Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 53 (4.7.1892)
- Date
- 1892-07-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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070 arif Kosten der religiösen Freiheit und im Gegensatz zu den Forderungen der Wissenschasl sich in dieser Weise geltend macht. — Sind doch die Schweizerischen Thierschutzvereine selber nicht einig in dieser Frage. Der Thierschntzvercin Base! hat die Schächtfrage längst aus seinen Traktanden gestrichen. Der Thierschutzverein Gens hat ausdrücklich erklärt, daß er die Jnitiativbewegung nicht mitmacht. Der Thierschutz-Verein St. Gallen erklärt in seinem jüngsten Jahresbericht wörtlich, „daß er bis anhin in dem Schächten eine Thierquülcrei nicht erblickt habe, und daß er diesen Standpunkt auch fürderhin beizubebalten gedenke. Gibt es doch noch unendlich viel zu Gunsten der Thierwelt zu thun, wobei über Nothwcndigkeit und Zweckmäßigkeit keinerlei Zweifel herrscht." Unter diesen Unständen mag man die ganze Bewegung bedauern, aber mit Besorgnis; ihrem Ausgang entgegensehcu wird nur derjenige, der ein politisch so wohlgeschultes, freies Volk, eines schweren Mißbrauchs seiner Freiheit für fähig hält; und dazu gehören wir nicht. Zeitungsnachrichten uaÄ Eorrefp^rrdenzen. D c u t s ch l a n d. Berlin. Mau sollte glauben, eine Wahrheit müßten unsere von dem überlieferten Judenthum abgefallenen Brüder wenigstens aus der judenfeindlichen Strömung unserer Zeit lernen, daß nämlich das Nachäffen nichtjüdischer Bräuche kein Schutzmittel gegen Judenhatz ist. Man hat ja den Abfall oft damit zu beschönigen und den Glauben zu verbreiten gesucht, wenn erst von uns die religiösen Schranken und Scheidewände abgetragen seien, so würben die sozialen von selbst fallen. Das vollendete Gegentheil ist aber etngetreten. Man müßte geradezu blind für jedes Walten einer göttlichen Vorsehung sein, wenn man sich gegen die Thatsache sperren wollte, daß hier in Berlin, von wo der Abfall vom Judenthum seinen Ausgang genommen und woselbst das Neformjudenthum noch heute seine festeste Hochburg hat, auch der Judenhaß seinen Anfang genommen und sich noch heute von hier aus über alle Lande verbreitet. Eins von den Sächelchen, welches die Faiseure des Reformjudenthums dem Ehristenthum entlehnt haben, ist die Eonfirmation. Daß sie im jüdischen Kreis, wo jeder Knabe und jedes Mädchen nach einem festgesetzten Lebensalter ohne weiteres religiös mündig wird, absolut keinen Sinn hat, als eben die Nachäffung eines unjüdischen Cults ist schon zu oft dargelegt worden, als daß man dabet länger verweilen müßte. Da die Herren Prediger und Rabbiner dabei ein gutes Geschäft mach- 1 tcn, so begreift es sich auch, daß diese Neuerung mit viel Zähigkeit von Pfründnern dieses Schlags fest gehalten wird. — Wenn daher der hiesige Prediger Dr. Julius Landsberger den Tag festlich begeht, au dem er vor 40 Jahren in Schlesien die erste Konfirmation vollzog, so gehört das zum Geschäft und man findet es deßhalb begreiflich. Wenn aber ein hiesiges Neformblatt von einer Konfirmation ans Schweden berichtet, die Dr. Levpsohn daselbst vollzog, so nöthigt es einem ein Lächeln ab, wenn an dieses welterschütternde Ereigniß folgende Bemerkung geknüpft wird: „Die Jugend der eingewanderten Polen glaubte bisher, daß das Judenthum nur in ritualen Gebräuchen bestehe. Nun sind ihnen die Augen geöffnet, denn cs war das erste Mal, daß ein Rabbiner hier einen Knaben lonfirmirt und zu ihnen gesprochen hat. Möge in gleicher Weise das Licht erscheinen in allen finsteren jüdischen Gemeinden!" Jetzt wissen wirs also! Das Judenthum, wie es die Polen rund wohl noch einige andere) bis jetzt kannten, besteht nur ans rituellen Gebräuchen, aber die Konfirmation! Ist sie ein Gebrauch, der wirklich zu unserem Ritus gehört? Ei denn zählt sie ia wieder zu ben rituellen Gebräuchen und die armen Polen sind so weit wie sie vordem auch waren, ja sie haben einen rituellen Brauch mehr als früher. Und die anderen Gemeinden der jüdischen Diaspora bleiben in Fiusteruiß gehüllt, bis ihnen auch ein solches Nordlicht aufgeht. — Zählt sie aber nicht zum jüdischen Ritus, was soll sie dann? Zum Gebrauch des jüdischen Ritus zählt sie wohl nicht, aber sie bient um so mehr dem Gebrauch des Herrn Dr. Lcvysohn und Eonsorten: und damit hals fürs erste sein Bewenden. Berlin. In der „Deutscher! Mediziner- Z e i t u n g" berichtet Herr Dr. E. Ro s en b a u m von einer überraschenden Erfindung des Chemikers Dr. Israel Roos in Frankfurt a. M. Es ist ein neues Heilmittel das besonders gegen Rheumatismus ltiib Ischias mit überraschendem Erfolg angeweudel wird, wie Versuche im Frankfurter Bürgerhospital und von verschiedenen namentlich aufgcführten Aerzten, festgestellr haben. Das neue Mittel heißt Aguthin und hat in ärztlichen Kreisen große Sensation hervorgerufen. Herr Dr. Roos ist der Sohn des leider so früh Heimgegangenen Vorstehers der isr. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M., Benjamin Roos h'rv, und waudllt ganz in den Fußstapfen seines frommen Vaters cst'p. Belgien. Ostende, 28. Juni. Von durchaus zuverlässiger Seite erhalten wir folgende Zuschrift: In -;3 * *