Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 61 (1.8.1892)
- Date
- 1892-08-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXitt. Zahrgang. Jß öl. Der Israelit Ein AenLrat-Hrgan für das ortyodore Iudeniyum. Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Montag, den 1. Auguft 5652 (1892). Leitender Artikel. Kin vierßundertjäyriges Iuviläum. (Fortsetzung.) Mainz, 31. Juli. Der Verkehr zwischen den Uebergetretenen und ihren früheren Glaubensgenossen scheint sehr inniger Natur gewesen ^,u sein. Bande des Bluts und Gefühls und gegenseitiges Interesse schufen ein mächtiges Band zwischen jenen Juden, die sich außerhalb der Schranke des Judenthums gestellt hatten und zwischen denen, die die Lehre bewahrten. Letztere schienen in dem Abfall nur ein Zugeständniß an die unvermeidliche Gewalt der Zeitunrstände zu erblicken und unterstützten sic mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln in der geheimer: Ausübung der ritualen religiösen Vorschriften. Hierdurch zogen die Inden nur noch in höherem Grade den Haß der Geistlichkeit auf sich. Diese fand darin ein erwünschte Handhabe zu einer neuen Art von Anklage, die sie „Judaisiren" nannte und die sie später mit allem Haß gegen die Nasse auszubeuten wußte. Alles drängte zur letzten Entscheidung. Der Zündstoff in der Staatsaction, die Spanien von dem ihm zur Unehre gereichenden Judaismus befreien sollte, harrte nur eines thatkräftigen Mannes, um mit verheerender Gewalt loszubrechen. Der Dominikanermönch Fray Thomas de Torquemeda, der ehemalige Beichtvater der Königin, war dieser Mann, der nach seinem eisernen Willen, seiner geistigen Ueberlegenheit und seiner an Hartnäckigkeit grenzenden Zähigkeit in der Ausführung seines Vorhabens zu einer solchen That berufen schien. Um seine Absicht zu erreichen, mußte ein politischreligiöser Apparat geschaffen werden, der unumschränkt zu seiner Verfügung stand. Als einen solchen erkannte er das Jnquisitionstribunal. Mit der seinem Charakter eigenen Energie arbeitete er daran, dasselbe in Spanien einzuführen. Dieser Gerichtshof war im Anfang des 13. Jahrhunderts von Fray Domingo de Gußmann, ins Leben gerufen, um der Ketzerei der Albingieser entgegen zu treten. Man hätte wohl a,-nehmen können, daß ein Institut, dessen trauriger Beruf es war, die Gedanken der Menschen zu belauschen und ihr geheimstes Leben zu überwachen, damit dem Glauben jede selbstständige Forschung genommen werde, vor der fortschreitenden Civilisation hätte verschwinden müssen Zum Verderben der Menschheit trat das Gegentheil ein. Die Inquisition wurde neu organisirt und anstatt beseitigt zu werden, gewann sie an Macht und Bedeutung. Bereits im Anfang des Jahres 1481 begann die Inquisition ihre mit ausgedehnter Befugniß ausgestellte, fluchwürdige Thätigkeit. Sie darf den nicht beneidenswerthen Ruhm für sich beanspruchen, im Namen der durch sie geschändeten Religion Gewaltthaten verübt zu haben, wie sie die Geschichte nicht zum zweiten Male aufzuweisen hat und unter dem Vorwände, Spanien von Ketzerei und Judenthum zu säubern, wurde so dieses schöne Land in einen Abgrund gestürzt, aus dem es sich nie wieder erheben konnte. Wenngleich die Juden und Mohamedaner nicht unter der Gerichtsbarkeit der Inquisition standen und nicht vor ihren hohen Richterstuhl gefordert, und wenngleich die Anklagen wegen Hexerei und Ketzerei nur selten noch erhoben wurden, so fand sich dennoch ein weites Feld, auf dem die Inquisition ihre blutige Ernte halten konnte. Es waren die Marannen oder Neu - Christen, gegen die der neu restaurirte Apparat sich mit ganzer Kraft richtete. Der Schrecken der Unglücklichen war grenzenlos. Die Inquisition ging sofort an die Arbeit. Schon in den ersten 4 Tagen nach ihrer Einführung loderten die Flammen eines ^nto-äa-t« oder Glaubensaktes" hell auf und sechs Menschen fanden in ihnen den Tod. Im März, April und November wurden neue Menschenopfer geschlachtet, und so ging das Morden immer weiter und weiter. Am Schluffe des ersten Jahres waren nur 298