens empfohlen. — Es ist eine beliebte Taktik gewisser Antisemiten, die nicht zu den Radaubrüdern gehören möchten und ihrem Gebühren einen Schein von Berechtigung zu geben wünschen, aber gerade deßhalb gefährlicher als diese sind, daß sie nach der einen oder andern Seite Komplimente austheilen. Da wollen die einen nicht die Orthodoxen in ihren Haß einbegreifen, das seien fromme und gute Leute, die der Religiösität und Sittlichkeit nicht schaden, die andern geben wieder vor, die Reformer zu ihren Freunden zu zählen, da die sich mehr der christlichen Gesellschaft akkomodiren, so spielen sie eine Partei gegen die andere aus, ohne es mit ihrer parti-

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