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Der Israelit · 1892-08-16 · Heft 65 (16.8.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 65 (16.8.1892)
Date
1892-08-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1247 aufgethan hat, mit dem er die ganze Colonie versorgt. In dem Innern seiner Hütte ist alles blitzsauber, sogar die Hühner, die er mästet, um sie an wohlhabendere Glaubensgenossen zu verkaufen. In einem Winkel findet sich eine Anzahl Bücher, heilige Schriften. Man begegnet in der Kolonie allen Typen des russischen Juden, nu't langen, dunklen Bärten, krausem Haar, das niemals ein Scheermesser berührt hat, mit Locken, die, wie Pfropfenzieher geformt, die abgezehrten Gesichter umrahmen. Alle haben einen sanften melancholischen Ausdruck. Einer von den Colonisten ist Schuhmacher. Er fertigt die Stiefeln für die Kinder, die alle nach der Mode der russischen Juden sehr weite Sammetbeinkleider tragen. Dicht bei einer Hütte, die nicht weniger als zwölf Einwohner beherbergt, findet sich ein Kaninchengehege. Die Kaninchen, die zu verzehren das jüdische Gesetz verbietet, sind zum Verkaufe bestimmt. Die meisten der Colonisten beschäftigten sich mit der Herstellung seidener Mützen, die sie auf den äußeren Boulevards und auf den Jahrmärkten verkaufen. Die Kinder finden zumeist in Schusterwerkstätten Beschäftigung. Einige von den Colonisten haben auch schon in ordentlichen Häusern Unterkunft gefunden und den ihnen vorläufig angewiesenen Unterschlupf verlassen, dessen Miethspreis für die Familie monatlich sechs Francs betrug. Bis vor kurzem hatten sie eine kleine Hütte an der Alexandre Dumas-Straße als Synagoge benutzt; gegenwärtig ist die Colonie bereits so zahlreich geworden, daß sie ein Gebethaus in der Straße Saint Paul hat miethen können. Da das Terrain, das sie gegenwärtig bewohnen, demnächst mit großen Häusern bebaut werden soll, werden sie bald wiederum auswandern müssen. Sie rechnen daraus, Wohnstätten in der St. Paulstraße zu finden. Die Zahl der russischen Juden, die in dem Quartier wohnen, wird auf siebenhundert geschätzt. Gieße« Der Verein zur Beförderung des Handwerks unter den Israeliten in Oberhessen und den benachbarten Gebieten erfreute sich von Anfang an der Förderung aller gleichgesinnten Vereinigungen. Zu nennen ist hier in erster Linie der Verein zur Beförderung des Handwerks unter den israelitischen Glaubensgenossen zu Frankfurt a. M., der demselben jederzeit thätig mit seinen reichen Mitteln zur Seite stand und in dankenswerter Weise fast sämmtliche, ihm als ferner liegende, überwiesene Anmeldungen erledigte. Weiter der Verein in Remagen, dessen Statuten im wesentlichen diesem Vereine zu Grunde liegen, und mit dem er ein dauerndes, durch mehrere Doppelmitglieder gefestigtes Band unterhält. Es hat sich hierbei das Bedürfnis einer einheitlichen Organisation der Bestrebungen, womöglich für ganz Deutschland ergeben. Einerseits sind die vereinten Kräfte leichter in bestimmter Richtung zu bewegen, andrerseits ist eine genaue Controlle sowohl der Anmeldung als der Ausbildung damit zu ermöglichen, wozu die Ersparniß an Verwaltungsausgaben, die eine reichere Befriedigung der eigentlichen Absichten gestatten würde, hinzukäme. Der Verein hat einen Schritt in dieser Richtung zunächst durch die Vermittlung des hessischen Lehrervereins (Reg.-Bez. Kassel) zu thun versucht, ohne jedoch den gewünschten Erfolg zu erzielen. Die Thätigkeit des Vereins hat eine eifrige Bearbeitung gefunden, wenn auch, der Geringfügigkeit der Mittel entsprechend und im Verhältniß zu der gewaltigen Aufgabe, nur Anfänge zu verzeichnen sind, Stückwerk, das Ergänzung dringend bedarf. Der Verein fand bei seiner Gründung einen bereits von privater Seite und befreundeten Vereinen unterstützten Schneiderlehrling vor, dem er bis zu seiner Entlassung als Gesell (Juni 1891) weitere Unterstützung angedeihen ließ. Es kamen seitdem bis Ende 1891 5 weitere Lehrlinge hinzu, welche sich sämmtlich noch in der Lehre befinden. Von diesen sind 3 Schneider, 1 Uhrmacher, 1 Buchbinder. Die erwähnten Unterstützungen bestehen in der Regel in der Lieferung des Handwerkszeugs, der Stellung eines etwaigen Lehrgeldes, sowie in Zuschüssen zu Kost und Kleidung. Die durchschnittlichen Aufwendungen belaufen sich auf 50—150 Mk. pro Jahr und Lehrling. Die unterstützten Lehrlinge stammen aus den Gemeinden Alsfeld, Alten-Buseck, Friedberg, Lich, Ober-Gleen. Zwei weitere Lehrlinge wurden an die Vereine in Kassel bezw. Frankfurt a. M. gewiesen, einigen Lehrlingen, sowie einem Mädchen zur Ausbildung in Haushaltungsarbeiten vorübergehende Unterstützung gewährt. Die Mitgliederzahl belief sich bei Gründung des Vereins aus 26 und ist bis 17. Januar 1892 auf 190 angewachsen. (ivvn) — T rnicui vvyj S\'s runo^ vssS ’i lyni naSna *v$*m ip'kh . nirvro nnso n?"rn? i nrtyn.1 -nrron iSeya e"Kn '2 . nnwi n«n rm'; *s noc ’rmT rer? c»? ran *cw» ck? Egelsbach. E. Agulnick. Wochen - Kalender. Freitag, 19. August, 26. Ab. Sabbat-Anfang 6 Uhr 40 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 20. August, 27. Ab. n"DD ,r»n- Sabbat-Ausgang 7 Uhr 55 Min. (Mainzer Uhr.) Montag, 22. August, 29. Ab. |üp D"\ Dienstag, 23. August, 30. Ab. rr*n 'n or. Mittwoch, 24. August, 1. Elul. n"*Y7 '3 DV. Der Neumond ist Montag auf Dienstag Nacht 34'^, Min. nach 3 Uhr.

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