Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-07-14 · Heft 56 (14.7.1892) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 56 (14.7.1892)
Date
1892-07-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448271--34474-2482416
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXXIII. Jahrgang. _ . M SS. Der Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Donnerstag, den 14. Juli 5652 (1892). Um die bis heute Mittag 1 Uhr einlaufenden Nachrichten und Telegramme aus dem Gerichtssaal in Cleve noch in der vorliegenden Nummer zum Abdruck bringen zu^önnen, wird in dem Versandt der Letzteren eine Verzögerung von einigen Stunden eintreten. Redaclion des Israelit. DM- Neu eingetretene Abonnenten erhalten die bis jetzt erschienenen Kapitel der beiden Erzählungen: „Der Günstling des Czaren" & „Die Familie y Aguillar" beide in Buchausgabe, zum Preise von zusammen Mk. 4.— franco nachgeliefert. Die Expedition des Israelit. Leitender Artikel. Merkel von der „Germania". Mainz. 12. Juli. Wir stehen unter dem Zeichen des Xantener Prozesses. Eine der bedeutendsten Seiten dieses Unkulturdramas ist die Thätigkeit gewisser katholischer Kreise im Sinne religiöser Intoleranz und abergläubischer Verhetzung. Gott sei Dank nur geringer Kreise! Neben dem Kaplan-Redacteur steht die würdige Erscheinung des Franziskaner-Mönches, neben der unerhört thöricht-gemeinen Blutanschuldigung der „Germania", die von sittlichem Ernste und wahrhafter Lauterkeit getragene Haltung der „Kölnischen Volks-Zeitung." In der letzteren sehen wir das katholische Blatt, das die Stimmung der ungeheueren Mehrheit unserer katholischen Mitbürger wiedergtbt, die religiöse Duldung in gleicher Weise für sich verlangen und Andersgläubigen gewähren. Die „Germania" aber muß es eilig haben, wenn der Präsident des Schwurgerichts zu Cleve in die Lage versetzt werden soll, die ernstmeinenden Rathschläge jenes gottesfürchtkgen Blattes berücksichtigen zu können. Wenn dabei so eine kleine Verdächtigung gegen die Leitung des Prozesses unterläuft, dieselbe sei beeinflußt worden, da z. B. ein zerstückeltes Verhör des Kriminalkommissars Wolf „erzwungen" wurde, so sei hier darauf uur kurz hingewiesen; die Schwere dieses Vorwurfs mögen diejenigen in Betracht ziehen, die unmittelbar von demselben betroffen werden. Wer die Antisemitenbewegung auch nur oberflächlich verfolgt, der kann von solchen Ausfällen nicht überrascht sein. Der Antisemiten höchstes Ideal ist eben ihr Haß, und sobald dieser nicht befriedigt wird, wendet sich ihre Gegnerschaft gegen Alles durch Sitte und Recht Geheiligte, und das ist sicher, daß sie ihren Geifer mit der Zeit auch noch höher als gegen die Männer hinausspritzen werden, die zur Wahrung des Rechts, der Ordnung und der Wehrkraft im deutschen Vaterlande bestellt sind. Lüge und Verleumdung, die keinen schont, ist ihre Waffe, sie sind um nichts besser als die Anarchisten. Doch dies nebenbei. Nun aber kommt ein anderes der edlen „Germania" in den Sinn. Mit dem Ritualmord ist nichts zu machen, der Schächtschnitt ist nicht zur Befriedigung ausgefallen. Ist auch garnicht nöthig, von Ritualmord sprechen wir nicht, meint die „Germania", aber vom Blutmord, da liegt die Lücke, die der Präsident im Prozeßverfahren gelassen. „Jüdische Blutmorde d. h. Morden durch Juden an nichtjüdischen Personen, besonders Kindern des Blutes wegen, sei es nun im Sinne des Opfers oder zu abergläubischen Zwecken; solche Morde sind im Laufe der Geschichte in verschiedenen Jahrhunderten und verschiedenen Landen vorgekommen." Also Morde im Sinne des Opfers — das wären also keine Ritualmorde? Ei, die verlogene Sophistin! Das soll nun erwiesen sein; heraus mit den Beweisen! Die „Germania" wird doch am allerwenigsten verlangen, daß man ihr aufs Wort

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.