Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 45-46 (8.6.1892)
- Date
- 1892-06-08
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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846 Bf V-’' f/ T 4 % Lüften fchauckelt, Orangen, Maulbeeren und Feigenbäume auf das Herrlichste gedeihen. Weiter hinauf treten Obst und Wein in reichster Fülle auf, so daß selbst der ärmste Hütteubewohner sich au diesen herrlichen Naturgaben zu laben vermag. Nun folgen die Oelbäume, die Pistazien, die Wallnüsse, dann die Getrcideartcn und zuletzt das Geschlecht der Fichten in seiner edelsten Art: der Ceder. Ein eigenthümliches Gefühl bemächtigt sich unser, wenn wir beim Lichte des Mondes und der Sterne in das Dunkel der Cedcrn eintreten. Die alten, ehrwürdigen Bäume, die Jahrtausende au sich vorübergehen sahen, deren Zeitgenossen einst von den Werkleuten Davids und Salomos zum Tempelbau gefällt wurden, stehen vor uns. Das ganze Cedernwäldchen erhebt sich auf einem steinigen Hügel und besteht aus 38» Stämmen, dem Reste jenes Waldes, der wahrscheinlich einst das ganze Thal erfüllte, dessen Bäume zu Davids Palast und zu Salomo's Tempel verwandt wurden, deren Genossen man später unter Esra und Nehemia zum zweiten Tcmpelbaue sällte. Die stärksten Cedern haben einen Umfang von 45 Fuß und 'theilen sich 4 bis 6 Fuß über dem Boden in mehrere Stämme. Alle grünen noch immer frisch und üppig, stehen sogar in voller Blüthe, ein wahrhaft schönes Bild eines jugendlichen Greises, obwohl die alten Stämme, kaum mehr aus etwas Anderem als aus bloßer Rinde bestehen und sie gleichwohl noch manches Jahrhundert durchleben können, ehe sie der Zeit zum Opfer fallen. Iahrzeit. m- Erzählung aus dem amerikanischen Leben von .V>. Berge r. (Alle Rechte Vorbehalten. — Schluß aus Nr. 43 u. 44.) Juda duldete schweigend die Frcudenbezeugungen seines Bruders; auch er freute sich, ihn wieder zu sehen, doch mischte sich in seine Freude das Gefühl der Enttäuschung — er hatte den Bruder anders erwartet. Als David sah, daß seine Liebkosungen unerwiedert blieben, überzog Schamröthe sein Gesicht und er hörte auf mit seinen Zärtlichkeiten und sagte: „Verzeihe, daß ich Dich belästige; ich bin noch ganz der Alte, während Du — Dich sehr verändert hast." „Ja, ja, der lange Aufenthalt in fremdem, freiem Lande, läßt uns mit alten Sitten und Vorurtheilen brechen und lehrt uns anders denken. Ich bewundere Dich, daß Du. obschon Du sicher auch schon lange Uncle Sams *) Gast' bist, noch so am Althergebrachten hängst." „Am Althergebrachten? Was nennst Du Althergebrachtes?" „Nun, die Segenssprüche, die Du eben gesprochen.—Doch laß uns die erste Stunde unseres Wiedersehens nicht damit trüben, daß wir das berühren, in dem wir, wie mir scheint, nicht übcreinstimmeu. Sage mir lieber, wie geht es den Eltern?" David that, als höre er die Frage des Bruders nicht. Er blickte ihm forschend ins Antlitz und sagte endlich: „So hast Du das Althergebrachte über Bord geworfen und die Benedictionen sind Deinem Munde fremd geworden? Bist Du gar einer von denen geworden, welche sich des Glaubens, der Sprache ihrer Väter schämen? Du hast es weit gebracht." *) Spottnamen für: Vereinigte Staaten von Nordamerika. „O ja, als Chef des Hauses Atkinson brothers und Co. genieße ich die allgemeine Achtung." — „Das bestreite ich nicht; wie ist es aber mit Deiner Religion? Bist Du noch Jude?" „In Amerika fragt Dich keiner nach Deinem Glauben; hier ist man viel zu praktisch, um diese alten Dinge mit sich herumzuschleppen. Ucbrigens tröste Dich; meine Frau und ich, wir sind, wenn auch nur noch dem Namen nach, Juden." „Ein schöner Trost! So wünsche ich, daß ich Dich nicht gefunden hätte! Dann wäre Dein Bild auch in meinem Geiste dasselbe geblieben, das es einst war, und ich hätte Dir in Gedanken täglich den Segen gebracht, den unser seliger Vater mir vor seinem Tode für Dich übergab." „Unser seliger Vater sagst Du? Ist denn unser Vater lobt?" Eine bange Angst lag bei dieser Frage auf dem Antlitze Judas; er fürchtete die Antwort auf seine Frage und als David traurig sagte: „Der Vater und auch die Mutter," da war es vorbei mit seiner Selbstbeherrschung. Wie vom Blitz getroffen stürzte er nieder und raufte sich Bart und Haar und rief fortwährend aus: „Chotosi, owisi, poschati lefonecho ani uwesi.“ Als David die Verzweiflung des Bruders sah, erfaßte sein Herz inniges Mitleid mit ihm. Er hob ihn von der Erde auf, setzte sich zu ihm auf das Sopha und erzählte ihm von den Eltern, von ihren Leiden und Qualen und von ihrem sanften Ende in New-Bork. Juda hörte ihm stille zu; sein Schmerz war unbeschreiblich, da er von keiner Thräne gelindert wurde. Und als David von dem Tode des Vaters erzählte, von dem Segen, den er auch dem abwesenden Sohn gespendet, da stöhnte Inda laut auf. Er wußte, daß er dieses Segens