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Der Israelit · 1892-07-07 · Heft 54 (7.7.1892) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 54 (7.7.1892)
Date
1892-07-07
Page
– (sequence 21)
Language
German
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ür dasL^ A g <3 N-3^ 7. Juli 1892.] Mr. S. MW |/x 'IW// j .Fürstengunst." Erzählung von S- Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. — Üebersetzungsrechte Vorbehalten. Erstes Kapitel. Es war ein Augusttag des Jahres 1718. Prinz Eugen von Savoyen, Generalissimus des Kaisers und des deutschen Reiches, erster Minister, Präsident des Hofkriegsrathes, Statthalter der Niederlande, General-Vicarius in Italien, Ritter des goldenen Vließes, war erst am Morgen von seinem siegreichen Feldzuge gegen die Türken, durch welchen er sich neue Lorbeeren errungen und die hohe Pforte zu dem für Oesterreich höchst günstigen Friedenstraktate von Passonowitz gezwungen, nach Wien zurückgekehrt und war von der jubelnden Bevölkerung mit frenetischem Enthusiasmus empfangen worden. Obwohl von der langen, beschwerlichen Reise ermüdet, fuhr er doch sofort nach seiner Ankunft, nachdem er die Kleider gewechselt, zum Kaiser. — Als er von der Audienz heimkehrte, fand er in seinem Kabinet seinen Sekretär Langelot. Prinz Eugen — einer der berühmtesten Feldherrn, der größten Diplomaten, der treuesten Staatsdiener, der edelsten Menschen, die je gelebt, — stand in seinem sechsundfünfzigsten Lebensjahre. Seine kleine schwächliche Gestalt, seine dunkle Hautfarbe, die etwas aufgestülpte Nase, insbesondere aber die kurze Oberlippe, welche die Vorderzähne sehen ließ, machten bei dem ersten Anblick keinen gewinnenden Eindruck; allein seine großen, leuchtenden, geistesblitzenden Augen verschönten seine Züge in fast wunderbarer Weise und ein Menschenkenner und Beobachter mußte bald inne werden, daß in dieser unscheinbaren Hülle ein Riesengeift wohne. Er trug eine lange Allongeperrücke, welche seinen Teint noch dunkler erscheinen ließ, über dem Brustharntsch hing die Ordenskette des goldenen Vließes. Der Sekretär, ein hochgewachsener Mann, am Ende der dreißig, erhob sich erfurchtsvoll bei dem Eintritte des Prinzen und sprach, aus einen großen Stoß Papiere, der auf dem Tische lag, deutend: „Es ist eine große Zahl von Briefen eingelaufen, — ich habe dieselben, so weit dies äußerlich erkennbar, nach dem Range der Absender und deren voraussichtlicher Wichtigkeit geordnet." „Bien! . . . . Warum haben Sie die Briefe nicht wie gewöhnlich geöffnet? Sie wissen ja, daß ich unbeschränktes Vertrauen in Sie setze. Sie chiffriren ja die abgehenden und dechiffriren die anlangenden Staatsdepeschen." „Durchlaucht, es befinden sich unter den Briefen solche von höchsten und allerhöchsten Personen. . . . Ich glaube es ist in jedem Falle, — wo dies keinen Schaden verursacht, — besser etwas zu unterlassen, als einen Fehler zu riskiren." „C’est vrai;" *) erwiederte der Prinz, sich auf einen Lehnstuhl niederlassend, „also öffnen Sie jetzt die Briefe und legen Sie mir sie vor." Langelot überreichte ein Schreiben. Der Prinz las es aufmerksam durch und sprach dann: „Seine Heiligkeit der Papst läßt mich durch den Cardinal-Sckretär zu dem über die Ungläubigen erfochtenen Siege beglückwünschen, er ertheilt mir seinen apostolischen Segen und setzt mich davon in Kenntniß, daß mir der hiesige Nuntius einen von seiner Heiligkeit selbst geweihten Hut und Degen überreichen wird." „Das ist die höchste Auszeichnung, die Seine Heiligkeit zu verleihen vermag", warf der Sekretär in bescheidenem Tone dazwischen. I) Das ist wahr.

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