Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 47 (13.6.1892)
- Date
- 1892-06-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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858 Verhafteten gemacht. Grüner sitzt jetzt hinter Schloß und Riegel. Bad-Ems, 20. Mat. Der vierte Bericht des Unterstützungsvereines „Emser Heilquelle" ist erschienen und zeigt deutlich, in welch segensreicher Weise das Lokalcomite bestehend aus den Herren: Bezirksrabbiner Dr. Weingarten, Dr. med. Aronsohn, Gemeindevorsteher Thalheimer im verflossenen Jahre gewirkt hat. An der Spitze trägt der Bericht folgende Ansprache: Edle Gönner und Freunde! Mit Genugthuung können wir auf das verflossene Vereinsjahr zurückblicken, da es uns trotz der Ungunst der Zeiten gelungen ist, der Not, wo sie sich am Orte gezeigt hat, hilfreiche Hand zu bieten und auch einen Sparpfennig für die Zukunft zurückzulegen. Unsere Einnahmequellen haben sich in zweifacher Weise vermehrt: indem mehrere unserer Freunde und Wohlthäter sich zu regelmäßigen Jahresbeiträgen entschlossen — und einige größere jüdische Gemeinden Zuschuß gewährt haben. Berlin hat auch für die nächsten drei Jahre einen jährlichen Beitrag bewilligt. Um falschen Vorstellungen über den Zweck unseres Vereines zu begegnen, sehen wir uns genöthtgt, an dieser Stelle nochmals das Statut in Erinnerung zu bringen, daß nur solchen armen kranken Glaubensgenossen Unterstützung gewährt wird, welche im hiesigen Armenbade keine Aufnahme finden konnten und nach dem Urtheile unseres Vereinsarztes eine Kur in Ems nöthig haben. Das Königliche Armenbad nimmt Kranke ohne Unterschied der Nation und Religion auf, wenn die Gesuche zu Beginn des Kalenderjahres eingereicht: fürjüdische Kranke wird rituelle Beköstigung besorgt. Die Kranken, welche vom Vereine unterstützt worden, wurden zunächst von der Zahlung der Curtaxe, Bäder, Inhalationen, ärztlichen Behandlung befreit, sodann erhielten sie entweder einen Zuschuß oder vollständige Bezahlung der Aufenthaltskosten. Die Prüfung der Gesuche, die Führung der Eorrespondenz u. Casse, die Sorge für Unterbringung und Verpflegung der Kranken halten Herr Dr. Weingarten und Herr Thalheimer übernommen. Der Vereinsarzt, Herr Dr. Aronsohn, hielt drei Mal wöchentlich für die armen Kranken besondere Sprechstunden ab, jedoch wurden Neuzuziehende sowie diejenigen, welche specialiftische Behandlung benöthigen, an jedem Tage behandelt. Die Behörden und Verwaltungen der verschiedenen Kureinrichtungen, Bäder, Inhalationen, Malbergbahn etc. erweisen fortgesetzt dem Vereine das weitgehendste Entgegenkommen; namentlich muß hervorgehoben werden, daß Herr Director Quehl, „Wohlthäter des Vereins", den Kranken auch in seinem Privatinhalatorium alle Arten der pneumatischen Inhalationen gratis gewährt. Am 23. Juli fand eine General-Versammlung statt, in welcher außer dem Localcomite, die Ehren- Mitglieder, die Herren Prof. Dr. Derenbourg und Dr. Bamberger, sodann Herr Dr. Rosenberg, Arad und Herr Wilhelm Samson, Berlin anwesend waren. Gegenstand der Tagesordnung war der Bericht über die Thätigkeit des Vereins und die Berathnng über die Mittel und Wege, wie ein Asyl für die Kranken in Ems geschaffen werden könnte. Bei der Ungunst der Zeiten wurde vorläufig von einem Aufruf Abstand genommen. Am Freitag den 10. Juli, Nachmittags 4 - 6 Uhr wurde im großen Saale des Hamburger Hofes von den folgenden Personen zum Besten des Vereins ein Concert veranstaltet: Frau de Jongh-Herzogenbusch, Frl. Michel-Mainz, Frl. LuriL-Stanislau, Frl. Löb-Coblenz, Herr Concertmeister Weimershaus, Herr Pianist Ritter-Coblenz, Herr Amsel, London. Die Darsteller ernteten reichsten Beifall von dem zahlreich erschienenen Publikum. Die Gesammteinnahme für das Concert betrug 462 Mark 10 Pfg., die Ausgaben 47 Mark 80 Pfg. Zur Feier des 80jährigen Geburtstages seines hochgeschätzten Ehren-Mitgliedes und Begründers Herrn Professors Dr. Derenbourg sandte der Verein telegraphisch die herzlichsten Glückwünsche. Die Einnahmen des Vereines beliefen sich im verflossenen Jahre auf 2347 M. 81 Pf., die Ausgaben auf 1490 M. 26 Pf. Für den festen Fonds konnten 761 M. zurückgelegt werden, sodaß derselbe die Höhe von 3815 M. 36 Pf. erreichte. Möge weiterhin nicht nur von Privaten, sondern auch von Gemeinden dem Vereine das größte Interesse entgegengebracht werden, damit bald mit dem Baue eines jüd. Krankenhauses in Ems begonnen werden kann. Geldsendungen sind an Herrn Dr. Weingarten, Bezirksrabbiner Ems, zu richten. Pr. Stargard, 6. Juni. Vor etwa 4 Wochen fuhr der Sohn des ersten Chewra-Kadischa- Vorstehers am Sabbat nach dem jüdischen Friedhofe und ließ an demselben Tage seinem Kinde einen Leichenstein setzen. Ein solcher rar M’n ist wohl noch nirgends vorgekommen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Lemberg, 20. Mai. In Stanislau wurden gegen einen Handelsgerichts-Beisitzer, einem Gerichts- Auscultanten, zwei Landesadvokaten und gegen den Chef eines Speditionsbureaus die strafgertchtltche Untersuchung wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit, begangen durch den bei der jüngsten Reichsrathswahl in Stanislau versuchten Ueberfall einer Synagoge eingeleitet.