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Der Israelit · 1892-07-21 · Heft 58 (21.7.1892) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 58 (21.7.1892)
Date
1892-07-21
Page
– (sequence 25)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. Dritte Beilage M M 58 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Berlin, 9. Juli. Was der Antisemitismus aus Leipzig, der gerühmten Hochburg der Nationlliberalen, gemacht hat, zeigt ein Aufruf jüdischer Einwohner Leipzigs an die christlichen Mitbürger. Der Aufruf ist gerichtet gegen die antisemitischen Talmuderklärungen. In dem Aufruf heißt es unter anderem: Aus der Vethätigung politischen und kommunalen Wirkens verdrängt, gesellschaftlich zurückgesetzt, von allen Aemtern und Würden ausgeschlossen (obwohl die Staatsverfassung volle Gleichstellung der Staatsbürger ohne Unterschied des Bekenntnisses fordert), im Erwerbe aufs Empfindlichste bedrängt, ist es bei uns in Leipzig thatsächltch soweit gekommen, daß der Verkehr an öffentlichen Orten für die Juden die Gefahr enthält, auf das Gröblichste persönlich insultirt zu werden. Berlin, 17. Juli. Wie schändlich es die Hamaniten bei dem Prozeß Busch hoff getrieben haben, sieht nunmehr selbst das Hauptorgan der Freikonservativen ein, welches der antisemitischen Bewegung durch eine „wohlwollende Objectivität" sonst sehr eifrig Vorschub geleistet hat. Das „Botschafter-Organ" schreibt: „Anläßlich des endlichen Abschlusses des Prozesses Buschhoff drängen sich einige Betrachtungen beinahe von selbst auf. Der Mord ist ungesühnt, der Thäter der strafenden Gerechtigkeit entzogen. Ob und inwieweit bei der Untersuchung Fehler begangen sind, läßt sich von hier aus nicht mit Sicherheit übersehen. Eines aber scheint sicher, daß zu dem negativen Ergebnisse des Prozesses nicht unwesentlich der Umstand beigetragen hat, daß der Irrwahn des Ritualmordes oder, wie die ebenso alberne neueste Variante heißt, des Blutmordes die Betheiligten auf eine falsche Spur festgerannt und so wesentlich zur Verwischung einer etwaigen richtigen Spur beigetragen hat. Fanatismus und aberwitzige Leidenschaft sind eben die denkbar schlechtesten Rathgeber, und diejenigen, welche sie geschürt haben, trifft nach allen Richtungen die schwerste Verantwortung. Aber der Prozeß selbst und was er und Alles, was damit zusammenhängt, an unverdientem Leid über die Opfer antisemitischen Fanatismus verhängt hat, ist eine betrübende Seite der Sache. Mit tiefer Betrübniß und tiefer Beschämung muß der Vaterlandsfreund sehen, auf einem wie niedrigen Kulturniveau ein Theil unseres Volkes noch steht. Dies gilt insbesondere auch von einem Theile der unter klerikalem Einflüsse stehenden Bewohner des schönen Rheinlandes, welcher in jüngster Zeit schon einmal einen drastischen Beweis hierfür geliefert hat. Freilich steht das kulturelle Niveau einiger, namentlich Berliner Zeitungsredactionen anscheinend noch niedriger. (Dies „anscheinend" ist überflüssig. Die ultramontane „Germania", auf welche die Aeußerung der „Post" vorzugsweise gemünzt ist, hat durch ihre Haltung im Buschhoff- Prozeß unwiederleglich bewiesen, daß sie tatsächlich auf einen niedrigeren Kulturniveau steht, als der blödeste antisemitische Fanatiker im zehnmeiligen Umkreise von kanten. Red.) Es sind dies sehr unerfreuliche Zeichen der Zeit; sie enthalten eine nur zu deutliche Warnung vor den Strömungen, die sich neuerdings in unserem Volke breit machen, und unter der falschen Flagge des Christen- und Deutschthums nur Träger der geistigen Knechtschaft und Feinde fortschreitender Kultur sind und daher in einem scharfen Gegensätze zu dem reichen Geistesleben stehen, welches die deutsche Reformationszeit kennzeichnet." Wir werden sehen, ob dies im Munde der „Post" blos schöne Gala-Redensarten sind, oder ob sich das Blatt in antisemitischen Dingen ernstlich bessern wird. Vorläufig glauben wir noch nicht daran. — Auch die „Nordd. Allg. Ztg.", welche in Bezug auf den Antisemitismus früher eine ähnliche Rolle gespielt hat, wie die „Post", rafft sich heute in einer Betrachtung über den Prozeß Buschhoff zu folgenden Sätzen auf: „Eintracht und Friede im Lande, Ordnung und Sicherheit im Staate werden in nutzloser Weise schwer geschädigt, wo ohne genügende thatsächliche Unterlage blinder Fanatismus irgend eine dunkle That zum Aushängeschild seines parteileidenschaftlichen Strettbedürfnisses macht. Und was in Sonderheit die antisemitische Mache anbelangt, so werden Exzesse, wie sie einen solchen im Falle Buschhoff zu verzeichnen hat, am ersten dazu führen, daß diese Bewegung verblutet." — vermischtes. Die Holleschauer isr. CultusgeNteinde hat beschlossen einen neuen Tempel zu erbauen. Die Ausführung des Baues wurde dem Architekten HerrJg. Gärtner in Wien übertragen und wird mit demselben schon im nächsten Frühjahre begonnen werden. Die Herren Brüder Skranika in Holleschan haben in munificenter Weise zu diesem frommen Werke den Betrag von 6000 sl. ö. W. gespendet. In Czarnikau starb am 3. Juli der emeritirte Lehrer Herr Rieß, im Alter von 79 Jahren und wurde am Montag unter großer Betheiligung, besonders von Seiten der hiesigen christlichen Lehrer zu Grabe getragen. Herr Lehrer Walter hielt die Trauerrede, in welcher er in kurzen Zügen das Leben des Verblichenen schilderte.

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