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Der Israelit · 1892-07-07 · Heft 54 (7.7.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 54 (7.7.1892)
Date
1892-07-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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987 gangen ist und den Verdacht der Täterschaft auf Buschhoff lenkte, leugnet Junkermann geschrieben oder unterschrieben zu haben. Der als Sachverständige und Zeuge geladene Dr. Steiner, Arzt in Xanten, der die Leiche zuerst gesehen, erklärt folgendes: Als ich gegen 7 Uhr in die Küpper'sche Scheuer gerufen wurde, war das Kind bereits todt und die Leichenstarre bereits eingetreten. Um 8 Uhr kam die Polizei, gegen 9 Uhr Assessor Buchwald an dem Thatorte an. Zu dieser Zeit war die Leichenstarre so weit fortgeschritten, daß nur das Kniegelenk noch etwas beweglich war. Daraus schloß ich, daß der Tod vor 5—6 Stunden eingetreten sein müsse. An der Leiche haftete ein weißliches Pulver, welches von einem darauf liegenden Mehlsacke herrührte. An der Leiche fand ich eine große Schnittwunde am Halse von großer Ausdehnung, alle Weichtheile waren durchschnitten, der Schnitt reichte bis zu den Halswirbeln. In den krampfhaft zusammengekrallten Händchen fand ich mit Blut vermengte Spreu, wie sie in der Scheuer lag, der Blutkuchen war gering, vielleicht wie ein kleines Hühnerei, bei der Leiche war eine Blutlache von vielleicht 10 Ctm., sonstige Spuren von Gewalt fand ich nicht. Da ich das gefundene Blut nicht für sämmtliches hielt, welches das Kind verloren hat, auch sich nirgends Blutspritzer fanden, nahm ich an, daß das Kind außerhalb der Scheuer, also nicht am Fundorte, getödtet wurde. Auf Befragen des Rechtsanwalts Gammersbach gibt Zeuge noch an, daß die Leiche während der Besichtigung auf eine Kiste gelegt wurde, daß sich getrocknetes Blut auf beiden Seiten der Becken zeigte und daß die Schürze durch das Blut sestgeklebt hatte. Küpper äußerte bei der Besichtigung, das Kind kann nicht durch den Hofraum, sondern nur vom Garten in die Scheuer gekommen sein. Assessor Buchwald, welcher noch am Abend des 29. Juni an den Thatort gerufen wurde und dort gegen 83/4 Uhr eintraf, sagt Folgendes aus: Als ich in die Scheuer kam, war die Leiche mit einem Sacke bedeckt. Ich untersuchte gleich den Garten, fand aber nichts Verdächtiges, nur in der Ecke am Zaun fand ich den Abdruck eines rechten Fußabsatzes. Die Leiche lag auf dem Rücken, das linke Bein angezogen, in der geschlossenen rechten Hand befand sich Stroh nnd Raff, die Schürze war stark mit Blut beschmutzt. Der Kopf der Leiche lag auf der linken Seite, der Hals zeigte eine Schnittwunde von Ohr zu Ohr. Blutspritzer fanden sich in der Nähe nicht. Die Blutlache war nicht sehr groß, doch fand sich Blut im Stroh und der darunter befindlichen Erde, welche nicht so fest, wie gewöhnlich der Tennenboden, gestampft war. Am nächsten Morgen hat der Amtsrichter die Sache weiter untersucht und wurde auch der junge Sigmund Buschhoff in die Scheuer geführt, wobei mir ausfiel, daß er gleich beim Eintritt seinen Blick der Stelle zuwendete, wo die Leiche lag. Der nächste Zeuge Amtsrichter Risbroeck gibt über sein Eingreifen in die Untersuchung folgenden Aufschluß: Ich war am Tage der Thal von Xanten abwesend, als ich Dienstag nach Hause kam, sagte mir mein Kutscher, daß er auf den Sohn des Strumpfarbeiters K. Verdacht habe, da