Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 64 (11.8.1892)
- Date
- 1892-08-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXIII. Jahrgang. Erste Beilage zu M 64 -es „Israelit". Literarischer Wericht. Die Familien Prags. Nach den Epitaphien des alten jüdischen Friedhofes in Prag zusammengestellt von Simon Hock. Aus dessen Nachlasse herausgegeben, mit Anmerkungen versehen und biographisch eingeleitet von Prof. Dr. David Kaufmann. Preßburg 1892. 402 und 36 S. groß 8°, mit dem Bilde d. V. Das vorliegende posthume Werk erweckt die Erinnerung an einen Mann, der sich bereits bei Lebzeiten einen guten Namen unter den Fachgelehrten erworben hat. Im Jahre 1856 erschien Lieben's Gal—Ed, eine Sammlung von 170 „Grabinschriften des Prager isr. alten Friedhofes", zu welchen Simon Hock eine Reihe von Biographien verfaßte, die in ihrer schmucklosen Kürze und Nüchternheit selbftgewonnene, unanfechtbare Resultate seiner Studien darstellten und von seinem reichen Wissensschatze, seiner kritischen Begabung das günstige Zeugniß ablegten. „Mit einem Schlage" heißt es in der glänzend geschriebenen biographischen Einleitung von Prof. Dr. Kaufmann S. 21, „trat Hock damit in die vorderste Reihe der Bearbeiter jüd. Wissenschaft. Jedem Urtheilsfähigen mußte es angesichts dieser Leistung sofort klar werden, daß hier ein Mann auftrat, der aus dem Wollen schöpfte, dessen Arbeit allen Enden über sich selbst hinauswies, nur wie eine Stichprobe aus dem überquellenden Reichthum gediegenen und geläuterten wissenschaftlichen Materials sich darftellte." Hock war, wie Kaufmann es treffend bezeichnet, das, was man früher einen Muschlam nannte. Seine frommen Eltern hatten ihn in seiner Jugend in Bibel und Talmud unterrichten lassen und der frühreife Knabe war bereits im 10. Jahre im Stande, den öffentlichen Talmudvorträgen der damaligen Meister zu folgen. Der Unterricht in profanen Gegenständen beschränkte sich auf das Allernothwendigste. Eigener Lerneifer und ein riesiger Fleiß ließen ihn später die Lücken seiner Bildung ausfüllen, so daß er mehrere Sprachen beherrschte und auf allen Gebieten der jüdischen Wissenschaft zu Hause war. Dabei war Hock keineswegs Gelehrter von Beruf, der seine ganze Zeit den Studien hätte widmen können. Er war ein eifriger Geschäftsmann, der seinen eigentlichen Beruf niemals vernachlässigte und dennoch Zeit fand, sich gelehrten Neigungen hinzugeben. Und jemehr sein Wohlstand und seine Unabhängigkeit wuchsen, desto mehr erstarkte in ihm der Trieb und das Bedürfniß, die Quellenwerke der jüd. Literatur zu erforschen und seine Kenntnisse zu vermehren und zu vertiefen. Er gehörte eben einer Zeit an, in der das Thoralernen kein Brodstudium war, in der es Jeder für seine Pflicht erachtete min? crny VDp1? u. nach des Tages Last und Mühen den Geist zu erfrischen am Quell der Erkenntniß. Eine besondere Vorliebe hatte er für jüdische Geschichte und hierin hatte er ein Spezialgebiet, auf dem er Meister war: die Geschichte der altehrwürdigen und weitberühmten Prager jüdischen Gemeinde, einer der ältesten in Mitteleuropa. DaS war seine Domäne, die er wie kein zweiter beherrschte. Der Dichter S. Kohn, der treffliche Erzähler Prager Ghettogeschichten, sein Jugendfreund, konnte ihn wie ein Orakel, das ihn nie im Stiche ließ, über Alles, was die Prager Judenstadt betraf, befragen, denn über jeden berühmten Namen, über die Geschichte eines jeden Hauses konnte er die genauesten Aufschlüsse geben. Sein nachgelassenes Werk, daS einzige, welches sich unter einer ungeheuren Menge von schriftlichen Aufzeichnungen, Entwürfen und Vorarbeiten über die verschiedensten Gebiete, als abgeschlossen und druckfähig erwies, ist ebenfalls der Prager Spezialgeschichte gewidmet und behandelt in alphabetischer Reihenfolge die Familien Prags nach den 22000 Grabinschriften des alten Friedhofs. Es bietet zwar nur eine trockene Aufzählung von Namen und Todesdaten, versehen von gelegentlichen Anmerkungen des Verfassers und des Herausgebers kann daher nicht als Geschichtswerk im eigentlichen Sinne des Wortes bezeichnet werden. Es ist jedoch berufen zu einer Geschichtsquelle, zu einem unentbehrlichen Nachschlagebuch für den Forscher auf diesem Gebiete zu werden. In der Bereitstellung von Namen und Daten liefert es ihm nützliche Bausteine, die er bei seiner Thätigkeit nicht entbehren kann. Die Familie des verewigten Verfassers und namentlich seine ihm vor Jahresfrist in den Tod gefolgte Gattin, deren Herzenswunsch die Herausgabe dieses Werkes war, hat mit dieser Veröffentlichung dem Verstorbenen ein pietätvolles Andenken gestiftet und zugleich der Wissenschaft einen nicht unwesentlichen Dienst geleistet. Rühmend hervorheben müssen wir noch, die schön geschriebene, mit wohlthuender Wärme gezeichnete Lebensskizze des Verfassers, mit der Professor Dr. Kaufmann das Werk einleitet und die mit ihren kraftvollen Bildern und 'geistreichen Vergleichen einen besonderen Schmuck desselben bildet. Wir können diese Anzeige nicht besser schließen, als mit den Worten seines Biographen S. 4: „Es ist eine Ehrenpflicht der jüdischen Wissenschaft, Simon Hock's zu gedenken, als eines Laien, vor dem die Gelehrsamkeit sogenannter Gelehrter zur Laienhaftigkeit zusammenschrumpft, als eines ihrer treuesten Pfleger, als eines ihrer ^unverdrossensten und begeistertsten Arbeiter, ob auch die volle Summe dieses Lebens nur dem aufgeht, der dem geistigen Niederschlage desselben in seinem handschriftlichen Nachlasse nähertritt. X. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzcn. Deutschland. Mülhansen i. E., im August. Wir erhalten folgende Zuschrift: In Nr. 62 des „Israelit" erschien eine Correspondenz, in welcher u. a. ein hies. jüd. Cultusbeamter angegriffen wird. Demselben wurde vorgeworfen, daß er an einer jüd. Hochzeit, welche bei einem chrfftltchen Hotelier abgehalten