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Der Israelit · 1892-06-16 · Heft 48 (16.6.1892) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 48 (16.6.1892)
Date
1892-06-16
Page
– (sequence 18)
Language
German
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882 zeitigem Altern der Jungen, von nothleidenden Hospitälern und der Unterstützung beraubten Schulen, und vor Allem würde der Kaiser zu hören bekommen von dem Verfall der Würde der Männer und Frauen der ganzen Rasse unter den Verhältnissen, worin sie gezwungen sind, zu existiren. Und der Kaiser könnte die Dinge mit einem Federstrich ändern." Rußland. Moskau. Man kann sich keine Vorstellung machen, welchen Haß der Gouverneur von Moskau den Juden entgegenbringt, in welchem Maße er sie verfolgt. Keiner seiner Beamten wagt es, auch nur zu einem Juden zu sprechen, aus Furcht, seiner Stelle verlustig zu werden. Vor Kurzem erhielt der Gouverneur einen anonymen Brief, in welchem zwei Mitglieder der geheimen Polizei und ein Beamter denuncirt wurden. Sie sollen Bittschriften von Juden, die um ihr Recht flehten, entgegengenommen haben. Binnen einer Stunde waren alle drei verabschiedet und seither hütet sich jeder vor dem „Verbrechen", einem Juden auch ein freundliches Wort zu geben, weil das seine sofortige Entlassung nach sich ziehen würde. Arabien. Damaskus, im Mai. Mehrere arabische Blätter drückten dieser Tage ihr Erstaunen darüber aus, daß die Juden Syriens und Mesopotamiens den 400. Jahrestag der Einwanderung der Juden in das türkische Reich ganz unbeachtet vorübergehen ließen und denselben nicht gleich ihren übrigen Glaubensgenossen in diesem Reiche durch Danksagungen gegen Gott und Loyalitätskundgebungen gegen ihren Landesherrn feierten. Diese Blätter scheinen nun gänzlich daran vergessen zu haben, daß vor vierhundert Jahren blos die aus Spanien vertriebenen Juden in das türkische Reich eingewandert sind, während wir arabische Inden in diesem Reiche schon wohnten, als daselbst noch die Chaldäer mit ihren Königen Nebuckadnezar (isunaiaj), Ewil Merodach Cpio bw) 2c. herrschten. Wir arabischen Juden wohnten in Syrien und Mesopotamien schon nahezu zweitausend Jahre, bevor die Türken noch hier festen Fuß faßten, und als Konstantinopel noch Byzanz hieß und ausschließlich von Griechen bewohnt war, besaßen wir arabische Juden in Syrien und Mesopotamien schon Synagogen und Jeschiboth in Hülle und Fülle. Wir arabischen Juden können daher mit Stolz sagen, daß wir gleich unseren zwei Nachbarn, den Syrern und Chaldäern, die ältesten Bewohner des türkischen Reiches sind, denn die Araber, die Griechen, die Slaven und die Türken sind erst lange nach uns in dieses Reich eingewandert, während die alten Völkerschaften, die hier gewohnt, wie die Assyrer, die Lydier, die Kappadocier, Thracier k. schon längst verschwunden sind oder sich mit anderen Völkerschaften vermengt haben. & Mevmischtes. 4- Aus dem Grvtzherzogthum Hessen. Es ist in Ihrem geschätzten Blatte schon öfters daraus hingewiesen worden, wie gar nicht selten die Volksschullehrer es sind, die dazu beitragen, daß in Hessen die antisemitische Bewegung so große Dimensionen angenommen hat. Die Herren versprachen sich eben von den Herren Böckel und Genossen große Erfolge. Jetzt werden sie erfahren haben und zwar zur Genüge, wie diese Herren über die Volksschullehrcr denken. In einer zn Lollar (Oberhessen) von den Gegnern der Antisemiten abgehaltenen Versammlung, die auch sehr zahlreich von letzteren besucht war, soll sich ein gewisser im Dienste Böckels stehender Herr Werner aus Marburg in einer Weise gegen den Lehrerstand ansgelassen haben, daß ein sofortiger entschiedener Protest angezeigt erschien. Als der anwesende einzige Lehrer hierzu das Wort ergriff, machten die volksbesreienden und volksbeglückenden Antisemiten, unterstützt von halbwüchsigen Burschen, einen solchen Radau, daß der Redner nicht zum Worte kommen konnte. Unter Anderem äußerte genannter Werner, „daß die heutige Schule den Juden in die Hände arbeite und zur Verjndung des deutschen Volkes ihr Theil redlich beitrage. Der heutige Lehrer könne aus den Namen eines gläubigen Christen keinen Anspruch machen, er untergrabe dem Volke die Religion. Die Religion zu lehren sei ein Geschäft, das der Pfarrer, nicht aber der Lehrer gelernt habe: Die meisten hessischen Lehrer hätten überhaupt keine Religion, deßhalb sei ihnen der Religionsunterricht zn nehmen. Das hessische Schulgesetz sei gerade für das Judenthum zugeschnitten."!,Der Schulbote für Hessen" schreibt zn diesen Auslassungen: „Zn diesen Schmeicheleien mögen sich diejenigen Lehrer, welche bisher den Geschäfts- Antisemiten Böckel und Konsorten Heeressolge leisteten, selbst den Kommentar machen." Beuthen O. S. Kreiswundarzt Dr. Schlesinger wurde zum Sanitätsrath ernannt. Neustadt O. S. Kantor Baß feierte vor Kurzem sein 25jähriges Amtsjubiläum. Die israel. Gemeinde überreichte durch Eommerzienrath Fräukel eine Adresse und ein Geschenk. Myslowitz. Zur zwanzigjährigen Feier seines Bestehens wurde vom Talmud-Thora-Verein im Silbcrftein'schen Restaurant eine Generalversammlung abgehalten. Nachdem ans Vereinsmitteln im verflossenen Jahre 18 arme Schulkinder bekleidet worden sind, beläuft sich das Vereinsoermögen auf 172,80 Mk. Kolomea. Herr Jakob Brettler hat zum Zwecke des Ankaufs und Anlegung eines hierorts nöthig gewordenen neuen israelitischen Friedhofes die nahmhaste Summe von 8000 si. gespendet.

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