dieser vor mehreren Tagen am Thürpfosten ein langes Messer geschliffen habe. Ich ging in das Haus zu K., fand aber sogleich, daß der Verdacht haltlos sei. Der Vater des ermordeten Hegmann, den ich dann besuchte, äußerte Verdacht gegen seinen Schwager Krippenberg und den kleinen Sigmund Buschhoff. Ich ging sodann zu Buschhoff, wo mir die Frau besonders freundlich entgegen kam und nahm den Sigmund mit in die Scheuer. Besonderes, was auf ein Schuldbewutztsein desselben schließen ließ, ist mir nicht ausgefallen. Um 3 Uhr ordnete ich wieder Zeugenvernehmung an und nach derselben nahmen die Aerzte die Obduktion vor. Bei Krippenberg fand sodann eine Haussuchung statt, die ohne Ergebniß blieb. Bereits am 30. Juni hegte nun die Bevölkerung allgemeinen Verdacht gegen die Angeklagten, besonders persönliche Verdachtsmomente gegen denselben lagen mir noch nicht vor. Den nächsten Sonntag nach Tisch theilte mir der Vater Hegmann mit, daß ein Mann gesehen haben wolle, wie man sein Kind am 29. Juni ins Haus gezogen habe. Ich ließ den Mann — Mölders — auf mein Zimmer kommen, wo er mir erzählte, was er gesehen haben wollte, derselbe kam mir nüchtern und glaubwürdig vor. Ich ging nun mit ihm zum Amtsrichter und mahm ein Protokoll aus, welches er unterschrieb. Meine Frage, warum er erst so spät seine Aussage mache, beantwortete er dahin, daß er gehofft habe, geladen zu werden, in der Woche auch keine Zeit habe. (Fortsetzung in der dritten Beilage.) Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Vom Oftfeeftrande. Mein werther Herr Redacteur! Ihr Herr Berichterstatter, der uns Ostende und sein vorzügliches Hotel anpreist, ist ohne Absicht ein vnb geworden. Wie dürfen wir daran denken, ein solch theuercs Weltbad aufzusuchen? Die Reisekosten allein verschlingen fast die Hälfte unseres Überschusses, den wir uns für den Badegenuß erkargt. Dagegen bringt uns ein billiges Saisonbillet nach dem Strande der Ostsee und gestattet uns mit bescheidenen Mitteln für die Erneuerung unserer schwachen Kräfte Sorge zu tragen. Allerdings waren die Kaschrusfragen nichts weniger als gelöst. Die Pommerische Geistlichkeit ließ den Dingen ihren gewohnten Lauf und wollte in liberalster Weise die Freiheit des Einzelnen nicht beeinträchtigen, l'rjn “wvi te icw, galt als Losungswort der guten Herren, die sich jede unbezahlte Aufregung sparen wollen. Das ist nunmehr Dank der Energie eines Berliners Hoteliers anders geworden. Herr Leopold Peltesohn, dessen Berliner Hotel Cassel unter Aufsicht des Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer steht, hat hier in Heringsdorf eine Filiale begründet und dieselbe mit allem Comfort der Neuzeit ausgestattet, so daß die cn^>n dw, denen der Besuch eines Seebades geboten ist, alle ihre Wünsche befriedigen können. Denn sowohl für nntso als für vortreffliche Kost und angemessene Bedienung als auch mäßige Preise bürgt uns der Weltruf, dessen sich das Hotel Cassel seit Jahrzehnten erfreut. Das anmuthige Heringsdorf, das bisher streng religiösen Israeliten verschlossen war, hat uns in diesem Jahre zum ersten Male feine Pforten geöffnet, wir hoffen recht viele unserer lieben Collegen hier begrüßen zu können. N. Köln, 30. Juni. In der gestrigen Versammlung der Centrumspartei befürwortete der Abg. Lieber die konfessionelle Duldsamkeit und bekämpfte den Antisemitismus.

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