Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 49 (20.6.1892)
- Date
- 1892-06-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIII. Jahrgang. M 49 Der Israelit. Ein KenLrat-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 20. Juni 5652 (1892). Da mit dem 1. Juli 1892 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bet der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleidet. Leitender Artikel. Ule Schweizer. Presse über die Kchöchtstage. (Fortsetzung.) Die Gewißheit, mit welcher der Aufruf des Centralvorstandes der deutschen Thier-Schutz-Vereine dem Betäubungsschlag eine geringere Schmerzhaftigkeit zuerkannt, wird von den berufensten Fachgelehrten des entschiedensten bestritten. Wir führen hier nur folgende Aeußerungen aus der Fülle des vorliegenden Materials an: Der Direktor der königlichen Dhierarzneischule in Hannover, Gerlach, sagt darüber: „Die Empfindung und das Bewußtsein auf möglichst milde, schnelle und sichere Weise zu verrichten, das ist eben die Hauptaufgabe beim Schlachten und diese Aufgabe ist durch das Schlachten nach jüdischen Vorschriften bis jetzt noch am vollkommensten gelöst." „Ein Mißlingen kann bet der Art der Fesselung der Thtere und Fixirung des Kopfes, wie auch bei der Einrichtung des Messers gar nicht Vorkommen und das ist ein sehr großer Vorzug vor allen anderen Schlachtmethoden." Dagegen erklärt der nämliche Experte den Schlag auf den Kopf, wenn er nicht vollständig gelingt, als eine „furchtbare Thierquälerei" und den Genickstich als die „verabsäieuungswürdtgste Tödtungsart von allen, die größte Thierquälerei, die von Staatswegen mit der größten Strenge unterdrückt werden sollte." Prof. Fick in Würzburg, früher Professor der Physiologie in Zürich: „Von Vornherein scheint mir die Methode des Schächtens mehr Garantie des Gelingens zu bieten, als die des Schlagens." Prof. R o l o f f, Direktor der königlichen Thierarzneischule in Berlin: „In Berücksichtigung der Thatsache, daß das Schächten immer sehr gut ausgesührt wird und sehr leicht auszuführen ist, während bet den übrigen Arten des Schlachtens in Folge ungeschickter Ausführung desselben das Verenden der Thiere häufig verzögert wird, könnte das Schächten sogar als die beste Methode zu schlachten betrachtet werden." Prof. Du Bois-Raymond in Berlin: „Ich habe mich schon bei anderer Gelegenheit dahin geäußert, daß meiner Ueberzeugung nach das Thier nach Eröffnung der großen Halsgefäße durch einen ausgiebigen Schnitt nur außerordentlich kurze Zeit leidet. In Folge der plötzlich eintretenden gewaltigen Anämie des Gehirns muß nach allen unseren Erfahrungen fast augenblickliche Ohnmacht und Bewußtlosigkeit eintreten." Prof. Zürn, Direktor der Veterinär-Klinik der Universität Leipzig: „Aus thierschützlerischen Gründen hat man verlangt, daß eine Betäubung resp. ein Bewußtlosmachen des Schlachtthieres durch Verletzung und Erschütterung des Gehirns (Kopfschlag) desselben vor Durchschneidung der Halsadern geschehen müsse, damit der Tod des Thieres schmerzlos erfolge; auch hat man, um das Verwerfen des Schächtens zu motiviren, angegeben, daß das bewältigte und geängstigte Schlachtthier bei vollem Bewußtsein den Halsschnitt empfange und daß solches grausam sei. Es ist kaum glaubhaft, daß das gefesselte und niedergelegte Thier bei seiner geringen Denkfähigkeit und bei seinem niederen Geistesleben, sowie bei dem Mangel an durch Erfahrung gesammelten Kenntnissen über solche Vorgänge weiß, daß es getödtet werden soll, also bei vollem Bewußtsein den Halsschnitt empfange. Es fühlt und weiß, daß ihm durch das Niederwerfen Zwang angethan wird, wogegen es sich wehrt; aber welchem Thiere wird nicht, so lange es lebt, oft und erheblicher Zwang angethan? Der Halsschnitt trifft das Thier unverhofft und plötzlich, der. durch ihn erzengte Schmerz