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Der Israelit · 1892-08-11 · Heft 64 (11.8.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 64 (11.8.1892)
Date
1892-08-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1216 wurde, öffentlich gegessen hat und daß er sich nicht geniert, am rar 2 Stunden Dinrft pn zurückzulegen. Da ich Cultusbeamter der hies. jüd. Gemeinde bin und tatsächlich mit meiner Familie in H. zur Sommerfrische weile, so kann in besagter Zuschrift kein anderer Cultusbeamter gemeint sein, als ich, und sehe ich mich daher veranlaßt, diese Angriffe zu widerlegen. Ich wohnte zwar auf Einladung der Brauteltern, der Tafel der Hochzeit bei, habe aber absolut keine verbotenen Speisen genossen, wie von einem jüd. Cultusbeamten nicht anders zu erwarten war?) Es ist nicht wahr, daß der Ort H. 2 Stun den von Mülhausen entfernt ist; dieser Ort, der nicht nur mit der Landstraße, sondern auch mit einem kürzeren Feldwege zu erreichen ist und den ich auch benutze, liegt nur, wie allgemein in Mülhausen bekannt ist, 50 Minuten von hier entfernt. Um der Vorschrift unserer heil, hjidn Genüge zu thun, lege ich an jedem Freitag auf die Milte des betreffenden Weges einenpvinr, 21-137. .bwW'Dl HD □rP’.Tl Der Cultusbeamte. Königsberg i. Pr., 9. August. Die in Eydtkuhnen, Memel, Tilsit, Insterburg, Prostken und Königsberg bestehenden Comitös für die ausgewtesenen russischen Juden haben wegen der Choleragefahr vorläufig ihre Thätigkeit eingestellt. Seit Juni 1891 sind über 100,000 Personen mit Hilfe der deutschen Comitös nach überseeischen Ländern befördert worden. Thor«. Herr Dr. R o s e n b e r g, seither Rabbiner der Gemeinde zu Brandenburg a. d. Havel, wurde einstimmig zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde erwählt. Es haben 28 Herren sich um diese Stelle beworben, von denen 5 zur engeren Wahl standen. Corbach, 31. Juli. Festlich geschmückt mit Kränzen u. Guirlanden versehen, fanden wir gestern am Schabbos Chason unsere Synagoge; ein Mitglied unserer Gemeinde, dessen Sohn mso geworden, hatte zugleich die Confirmalion seiner älteren Tochter auf den heutigen Tag verlegt. Die Hälfte der Gemeindemitglieder, die noch streng an dem altererbten Väterglauben hängt, war über dieses Gebühren entrüstet, und dies mit vollem Recht; denn wohl auf dem ganzen Erdenrund ist es noch nicht vorgekommen, daß gerade an diesem Sabbat die Synagoge geschmückt wird und selbst die fortgeschrittensten Reformer haben es nicht gewagt, an Schabbos Chason eine Confirmation vorzunehmeu. Wie Sie bereits schon früher berichtet, hatte Unser Glaubensgenosse, der vor 1V2 Jahren verstorbene Herr Rentier W i t g e n st e i n aus Berlin, *) Sie erklärten sich aber durch Hhre Anwesenheit bei dieser Feier stillschweigend damit einverstanden, daß die Hochzeitsgäste und das Brautpaar verbotene Speisen genossen. Red. d. Jsr. in Corbach geboren, die hiesige Stadt zum Universalerben eingesetzt; 6000 Mark wurden zum Bau einer Synagoge und 10,000 Mark für seine nächsten Verwandten festgesetzt. Für den Rest von ca. 1/2 Million soll eine Altersversorgungsanstalt für Anhänger aller Glaubensbekenntnisse errichtet werden. Der Bau dieser großartigen Anstalt schreitet rasch seiner Vollendung entgegen. Frankreich. Paris, 5. August. Drumont hat trotz der Niederlagen, welche er schon wiederholt bei Municipal- und Kammerwahlen erlitten hatte, bei den Generalrathswahlen wieder sein Glück versucht. Er candidirte in den Cantouen Tonneins und Dole und unterlag beidemal, indem er nur eine lächerlich geringe Stimmenanzahl erringen konnte. Persien. Teheran, im Juli. .122-0 tisd ttw ntz "p’D'D. Der Frühling hat heuer in Persien traurig begonnen. Gleich in den ersten Tagen des Wonnemonates Mai brach in der den Mohamedanern heiligen Stadt Mesched, zu der noch heute Juden und Christen der Zutritt verboten ist, die Cholera aus, die täglich, da damals gerade Tausende von Pilgern in dieser Stadt versammelt waren, hundert bis zweihundert Personen hinwegraffle. Von Mesched aus wendete sich die Cholera nordwärts nach der Stadt Asterabao am Kaspisee, wo sich eine kleine jüdische Gemeinde befindet, und forderte auch hier täglich zahlreiche Opfer. Die Krankheit breitete sich nun am ganzen persischen Ufer des genannten Sees aus, überall Hunderte von neuen Gräbern als Zeichen ihrer traurigen Wirksamkeit zurücklassend. Merkwürdigerweise ging sie in allen Ortschaften, wo sie auftrat, schonend an den Juden vorüber und schreibt man dieses Wunder der jüdischen Enthaltsamkeit zu, denn, während die Mohamedaner Obst, Gurken, Melonen und Fische verzehrten, begnügten die Juden sich mit einem Stückchen gebratenen Hanrmelfleisch und etwas Reis und enthielten sich allen Obstes und Gemüses, besonders, wenn dasselbe noch nicht völlig reif war. In der Hafenstadt Rescht sind wohl vier Juden an der Cholera gestorben, doch sind dreselben nicht dort daran erkrankt, sondern in der benachbarten russischen Hafenstadt Baku, wo sie eben ihrer Geschäfte halber weilten. Auf dem Heimwege erkrankten sie dann und sanken sie dann alle vier ins Grab hinab. Jetzt ist die Cholera wieder im Abnehmen begriffen und dürfen wir daher hoffen, daß sie bald gänzlich erlöschen wird. Unsere Stadt hingegen blieb von der bösen Krankheit gänzlich verschont und flüchteten sich deßhalb auch viele Familien aus den benachbarten Städten hierher, um hier von der Geisel verschont zu bleiben.

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