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Der Israelit · 1892-08-04 · Heft 62 (4.8.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 62 (4.8.1892)
Date
1892-08-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M 62. XXXIII Jahrgang. Der Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orlhodore ZudenLhum. Begründet von Dr. Lehmann tn Mainz. Donnerstag, den 4. A u g « ft 5652 (1892). Leitender Artikel. Schabbos-Zlllchinu. Von Rabbiner H. Galandauer in Soborten (Böhmen.) „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht Euer Gott." oa’pbx -1DN» »oy ioro idto. Auf den Schabbos- Chason folgt der Schabbos-Nachmu. Das schwere Strafgericht, welches Jesaias in flammenden Worten in der Hastorah verkündete, ist tn verhängnißvoller Weise buchstäblich an Israel in Erfüllung gegangen. „Verwüstet ist sein Land, vom Feuer verbrannt sind seine Städte, sein Acker ist verheert, verwildert, zur Beute den Feinden geworden. Die Tochter Zions blieb einsam und verlassen stehen, wie eine Hütte im Weinberge, wie ein Nachtzelt im Gurkenfelde, wie eine eroberte, ausgeplünderte Stadt." Tiefe Wehmuth, bitterer Schmerz erfüllte jedes wahrhaft jüdische Gemüth am Tage der Zerstörung Jerusalems. Jeremija's herzbrechende Klagelieder, Jehuda Halewi's hinreißende Trauerklänge ertönten in den Synagogen am neunten Ab. Israels Söhne saßen da gebeugten Hauptes und betrübten Gemüthes im Staube und ließen seufzend und thränenumflorten Auges all' die düstern, tiestraurigen und schauervollen Bilder jener Tage vor ihrem Geiste vorüberschweben, und in der Erinnerung an das große Unglück, an den unermeßlichen Jammer, an das schwere Unrecht, welche das Menschengeschlecht von jenen uralten Zeiten her bis auf den heutigen Tag ihrem Volke zugefügt hat, schienen sie ganz untröstlich, jeder fröhlichen Regung unzugänglich. Wenige Tage darauf kommt der Schabbos-Nachmu, die Klagen sind noch kaum verhallt, die Trauerklänge kaum verstummt und siehe da! die noch nicht ganz trockenen Augen lächeln; Worte des Trostes', der Hoffnung und der Aufmunterung spricht der Eine dem Andern zu, und: „Tröstet, tröstet mein Volk, spricht Euer Gott", ist die Losung in Israel. Ja, tröstet nur immer mein Volk. Wohl hat es die Hand Gottes schwer getroffen, Jeruscholajim ist zur Einöde geworden, sein Heer ist aufgerieben und seine Sünden sind zweifach gesühnt; aV t>y ron ’D nny nsru »a nxas n«bo o itopi rrnston Vaa o'tea 'n td nnpV sein Staat ist zertrümmert, seine nationale Einheit aufgelöst, sein Heiligthum zum Schutthaufen, seine Helden sind dem Feinde preisgegeben, seine Priester gemordet, seine Altäre umgestürzt, der Rest zieht in Gefangenschaft und wird von der Wonne des Menschengeschlechtes, wie Titus von den heuchlerischen Geschichtschreibern seiner Zeit genannt wird, den wilden Thteren zum Fräße hingeworfen; das Haus Jakobs scheint vernichtet, sein Lebensnerv abgeschnitten, sein Dasein beendet, weggefegt, verschwunden von der Erde; und dennoch erhebt es sich wieder, richtet es sich hoch auf, schüttelt den Staub von seinen zerschlagenen Gliedern, wischt das Blut von seinen Wunden und sein Ruf erschallt mächtig durch die Wüste: „Ebnet den Weg des Herrn, bahnet die Straße zu unserem Gotte". pn w naioa xiip hp nV'DD rmya nw» Verzaget nicht, lasset den Muth nicht sinken; man hat uns Alles genommen, um unsere Existenz unmöglich zu machen, man hat uns aus unserem Lande vertrieben und uns zerstreut und zersplittert nach allen Weltrichtungen; aber auch durch die Wüste, über Berg und Thal finden wir den Weg zu unserem Gotte; auch ohne Staatseinheit, ohne Nationalheiligthum, ohne Priester und Altar können wir unserem Gotte in Liebe und Treue anhangen d'ti dd’p^n 'na D»pa-n Dnxi □vn na^a und diese Anhänglichkeit ist es, durch die wir leben, durch die unser Sein, unser Bestand verbürgt ist. Das Licht Gottes, das unsere Feinde nicht zu verlöschen vermochten; die Thora, die uns Kraft und Stärke verleiht alle Erschütterungen und Umwälzungen zu überdauern, diesen unversiegbaren Lebensquell haben wir uns aus der Verwirrung und Verwüstung glücklich gerettet; diesen kostbarsten aller Schätze haben wir uns ins Exil mitgenommen und ihn gehütet und bewacht mit unserem Leben, mit unserem Herzblute;

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