Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 59 (25.7.1892)
- Date
- 1892-07-25
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1114 wir dem Buschhoff einprägen, daß er sich nicht verplappert, mehr sollen sie nicht herausbekommen." Metzgermeister Abraham Bruck mann, der alsdann als Zeuge erscheint, bekundet, daß ihm ein auch nur ähnlicher Vorgang absolut unbekannt sei. Hölsken, der dem Bruckmann hieraus gegenüber gestellt wird, bleibt bei seiner Aussage. Kaufmann Michels (Goch) stellt auf Befragen des Präsidenten entschieden in Abrede, daß er auf dem Bahnhof in Goch mit der Beekmann gesprochen habe. Er sei am Freitag hier im Zuhorerraum gewesen und habe Abends auf der Heimreise nur die Beekmann gefragt: Ob sie etwas zu Hause zu bestellen habe, überden Fall Buschhoff habe er nicht mit der Beeckmann gesprochen. Es erscheint Schuhsabrikant G e r i tz e n (Goch). Präs.: Sie sollen gesehen haben, wie Kaufman Michels am Sonnabend Abend auf dem Bahnhof in Goch mit der Beek^ mann gesprochen habe? Zeuge: Davon ist mir nichts bekannt. Der Zeuge bekundet im Weiteren: Ullenboom hat mir am 21. oder 22. April d. I. gesagt, indem er auf das Buschhoff'sche Haus zeigte: „Das ist das Mörderhaus oder die Mördergrube. Buschhoff und kein anderer ist der Mörder, ich laß mir dem Hals abschneiden, wenn dies nicht wahr ist." Präs.: Ullenboom kommen Sie einmal her. Sie haben gehört, was der Mann bekundet hat, haben Sie eine solche Aeußerung gethan? Zeuge: Nein, das habe ich jedenfalls nicht gesagt. Präs.: Wie sollte denn der Mann aber dazu kommen, das zu bekunden? Ullenboom: Ja, ich verstehe es auch nicht. Präs.: Der Mann hat doch einen Eid geleistet? Ullenboom: Ich habe eine solche Aeußerung nicht gethan, wie kann ich auch etwas sagen, ich habe doch weder etwas gesehen noch gehört. Oberstaatsanwalt: Halten Sie den Buschhoff für den Mörder? Zeuge: Nein. Oberstaatsanwalt: Sind Sieder Meinung, daß Buschhoff unschuldig ist? Zeuge: Jawohl. Präsident: Zeuge Geritzen, hat Ullenboom vielleicht gesagt, in dem er auf das Buschhoff'sche Haus hinzeigte: „Siehst Du, da steht angeschrieben: „Mörderhaus?" Zeuge: Nein. Ullenboom sagte: „Das ist das Mörderhaus, oder auch die Mördergrube, Buschhoff ist es gewesen, ich lasse mir den Hals abschneiden, wenn das nicht wahr ist." Wir haben uns über die Buschhoff'sche Angelegenheit noch weiter unterhalten und diese Unterhaltung noch in der Gastwirthschaft von Küppers sorgesetzt. Ullenboom: Ich gebe zu, daß wir uns überBuschhoff unterhalten haben und es ist möglich, daß ich mich über Buschhosf nicht günstig ausgesprochen habe. Wenn ich das gethan, so geschah es lediglich, weil ich die vielen Verfolgungen und wirthschaftlichen Schädigungen fürchtete. Eine solche Aeußerung, wie sie der Zeuge bekundet, habe ich jedenfalls nicht gethan. Präsident: Sie geben aber die Möglichkeit zu, etwas Nachtheiliges über Buschhoff gesagt zu haben? Ullenboom: Das gebe ich zu; es geschah dann aber blos, weil ich mich vor den Verfolgungen und wirthschaftlichen Schädigungen fürchtete. Präsident: Sie haben vor Gericht stets zu Gunsten Buschhoff's ausgesagt? Zeuge: Jawohl. Präs.: Wo haben Sie die Wahrheit