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Der Israelit · 1892-08-08 · Heft 63 (8.8.1892) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 63 (8.8.1892)
Date
1892-08-08
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1205 leuchtung der Stoffe nach wechselnden Gesichtspunkten ist das Einzelne als Glied des Ganzen immer fester und tiefer zu faffen. Durch immerwährende Betonung der Wechselbeziehungen zwischen den Lernstoffen und dem Leben, sowie durch stete Winke für die Verwerthbarkeit des Stoffes in den einzelnen Lebenslagen wird der ursprüngliche fremde Lernstoff eigener Lebensbesitz. Der Referent versäumte nicht, seinen Vortrag durch ein praktisches Beispiel zu ergängen. Wegen der vorgerückten Zeit mußte von einer Debatte abgesehen werden. Die Versammlung bestimmte hierauf für die nächste Jahresversammlung den ersten und zweiten Pfingsttag und Hannover wieder als Versammlungsort. Nlus iöiatrf und -Crntt». Altena (Iüdis che Privats chul e.) Wie in Nr. 5 der „Pr. Lehrer-Zeitung" berichtet wurde, ist dem tüchtigen und bewährten Lehrer der jüdischen Privatschule gekündigt worden; die Gemeinde wurde gezwungen, dem Kollegen das Gehalt, das man ihm während einer militärischen Uebung vorenthalten wollte, auszuzahlen. Auf diese Notiz erklärte der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Nr. 29 d. Ztg., daß die „thatsächlichen Angaben des beregten Artikels aus der Luft gegriffen seien, die Entstellung der Thatsachen durch Beschreitung des Rechtswegs seitens der beleidigten Gemeinde klargestellt und demnächst bezügliche weitere Aufklärungen erfolgen würden". Heute können wir unfern Lesern mittheilen, daß, wie der Königl. Kreisschulinspektor sich ausdrückte, der Kollege der Gewalt hat weichen müssen. Gleich daraus stellte nun die Gemeinde einen neuen Kollegen an, der aus seiner Stellung aus der Nähe von Trier hierher kam. Darauf verfügte die Königl. Regierung zu Arnsburg, daß dem neu anzuftellenden Lehrer an der jüdischen Privatschule zu Altena die Erlaubnis, die Privatschule zu führen, versagt würde, daß die Schule sofort aufzulösen sei, und daß die Schulkinder unverzüglich den christlichen Schulen zugeschickt werden müßten. Nunmehr besuchen die jüdischen Kinder der verschiedenen Stadttheile die evangelischen Volksschulen; aber die Gemeinde hat zwei Lehrer auf solche Weise aus ihrer Stellung gebracht; wer deckt diesen den Ausfall am Gehalt, und wo wollen sie so bald eine neue Stelle wieder bekommen? Wittlich, im Juni. Die Jahresversammlung des Vereins israel. Lehrer und Cultusbeamten Südwestdeutschlands fand am 5. u. 6. Juni in St. Johann a. der Saar statt. College Eppstein- Hoppstätten, der Vorsitzende des Verbandes, eröffnete die Sitzung mit der Erstattung des Jahresberichtes. Herr Dr. Löwy-Btrkenfeld erhielt das Wort zu seinem Vortrage: „Auf welche Weise läßt sich das Ceremonialgesetz für das sittliche Empfinden des Kindes verwerthen?" Der geschätzte Referent führte ungefähr folgendes aus: Die Cermonien sind zum Unterschiede von den sittlichen Handlungen des Menschen religiöse Uebungen, deren Ausführung nicht an sich selbst, sondern nur als Mittel zu einem höheren meist sittlichen Zweck von großem unschätzbaren Werthe ist. Um diesen Zweck jedoch zu erreichen, ist es unumgänglich nothwendtg, daß die Cermonien mit dem vollen Bewußtsein des von ihnen verkörperten Gedankens ausgeübt werden. Nur so können sie dazu dienen, den durch irgend einen Vorgang auftauchenden oder sonst absichtlich hervorgerufenen sittlichen Gedanken, dessen Ausfluß sie sind, lebendig auszuprägen, vor Verflüchtigung zu schützen und dem Bewußtsein und sittlichen Willen des Menschen dauernd einzuprägen. Solche Gedanken sind vor allem Gottesfurcht, Gottesliebe und das Bewußtsein der Gottähnlichkeit des Menschen. Dies wird einzeln mit einem Blick auf die verschiedenen Ceremonialgruppen nachgewiesen. Der Vorsitzende dankte dem Herrn Referenten für seine trefflichen Ausführungen. Die Anwesenden betheilgten sich lebhaft an der Debatte und zum Schluffe fanden folgende Thesen Annahme: 1. Das Ceremoniale ist dazu geeignet, das sittliche Empfinden des Kindes wie auch des Erwachsenen zu fördern und zu kräftigen. 2. Dieses Ziel wird erreicht durch Verinnerlichung und geistige Durchdringung der Ceremonien. Am Schluffe des ersten Conferenztages ward noch bestimmt, daß die nächstjährige Versammlung am 23. und 24. Mai in Koblenz stattfindet und es werden sprechen Liebstätter-Hoppstätten und Bachenheimer-Zweibrücken über „Einrichtung von Schul- resp. Gemeindebibliotheken" undSeelig-Merzigund Scheuer-Trier über „Chevrah - Vorträge." Am andere Tage sprach Coll. Salomon-Trier über Punkt 4 der Tagesordnung: „Wie kann sich der jüd. Religionslehrer in und außer der Schule an der Bekämpfung des Antisemitismus betheiligen?" Indem Vortragenderden Satz aufstellt, daß ein öffentliches Auftreten gegen die Apostel des Antisemitismus für den Religionslehrer sich nicht empfehle, kömmt er zur Forderung: 1. „Daß sich im Allgemeinen die Stellungnahme des jüd. Religionslehrers zum Antisemitismus auf Schule und Kanzel beschränken solle." 2. Der Religionslehrer unterwirft den Geist des Schülers einer strengen Zucht, damit eine fehlerhafte Ausgeburt des lebhaften Temperaments durch Beherrschung aller Triebe im Keime erstickt wird. Er macht ihm vermöge seiner Erfahrung die Erkenntniß zu eigen, daß Haß und Neid die Fehler Einzelner generalistrt, und führt ihm andererseits vor sein Seelenauge die Helden unserer geschtcht-

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