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Der Israelit · 1892-07-14 · Heft 56 (14.7.1892) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 56 (14.7.1892)
Date
1892-07-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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\ XXXIU. Jahrgang. Erste Leilage ju M 56 des „Israelit“. Leitender Artikel. Der Sieg des Reformjudenthums in England. (Fortsetzung und Schluß.) London, 11. Juli. Dem Verzeichniß der Reformen, welche der Herr Chief-Rabbi bewilligt und abgelehnt hat, geht eine längere Einleitung mit schönen Worten voraus, auf die wir hier nicht weiter eingehen wollen, so sehr dieselben auch die Kritik herausfordern. Sie dient dazu, um die folgenden bitteren Pillen zu überzuckern und der Herr Chief-Rabbi scheint nach der Quantität des beigegebenen Zuckers die Bitterkeit seiner Pillen nicht zu unterschätzen. Die Aenderungen, welche der Herr Chief-Rabbi sanktionirt sind folgende: 1) Wenn kein Trauernder oder Keiner der Jahrzeit hat, in der Synagoge ist, braucht itnp Din* nicht gesagt zu werden. Das Kaddisch der d^dn an Freitag Abend nach naan aiH vv maia kann wegfallen. Die Amida a"nn naan *pia bw tnn twni wird nur einmal und zwar stückweise laut und stückweise leise gebetet. 2) Das Gebet -j^a 'n braucht nur einmal am Schluß der ninHv gebetet zu werden, ausgenommen an rmi ami my. 3) Das Capitel ppH-ia nan kann wegfallen, aber ich empfehle es vor dem Minchagebet zu lesen. 4) Ich habe die Form von einem yo^ ’a entworfen, für alle, welche zum Lesen der Thora aufgerufen wurden, der am Schluß desselben gesagt werden soll. 5) Nach sorgfältigem Studium der Autoritäten speziell Tj '»d V'anna n“w (soll wohl Y'd heißen) bin ich zum Entschluß gekommen, daß die Zehn Gebote einen Theil der Bibelvorlesung an Sabbat bilden sollen. 6) Es ist rathsam, daß der Rabbiner ein englisches Gebet entwirft, das durch ihn von der Kanzel verlesen werden soll.-Ich habe eine Anlehnung an das .i*ao pa ausgearbeitet, das bisher nicht in unseren Synagogen gebetet wurde. 7) Ich stimme der Weglassung des ersten pmv Dip* zu. 8) Die zwei Abschnitte map diö’b und ybyi mögen im Mussaf-Gottesdienst wegfallen, ich möchte aber bitten, sie vor pipa rni'x zu lesen. 9) Ich billige, daß der zweite Gottesdienst an den drei Festtagen mit did na und bbn beginnt. ‘ 10) Es ist Sanktion bereits ertheilt, in den Gebeten um Thau und Regen die Stücke mm und in i>a wegzulassen. 11) Ich habe auf einer Liste die Pijutim verzeichnet, welche beim Neujahrsgottesdienst ausgelassen werden dürfen (Appendix G. dazu gehören psa uw dn /um pn, ybnx, ebenso das pHo ferner pvn bi 'tin paix, für den zweiten Tag: nmi map nnn, ebenso für Jom Kippur eine ganze Reihe von Stücken aus dem Machsor.) 12) Ich verlange ernstlich, daß der Morgengottesdienst an Neujahr nicht später als 7.30 beginnt. 13) Am Jom Kippur soll *jVa 't nur einmal in jedem Gottesdienste am Ende des Selichoth gesagt werden. 14) Die map und nww nypn am Ausgang des Jom Kippur sollen erst nach uHy also nach mya n^en erfolgen. Das sind die wesentlichsten Aenderungen, die wir den 44 §§. des Schreibens entnehmen, in welchem der Herr Chief-Rabbi Dr. Adler seine Zustimmung ausspricht. — Man braucht wahrhaftig kein Gelehrter zu sein, um zu wissen, daß jede einzelne derselben gegen den p, gegen das jüdische Gesetz und Recht verstößt, wie es in unseren Codices ausgesprochen und im praktischen Leben tatsächlich gehandhabt wird. Es ist nun die nächste Pflicht der in ihrem Recht Vergewaltigten, daß sie diese Punkte zusammenstellen und sie den gesetzestreuen Rabbinen des heiligen Landes, Deutschlands, Rußlands, Oesterreich- Ungarns und der ganzen Diaspora mit der Bitte vorlegen, darüber sich auszusprechen, ob diese Aenderungen dem p entsprechen oder nicht. Die Antwort auf diese Frage kann nicht zweifelhaft fein. — Mit dieser Antwort in ihrer Hand müßten die Londoner uibm mbw vor ihren Chief-Rabbi htntreten, als mit dem vollgiltigen Beweis, daß die hier sanktionirten Streichungen, Aenderungen und Hinzufügungen allerdings in hohem Grade gegen das jüdische Religionsgesetz verstoßen. Vielleicht läßt man sich dadurch zur Umkehr bewegen, sieht die schweren Fehler, die man jetzt und früher gemacht hat, ein, und entschließt sich, neben den neuen Beschwerden, gewissen nur zu gut bekannten alten, noch gewichtigeren, Berechtigung zuerkennen und entschieden Abhilfe zu schaffen. Erfüllt sich diese Hoffnung nicht, so sind an dem Riß in der jüdischen Gemeinde Londons nicht die dem althetligen Gesetze Treuen schuld gewesen. 4

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