gesagt? Zeuge: Selbstver-' stündlich habe ich vor Gericht stets die Wahrheit gesagt. Der Präsident läßt die beiden Zeugenaussagen protokolliren und ermahnt beide Zeugen nochmals eindringlichst, sich es vorher zu überlegen, ehe sie das Protokoll unterschreiben, da der Staatsanwalt wohl die Angelegenheit noch weiterversolgen werde. Beide Zeugen erklären wiederholt, daß sie die Wahrheit gesagt und unterzeichnen das Protokoll. Vertheidiger Rechtsanwalt Fleischhauer: Ist es wahr, daß der Vater des Ullenboom, als er bereits auf dem Sterbebete lag, sich den Zeugen Ullenboom und auch deffen Schwester Mathilde an's Bett hat rnsen laffen und ihnen gesagt hat: Ihr werdet in der Buschhoff'schen Angelegenheit jedenfalls vor Gericht als Zeugen erscheinen müssen. Ich ermahne Euch, nicht von der Wahrheit abzuweichen. Ich kenne den Buschhoff sehr genau, der ist viel zu brav, als daß er im Stande wäre, eine solche That zu begehen? Ullenboom: Das ist richtig. Präsident: Haben Sie Ihrem Vater nun auf dem Sterbebett versprochen, nicht von der Wahrheit abzuweichen? Zeuge: Jawohl. Präsident: Haben Sie das auch gehalten? Zeuge: Jawohl. Präsident: Sie sind nicht von der Wahrheit abgewichen? Zeuge: Nein. Klempnermeister Alois und Theodor Langenberg (Goch) bekunden übereinstimmend, daß Ullenboom 4 Jahre bei ihnen gearbeitet habe. Derselbe fei nicht unehrlich, er sei aber ein großer Schwätzer und Prahler gewesen. Klempnermeister Degroth (Calcar): Ullenboom, der vor einigen Jahren bei ihm gearbeitet, habe seiner Schwägerin Geld gestohlen, er habe ihn deshalb entlassen. Präs.: Ullenboom, was sagen Sie dazu? Ullenboom; Ich habe allerdings einmal in einer schwachen Stunde Geld genommen, ich habe das Geld aber auf Heller und Pfennig zurückerstattet und bin noch weiter bei Degroth geblieben. Frau Seegers, die alsdann als Zeugin erscheint, bestreitet auf Befragen des Präsidenten, daß Ullenboom ihr gegenüber einmal geäußert habe: „Buschhoff ist der Mörder". Die Zeugin bekundet im Weiteren, daß sie am Peter-Paulstage Nachmittags gegen 21/4 Uhr zu Isaak gegangen sei, um dort Zeug zu kaufen. Sigmund Isaak sei zum Laden hereingekommen und wieder hinausgegangen. Sie sei alsdann in die Kirche und darauf wieder zu Isaak gegangen. Diese ihre Wahrnehmung habe sie im vorigen Herbst der Frau Küppers mitgetheilt, und letztere habe sie gestern daran erinnert. Steinmetz Brauer bekundet: Am Abende des 29. Juni 1891 sei er ebenfalls in der Küpper'schen Scheune gewesen. Da es dunkel war —Küppers habe gesagt, des vielen Strohs wegen dürfe mit Licht nicht in die Scheune gegangen werden— so habe er wenig gesehen. Er habe gesagt: es komme ihm vor, als sei der Knabe dadurch zu Tode gekommen, daß die Kinder „Schweinschlachten" gespielt haben. Siegmund Isaak, der sich auch in °°er Scheune befunden, habe trotz der Dunkelheit sehr bald me Feile gefunden und gesagt: das ist ja ein scharfes Instrument, mit dem der Mord ausgeführt sein kann. Die Sitzung wird hier gegen Uhr Abends auf morgen (Dienstags) Vormittags 9 Uhr vertagt. (Fortsetzung folgt.) Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirt h'schen Hofbuchdruckerei-Aetien-Gesellschait in Mainz.