Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 49 (20.6.1892)
- Date
- 1892-06-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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895 der Prozeß auch in der Hinsicht, daß man im hellsten Lichte der Oeffentlichkeit sehen konnte, wie der Antisemitismus in Frankreich ganz genau dieselben Erscheinungsformen anntmmt, welche man von ihm in anderen Ländern kennt: Verleumdung und Größenwahn als Führer, und persönliche Rachsucht als Gefolge. Daß Jemand, wie es Drumont gethan, einen makellosen Ehrenmann einer unsagbar niedrigen Handlung anschuldigt und dann als Beweis für seine Anschuldigung nichts weiter anzusühren weiß, als: man erzähle sich derartiges auf den Boulevards — das ist echt antisemitisch-verleumderisch gehandelt. Und echt antisemitisch-größenwahnsinnig ist es auch, wenn der Autor solcher Heldenthaten sich selbst mit Lord Byron, mit Chateaubriand und Paul Louis Courier vergleicht; und wenn er, als am Abend des Prozesses ein paar mit 2 Frcs. für die Stunde honorirte eamelots vor 'den Redactionsfenstern der „lübrs Parole“ ein paar heisere „Vive Drumont schreien, an einem dieser Fenster erscheint und mit fürstlicher Geberde abwinkt! „Rein, liebe Freunde, ruft nicht! „Es lebe Drumont!", sondern: „Es lebe Frankreich!" Und echt antisemitische Gefolgsmänner sind die Herren, welche Drumont als Belastungszeugen gegen die Bank von Frankreich führt, und deren Kompetenz sich darauf gegründet, daß sie entlassene Beamten der Bank sind. England. London. Nach dem „Jewish Chrouicle" werden nächsten Freitag die Beschlüsse des Chief-Rabbi über die in der Rabbinerconferenz beantragten Reformen veröffentlicht werden. Dieselben sollen, nach diesem Blatte, meistens zu Gunsten dieser Reformen ausfallen. Schon vor drei Wochen theilte die „Jewish World" mit, daß für den Fall, daß Herr Dr. Adler die vorgeschlagenen Reformen genehmigen werde, Arrangements getroffen sind, um eine Opposition gegen den Chief Rabbi zu organisiren, die von einflußreichen Männern Englands und des Continents unterstützt, Herrn Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz) als ihren Rabbiner berufen werde. Gleichzeitig würden alle orthodoxe Rabbiner Deutschlands. Oesterreichs und Rußlands gegen Dr. Adler's Handlungsweise öffentlich protestiren. Holland. Amsterdam, 17. Juni. Wir stehen hier noch vollständig unter dem Eindrücke des herben Verlustes, den wir und Sie, den das ganze Judenthum erlitten. Rabbi Jacob Roos, der eifrige, unermüdliche, uneigennützige Kämpfer für die Interessen unserer armen Brüder im heiligen Lande ist nicht mehr. Man muß ihn gekannt haben, den edlen, liebenswürdigen Greis, dem stets bis in sein höchstes Alter die Pflichttreue über alles ging, um beurtheilen zu können, was wir verloren haben. Rabbi Jacob Roos wurde als Sohn einfacher, aber ftommer Eltern in Amsterdam geboren. Er besuchte die dortige Talmud-Thoraschule, sväter das Beth Hamidrasch unter Leitung des Dmax 'i yn ytm? und des in Jerusalem verstorbenen Als er 17 Jahre alt war, kam er zu 'i als Scribent für tow pa und gleichzeitig wurde er Lehrer der Talmud Thora. Zu 20 Jahren heirathete er die Tochter des Vkidp 'i i$ha, der yn einer Hauptsynagoge in Amsterdam war, eine Nichte des berühmten bna ]»»» '■» Rabbiner zu Grätz, tv by cw nano, mit der er 54 Jahre in glücklicher Ehe lebte. Seit war er Secretär bei den Pekidim. Später auch bei dem Beth Hamidrasch, bei der Talmud Thora und &if der Brüderschaft onon rr6m Was er hier in der langen Reihe von Jahren leistete, das wiffen Sie, der Sie in steter inniger Correspondenz mit ihm standen, ja am Besten zu beurtheilen. Wie er sich stets bestrebte, eine nach jeder Richtung hin gerechte Vertheilung der eingegangenen Spenden unter die Armen des heiligen Landes herbeizuführen, das mußte Jeder bestätigen, der nur einen kurzen Einblick in seine Thätigkeit gewinnen konnte. Unentwegt trotz mancherlei Anfechtungen und Kämpfen, suchte er sein hohes Ziel zu erreichen, und er hat seine Aufgabe glänzend gelöst. Später ward er Inspektor und Prediger der Talmud Thora, wo er seine Zuhörer durch vrm -idioi zu fesseln verstand und von ihm sagt man yiyta anern ü dti! Auch war er Vorstand des Vereins zur Unterstützung von hülfsbedürftigen Wöchnerinnen. Ein eigner Verein n"p a*w p"n (nrn ,apjr yy ,tr.vi) wurde zu seinen Gunsten gegründet, wo er dreimal wöchentlich predigte. Auch als Vorbeter hat er O'vn cvb an den D»*nun dv in einer Hauptsynagoge gewirkt. Als die Gemeinde Zaandam sich in Folge von Unfriede auflösen sollte, hat er den Frieden hergestellt u. selbst dort das Friedensfest gefeiert. Für die Gemeinde Mydrecht habe er das Geld zu einer min “©□ gesammelt. Ein portugiesischer Verein, der eine nur, -idd schreiben ließ, beehrte ihn mit der Niederschrift der Anfangs- und Endbuchstaben; den silbernen Federhalter, womit er geschrieben hatte, wurde mit passender Inschrift versehen, ihm verehrt. Seine Eltern unterstützte er von seiner frühesten Jugend an und 20 Jahre lang wohnten sie bei ihm, in welcher Zeit er für ihren ganzen Lebensunterhalt sorgte. Er htnterläßt eine hochbetagte Wittwe mit 7 Kindern und eine unberufen große Enkelschaar, die alle mit großer Verehrung zu ihm aufblickten und die er dadurch zu wahren d'dp wy machte.