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Der Israelit · 1892-06-23 · Heft 50 (23.6.1892) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 50 (23.6.1892)
Date
1892-06-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXX111. Jahrgang. Zweite Beilage zu M 50 des „Israelit“. Zeitungsnachrichten nu- Correspoudeuzeu. Deutschland. Fürth i. O., 28. Mai. Am verflossenen Dienstag verurtheilte das hiesige Schöffengericht den Gastwirth Georg Haschert von Pfaffenbeerfurt wegen Beleidigung eines dortigen Israeliten, begangen durch Zuruf von antisemitischen Schimpfwörtern, zu einer Strafe von 20 Mk. und in die Kosten des Verfahrens. Auch wurde dem Beleidigten Publikationsbefugniß des Urthcils auf Kosten des Beklagten zuerkannt. Karlsruhe. Rabbiner Dr. A. Schwarz, der 17 Jahre in hiesiger Gemeinde amtirte, Herausgeber der Tosiftah und vieler Bände Predigten, ist an das neu zu gründende Rabbinerseminar nach Wien berufen worden und wird Ende dieses ^Jahres dahin übersiedeln. Roth bei Nürnberg. Ihr geschätztes Blatt brachte vor wenigen Wochen Warnungen vor einigen Schwindlern, die sich gegenwärtig in verschiedenen Gegenden Bayerns Herumtreiben. Zur Vervollständigung dieses würdigen Kleeblattes erlaube ich utir, das Augenmerk der geehrten Leser auf einen Herrn Ignaz W olf, Sohn eines angeblich reichen Grundbesitzers aus Logusch in Ungarn zu lenken. Nach einer romanhaften Erzählung über den Grund seiner Flucht aus der Heimath erbat er sich die Erlaubniß, in meiner Behausung einen Brief an seinen Vater schreiben zu dürfen, worin er seinen gegenwärtigen Aufenthalt anzeigte und um telegraphische Anweisung einer ziemlich bedeutenden Summe ersuchte. Aus Grund dieses Briefes glaubte er jedenfalls einen größeren Vorschuß zu erhalten. Da er unter Thränen wiederholt seine Ehrbarkeit versicherte, erbot ich mich endlich, ihm unter Verpfändung seiner Taschenuhr 2 M. zu borgen. Der Vorschlag wurde acceptirt und mit dem Gelde in der Hand war der saubere Vogel nach kurzer Zeit ausgeflogen. Da der ca. 30jährige Herr Grundbesitzer sehr anständig gekleidet ist und ein vertrauenerweckendes Aeußere besitzt, dürfte er wohl auch anderwärts seine Manipulation wiederholen. Vorsicht ist daher am Platze. M. Marx. O e ft e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 10. Juni. Ein seltener Fall von erst nach zwölf Jahren erfolgter Ahndung eiues an einer jüdischen Familie begangenen Verbrechens hat sich diese Woche in unserer benachbarten Stadt Sanct Pölten ereignet und verdient er daher auch in den weitesten Kreisen bekannt zu werden. Im Sommer des Jahres 1880 wurde der in dem Dorfe Hadres etabltrte jüdische Kaufmann Emanuel Bruckner sammt seiner Frau und deren Enkel Alfred Löwy des Morgens ermordet in ihrem Schlafgemache aufgefunden, und war auch die eiserne Kasse, die in diesem Gemache stand, erbrochen und gänzlich ihres Inhaltes beraubt. Der Verdacht lenkte sich sogleich auf den in diesem Dorfe ansässigen Jakob Scheck, der aber die That entschieden leugnete und mußten ihm sogar später die Söhne des ermordeten Bruckner, weil sie die Aufmerksamkeit der Behörden auf ihn gelenkt hatten, wodurch er für mehrere Monate ins Gefängniß kam, für seinen Zeitverlust einige hundert Gulden als Entschädigung zählen. Vor mehreren Monaten machte jedoch die Bäuerin Johanna Schnitzer, die sich von Gewissensbissen gequält fühlte, der Behörde das Geständniß, daß ihr eben wegen eines Diebstahls in Haft befindliche Gatte zusammen mit dem genannten Scheck die Bruckner'schen Eheleute ermordet habe, und fand nun diese Woche die Gerichtsverhandlung wider beide Mörder statt. Beide gestanden nun ohne Zögern ihr Verbrechen ein, und wurde daher Scheck zum Tode durch den Strang und Schnitzer zu lebenslänglichem Zuchthause verurtheilt. Da beide Mörder Vermögen besitzen, so erhalten die Söhne der Ermordeten eine entsprechende Entschädigung. Prag, 6. Juni. Gestern Vormittag ist hier Herr Med. Dr. Jakob Fischel, em. Professor der Psychiatrie an der Prager Universität und ehemaliger Direktor der Landesirrenanstalt, nach kurzem Leiden verschieden. Vor wenig mehr als einem halben Jahre — am 18. Oktober 1891 — feierte er sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum, und die zahlreichen Kundgebungen der Sympathie, Liebe und Verehrung, die dem Verschiedenen aus diesem Anlasse dargebracht wurden, zeigten wohl am besten, welch' hoher Achtung sich der Verblichene in allen Kreisen, in der wissenschaftlichen Welt, wie in der Gesellschaft, erfreute. Dr. Fischel, am 19. Arpril 1813 in Lochowitz (Böhmen) geboren, wurde im März 1844 in die damals noch mit dem Krankenhause verbundene Irrenanstalt als Sekundärarzt erster Kategorie berufen; im Jahre 1850 bewarb er sich um die damals zur definitiven Besetzung ausgeschriebene Stelle des Jrrenhausdirektors, die er jedoch trotz der besten Empfehlungen des Statthalters und des Studiendirektors wegen konfessioneller Bedenken nicht erhielt. Achtzehn Jahre später, im Jahre 1868, wurde er jedoch nach der Pensionirung seines einstigen glücklicheren Mitbewerbers vom Lan-

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