Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-06-27 · Heft 51 (27.6.1892) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 51 (27.6.1892)
Date
1892-06-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448266--34370-2482307
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

930 eben beginnt die Wiederkehr der Fluth, ich will mich ein wenig an dem Meeresstrand niederlassen und weiter beobachten die gewaltige Natur und die verborgenen Winkel des menschlichen Herzens. Abraham. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Heilbrouu, 17. Juni. Die hiesige israelitische Gemeinde hatte sich gestern Abend zu einer hübschen Feier vereinigt. Dieselbe galt einerseits dem in den letzten Tagen hier eingezogenen Rabbiner Kah n, der seitdem in Laupheim wirkte, andererseits war sie eine Abschiedsfei.r für den scheidenden Rabbinats- Verweser Dr. Einstein. In verschiedenen Reden wurde der Verdienste des letzteren gedacht und ihm zugleich als Zeichen der Dankbarkeit eine goldene Uhr überreicht. Der neue Geistliche wurde von den Gcmeindevertretern begrübt, welche betonten, daß man ihm allseits das größte Vertrauen entgcgenbrtnge. — Königsberg, 16. Juni. Für den Neubau einer Synagoge in der Lindenstraße sind die behördlichen Genehmigungen erfolgt. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde hat nunmehr die Aufforderung zu einer Preisbewerbung ergehen lassen. Frankreich. Paris, 25. Juni. In der Kammer stellt Dreyfus eine Anfrage wegen des Duells zwischen dem Kapitän Mayer und Marquis de Morös. Dreyfus, ein Gegner des Marquis Morös, sagt, es wäre ihm lieber gewesen, wenn die Frage von einem Anderen gestellt worden wäre, aber er habe nicht die Phrase übergehen können, man werde dem jüdischen Degen den französischen Degen entgegensetzen. Er frage nun den Kriegsminister, ob es in der französischen Armee zweierlei Degen gebe? (Beifall.) Frey einet antwortet, er kenne in der französischen Armee nur französische Degen, nur ihrer Pflicht ergebene Soldaten. Der Minister appellirt an die Ruhe Aller gegenüber den Collectivinjurien, welche nicht treffen können und weder die militärische, noch die politische Ehre berühren. Die Regierung werde den französischen Offizieren Respekt zu verschaffen wissen, und zur Zwietracht zwischen den Offizieren aufzureizen, sei ein nationales Verbrechen. (Beifall.) Dreyfus dankt dem Minister für die Worte, welche seinen Kameraden von der Armee tief zu Herzen gehen werden. (Beifall.) Cuneo d'Ornano will die Frage in eine Interpellation verwandeln; er hege keine Leidenschaft gegen irgend einen Cultus, aber er wünsche zu allen Religionsfrageu denselben Geist der Toleranz und denselben Respekt für die katholischen, als für die israelitischen Offiziere. (Beifall rechts, Lärm links.) Die Kammer nimmt eine Tagesordnung, welche die Erklärungen des Kriegs- Ministers billigt, einstimmig durch Handaufbeben au. Paris, 25. Juni. Marquis Mores wurde nach kurzem Verhör ins Gefängniß zu Mazas übergeführt. England. London, 23. Juni. Ein großes Vermächtniß in der Höhe von Lst. 200,000 ist Liverpool und Manchster zugefallen. Der Besitzer zweier großartiger Verkaufsläden in diesen Städten, ein Herr David Lewis, hinterließ vor sieben Jahren sein ganzes Vermögen zwei Verwandten, Levy und Cohen, mit dem Ersuchen, dasselbe nach ihrem Gutdünken zum Besten der Arbeiterbevölkerung dieser beiden Städte zu verwenden. Nachdem Herr Levy nunmehr aus Australien, wo er ansässig gewesen, zurückgekehrt ist, hat er in seinem wie seines Miterben Namen bekannt gegeben, daß sie den allerdings nicht gesetzlich für sie bindenden Wunsch des Erblassers auszuführeu gedenken. Um aber diese Summe, welche nach dem Tode der Wittwe des Herrn Lewis sich voraussichtlich auf 7 Millionen Mark erhöhen wird, in wirklich segensbringender Weise auzulegen, bat sich Herr Levy den Rath und die Unterstützung zweier Abgeordneten von Liverpool und Manchester, der Herren Forwood und Sir William Houldsworth, erbeten. Da der Stifter sich stets für die Bestrebungen lebhaft interessirte, der ärmeren.Arbeitsklasse billige und gesunde Wohnungen zu verschaffen , so wird sich das Comitö wohl dahin entschließen, in Liverpool und Manchester ähnliche Gebäude zu errichten, wie sie in den ärmsten Distrikten Londons aus dem Bermächlniß des amer.kauischeu Menschenfreundes Peabody und in den letzten Jahren aus der Schenkung des reichen Brauers Gninneß erbaut und erhalten werden. Rußland. Der „Daily News" wird aus Odessa ein neues Stück russischer Censur gemeldet. Vor einiger Zeit erhielt der Oberrabbiner Odessas ein Telegramm des Rabbiners von Königsberg, welches ihm mittheilte, daß die Häfen der Vereinigten Staaten thatsächlich für die russischen Juden verschlossen wären. Der Rabbiner verlas dieses Telegramm in der Synagoge, um seine armen Glaubensgenossen vor der Auswanderung nach Amerika zu warnen. Darauf wurde gegen ihn die Anklage erhoben, er habe eine Drahtnachricht veröffentlicht, welche die Eensur nicht bestanden habe. Die Strafe lautete auf 40 Rubel und die Kosten. Das Appellationsgericht hat dieses Urtheil kürzlich bestätigt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.