Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-07-14 · Heft 56 (14.7.1892) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 56 (14.7.1892)
Date
1892-07-14
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448271--34492-2482434
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1047 sagen hätte. Ich antwortete: Ich weiß blos, daß ich das Schlachthaus vernagelt habe. Verth.: Und nachdem Sie das gesagt hatten, stritte er Sie? Zeuge: Jawohl, mehrere Male von oben nach unten. Präs.: Sie haben doch außer über die Vernagelung der Schlachthausthür noch Bekundungen gemacht? Zeuge: Ich wollte das nicht sagen, weil ich schon ohnehin geschäftlich sehr geschädigt bin. Verth. Rechtsanwalt Gammersbach: Ist Ihnen bekannt, daß Buschhoff im Winter mit einem mit Stroh gefüllten Sack seine Kellerthür zu verdecken pflegte? Zeuge: Jawohl. Der folgende Zeuge ist der Gärtnergehülfe Carl Ahls (18 Jahre alt): Am Sonntag vor acht Tageu habe er mit dem Fräulein Huiskens und dem Fuhrherrn Mallmann am Portweg gestanden. Da habe Fräulein Huiskens gesagt: Es ist doch merkwürdig, daß Frau Winthuis nach Cleve nicht vorgeladen ist, die hat doch gesehen, wie am Peter-Paulstage Nachmittags ein Jude im Küppers'schen Garten gewesen ist und gewinkt hat. Ich bestätigte das, da dies Gerücht allgemein in der Stadt verbreitet wurde. Präs.: Wußten Sie, daß Frau Winthuis eine solche Äußerung gethan hat? Zeuge: Nein, ich vermuthete es bloß, da es allgemein erzählt wurde. Mallmann forderte mich auf, zur Frau Winthuis mitzukommen. Bei dieser angelangt, fragte sie Mallmann: ob sie nach Cleve zu dem Buschhoffffchen Prozesse vorgeladen sei. Als Frau Winthuis dies verneinte, fragte sie Mallmann, ob sie am Peter-Paulstage nicht gesehen, wie in dem Küppers'schen Garten ein Jude gewinkt habe. Frau Winthuis antwortete: Wenn ich vorgeladen werde, dann kann ich mit gutem Gewissen aussagen, was in den Akten in Cleve steht. Oberstaatsanwalt Hamm: Frau Winthuis sagte nicht, daß sie einen Juden in dem Küppers'schen Garten habe winken sehen? Zeuge: Nein. Oberstaatsanwalt Ha am: Die Bekundung dieses Zeugen beweist wieder einmal, daß Mallmann eive ganz besondere Befähigung hat, falsch zu verstehen. Mallmann tritt, sichtlich sehr entrüstet über diese Aenßerung des Oberstaatsanwalts vor den Zeugen Ahls und hält diesem vor, daß er sich erinnern müsse, daß Frau Winthuis habe gesagt: Sie habe am Peter-Paulstage im Küpper'schen Anze Garten einen Juden winken sehen. Ahls gibt schließlich zu, eine ähnliche Aeußerung von Frau Winthuis gehört zu haben. Frau Winthuis, die hierauf als Zeuge erscheint, bekundet: Sie habe am Peter-Paulstage Nachmittags zwischen 2—4 Uhr einen jungen^Menschen in dem Küpper'schen Garten auf- und abgehen sehen. Der junge Mensch sei 15, 16 oder 18 Jahre alt gewesen. Präs.: Haben Sie den jungen Menschen erkannt? Zeugin: Nein, ich glaube, es war ein Fremder. Präs.: Fiel Ihnen etwas an dem Menschen auf? Zeugin: Ja. Präs.: Was fiel Ihnen auf? Zeugin: Daß ich den Menschen fortwährend auf-und abgehen gesehen habe. Präsident: Haben Sie den jungen Mann winken sehen? Zeugin: Nein. Präs.: Mallmam behauptet: Sie hätten gesehen, wie der Mann mit der Hand gewinkt hat? Zeugin: Nein, das habe ich nicht gesehen. Präs.: Herr Jsaack, treten Sie einmal vor. Nun, Frau Winthuis, sehen Sie sich diesen Mann an, war das der, den Sie am Peter-Paulstage Nachmittags in dem Küpper'schen Garten gesehen haben? Die Zeugin sieht sich den Zeugen Isaak (ein großer Mann mit Bollbart, im Alter von etwa 35 Jahren) von allen Seiten an und bemerkt: Nein, dieser Mann ist es nicht gewesen. Präsident: Sie kennen den kleinen Sigmund Buschhoff? Zeugin: Jawohl. Präs.: Dieser ist Ihnen auch schon einmal vorgestellt worden? Zeugin: Jawohl, aber der Siegmund ist es auch nicht gewesen. Präsident: War es etwa der alte Buschhoff selbst? Zeugin: Nein, der war es gewiß nicht. Präsident: War es ein Jude oder ein Christ? Zeugin: Ich will nichts bestimmt behaupten, aber ich bin der Meinung: es war eher ein Jude"als ein Christ. Es trifft alsdann ein Brief ein, in dem zwei Leute in Xanten namhaft gemacht werden, die die Bekundungen des Fräulein Rölen, wonach Buschhoff zu seinem Sohne gesagt haben soll: „Ach was, wenn sie uns nichts beweisen können, dann können sie uns nichts anhaben", bestätigen wollen. Der Gerichtshof beschließt auf Antrag des Staatsanwalts: diese zwei Personen als Zeugen zu laden. Alsdann tritt eine längere Pause ein. (Fortsetzung folgt.) i g e n. Für de« folgende« Theil ist die Redaetio« nicht verantwortlich. Die SilberruerrrvenIsabvik Lazarus Posen Wwr in Frankfurt a. M. empfiehlt ihre künstlerisch ansgestatteten isr. Cultnsgegenstände: 15z Chajlm, Tass, Kronen, Channkahlampen, Begomimbfichgen, Seder- Gegengtände, Pokale, Weinhnmpen etc. etc. und versendet ihre neuen, gehr vergröggerten Mugterhefte nebgt Preig-Couranten gratis nnd franko! (189 Verkaufs - Lokalitäten: Frankfurt a. M., Berlin W., Zeil 46a., im „Hessischen Palais“. Unter den Linden 5, Hotel Bristol. Thias&rtinstr* 4- HANNOVER. + ThieJ*8£p5“8tp' iPeuftotra? mttr Höhere Gitthterhlhirle von Frau Dr. Leverson u. Frl. Constance Levy. Jetzige Inhaberin: Fräulein COHSTAHdE LEVY, ♦mrin i Nur für Wiederverkäufer. Myrtheu in Ia. Waare, zu sehr billigen Preisen bei Alexander'} Weil, Gerbergrabenplatz 6. Straßburg i. E. I leicht j b. Trag. | natürl. | sind die von mir erfundenen, gegen Erkältung u. Kopfreißen schützenden Haartonren für Damen und Herren, selbige sind so leicht und natürlich gearbeitet, daß das Tragen einer solchen kein menschliches Auge bemerkt. (6874 IW Preis v. 7 Mk. 50 Pf. an. -W» Paul Wielifch, Perückenmacher, Wiesbaden, kl. Burgstr. 12. "120 Kötel Kirsch "120 Aachen, Bahnhofstrasie 33. 3275) D Billigste Pension. D

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.