Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-06-23 · Heft 50 (23.6.1892) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 50 (23.6.1892)
Date
1892-06-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448265--34357-2482293
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

918 desausschusse, in dessen Verwaltung das Institut mittlerweile übergegangen war, zur Leitung der Landesirrenanstalt berusen. Diese Stellung bekleidete er bis zum Jahre 1885, wo er wegen Kränklichkeit in den Ruhestand trat. Neben seinem praktischen Wirken auf dem Gebiete des Jrrenheilwesens bethätigte er sich auch in der Lehre seines Spezialfaches. Schon im Jahre 1848 begann Dr. Fische! vor den in Prag zu Studienzwecken weilenden fremden Aerzten Vorträge zu halten, aus welchen sich bald regelmäßige theoretische und praktische Vorlesungen über Psychiatrie und forensische Medizin herausbildeten, die namentlich von den hier weilenden ausländischen Aerzten stark besucht wurden, da zu jener Zeit sehr wenige psychiatrische Kliniken bestanden. Später hielt er über diese beiden Fächer auch zahlreich besuchte Vorträge für die heimischen Studirenden. Im Jahre 1874 wurden ihm Titel und Rang eines außerordentlichen Professors verliehen und anläßlich seines im Jahre 1885 erfolgten Uebertrittes in den Ruhestand wurde ihm die allerhöchste Anerkennung für seine ersprießliche lehramtliche Thätigkeit ausgesprochen. Neben seiner praktischen Lehrtätigkeit hat Dr. Fischel die Ergebnisse seiner reichen Erfahrungen in einer ganzen Reihe von Abhandlungen in medizinischen Fachzeitschriften niedergelegt. Von dem menschenfreundlichen, wohlthätigen Sinne, der ihn sein ganzes Leben hindurch geleitet, ist auch sein Testament durchweht. In demselben widmete er 78,000 fl. wohlthätigen Zwecken. Davon sind bestimmt 27,000 fl. für die Errichtung einer Wohnzinsbeitragsstiftung für Wittwen und Waisen von Rabbinern und israelitischen Lehrern in Prag, 12,000 fl. für den Unterstützungsverein für mittellose israelitische Universitätshörer in Prag, 12,000 fl. für den israelitischen Freitischverein, 10,000 fl. für die Handwerkerabtheilung des Centralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag, 6000 fl. für die Wittwenkasse des Prager medizinischen Doktorenkollegiums für Wittwen von solchen Med.-Doktoren, die nicht Mitglieder der medizinischen Wittwensozietät waren, ohne Rücksicht auf Nationalität und Konfession, 6000 fl. dem israelitischen Nächstenliebeverein und 3000 fl. dem Krankenhause der Barmherzigen Brüder. Teschen. Am 14. d. hat dahier in feierlicher Weise die Eröffnung des allgemeinen Krankenhauses der evangelischen Gemeinde stattgefunden. Eine ungemein eindrucksvolle Festrede hielt Superintendent Dr. Haase. Nach Begrüßung der Festgäste sagte der Redner unter Anderm: Wir haben ein Krankenhaus gebaut, um kranke Menschen darin aufzunehmen und zu pflegen. Ist der kranke Mensch deßhalb weniger ein Mensch und Bruder, wenn er seine Gefühle und Gedanken in einer andern Sprache zum Ausdrucke bringt, als wir; wenn er seinen Schöpfer in anderer Weise verehrt, als wir; wenn er in einer anderen Gemeinde, einem anderen Lande oder Staate seine Zuständigkeit oder Heimatsberechtigung besitzt, als wird Wir stehen im glücklichen Besitze der Glaubensuud Gewissensfreiheit, welche allen Staatsbürgern Oesterreichs durch das Staatsgrundgesetz gewährleistet ist. Wenn aber irgend Jemand es am meisten beanspruchen kann, vom Gewissenszwauge frei zu sein, dann sind es doch gewiß die armen Kranken, welche unserer besonderen Pflege und Obhut anvertraut sein werden, und welche, wenn sie die Schwelle unseres Krankenhauses überschreiten, wissen müssen und werden, daß sie dort unter dem Banner der Glaubens- und Gewissensfreiheit stehen, daß sie, ob sie Christen oder Juden, Katholiken oder Protestanten sind, unter diesem Banner ihre religiösen Bedürfnisse ganz und voll werden befriedigen können, während religiöse Bedürfnisse, welche sie nicht haben und nicht kennen, ihnen auch von keiner Seite anfgenöthigt werden dürfen. Rußland. Wie polnischen Blättern aus Kiew berichtet wird, hat der Gouverneur von Volhynien den Leitern der Polizei-Behörden in einem Circulär aufs eindringlichste eingeschärft, mit größerer Energie als bisher die Enteignung der in den Landstätten ansässigen Juden zu betreiben; die säumigen oder lässigen Beamten sollen mit Dienstesentlassung bestraft werden. Da in Folge der Judenaustreibungen in volhynischen Dörfern der Victualien-Handel arg daniederliegt, kündigt der Gouverneur die Errichtung mehrerer Lebensmittel-Magazine in den Landgemeinden an. Türkei. Salonichi, 8. Juni. Wenn man mit der Bahn aus Europa kommend hier anlangt, so sieht man in der Nähe des Bahnhofes sechzig neugebaute Häuschen stehen, die quasi ein eigenes Stadtviertel bilden, das sich durch die Reinlichkeit und Sauberkeit, die in seinen Straßen herrscht, vortheilhaft auszeichnet. In diesen Häuschen wohnen ausschließlich jüdische Familien, da dieselben von jenen Geldern erbaut wurden, die anläßlich des großen Brandes hier vor drei Jahren, als Unterstützung hierher flössen und wozu auch die geehrten Leser des „Israelit" ihr Scherflein in so hochherziger Weise beigetragen haben. So haben unsere im Abendlande wohnenden Glaubensbrüder die Worte des Propheten: niTy» insn m „Einer soll dem Andern helfen" in wahrhaft edelherziger Weise an uns bethätigt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.