Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 45-46 (8.6.1892)
- Date
- 1892-06-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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835 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 1. Juni. Es hat bekanntlich großes Aussehen erregt, daß die „Voss. Zeitung" einen Redacteur, Herrn Marx, aus dem Grunde entlassen haben sollte, daß der Herr Jude ist. Die Leitung des genannten Blattes hat das lesiritten und als Grund der Entlassung „Unfähigkeit" angegeben. Jetzt stellt das gerichtliche Erkennt»iß, das in dem mit dieser Sache zusammenhängenden Prozesse ergangen ist, fest, daß nach Ansicht des Gerichtshofes allerdings das Judenthum des Herrn Marx die Ursache war. Es heißt, wie die „T. R." mittheilt, u. A. in den Entscheidungsgründen: „Es mag dem Zeugen Stephany (Chefredacteur der „Voss. Ztg.") geglaubt werden, daß, wenn der Privatkläger fähiger gewesen wäre, er ihn auf einen anderen Posten gesetzt hätte. Jedenfalls ist der unmittelbare Grund seiner Entlassung nicht seine Unfähigkeit, sondern sein jüdischer Glaube gewesen. Darauf, daß die Unfähigkeit nicht der richtige Grund der Entlassung gewesen ist, deutet übrigens auch der Umstand hin, daß sich der Zeuge Stephany doch gescheut hat, diesen Grund bekannt werden zu lassen; denn er hat den Privatkläger darum ersucht, er solle doch lieber überall verbreiten, daß er seinerseits gekündigt habe." kanten, 1. Juni. Zu dem Prozeß Buschoff theilt das amtliche Kreisblatt für den Kreis Moers Folgendes mit: „Die Anklage lautet auf Mord und stützt sich auf die Beschaffenheit des Messers, welches bei Buschoff beschlagnahmt wurde. Dasselbe soll eine schartige Schneide aufweisen, welche auch das zum Morde verwandte Messer gehabt haben muß. Ferner fällt in die Waagschale, daß die Thüre, welche vom Buschoff'schen Hause aus zu der Küpper'schen Scheune führt, mit andern Nägeln vernagelt war, als diejenigen waren, welche wenige Tage vor dem Mord von dem diese Arbeit ausführenden Schreiner dazu verwandt wurden." Frankfurt a. Oder, 5. Juni. Auch am verflossenen Wochenfeste wurde hier von einer großen Zahl der Gemeindcmitglieder ein Scparatgottes - dienst abgehalten, nachdem dies bereits am Peßach geschehen war. Mit einem heiligen, frommen Eifer, der wahrhaft rührend ist, Dämpft hier eine Anzahl gewissenhafter Männer, an ihrer Spitze Herr L. Struck. Als Cantor fungirte wieder Herr S. Drujan, als Prediger hatte Herr Struck Herrn Dr. A. Ackermann aus Berlin gewonnen. Eine stattliche Zahl Männer und Frauen nahm an dem Gottesdienste Theil, der durch die meisterhafte Vorbeterkunft des Herrn Drujan, sowie durch die zu Herzen dringenden Reden des Herrn Dr. Ackermann zu einem erhebenden und würdigen sich gestaltete. Möge Gott den tapfern Kämpfern in hiesiger Stadt Kraft und Ausdauer verleihen, auf daß sie unseren alten Gottesdienst rein erhalten von allein unjüdischen Prunke. — 8. Oldenburg, im Mai. Unser Landrabbiner, Herr Dr. Mannheimer, besuchte kürzlich alle ihm unterstellten Gemeinden, um für unsere nothleidenden russischen Glaubensbrüder Spenden zu sammeln und sind ihm überall ziemlich bedeutende Beiträge gezeichnet worden. Wie Herr Dr. M. weder Zeit noch Mühe scheute, um für die Aermsten der Armen unseres Volkes thätig zu sein, so ist der verehrte Herr auch unermüdlich dabei, den Sinn für das Judenthum bei uns zu heben, und ist es auch geradezu erstaunlich, welch' günstige Resultate er in der kurzen Zeit seiner Amtsführung schon zu verzeichnen hat. Während früher hier die Synagoge nur an den hohen Festtagen besucht wurde, ist jetzt an jedem Sabbat das Gotteshaus gefüllt, und kein Hörer vermag sich des packenden Eindrucks zu entziehen, den die stets geistvoll durchdachten Predigten dieses Kanzelredners auf ihn ausüben. Herr Dr. M. wirkt aber nicht nur von der Kanzel auf die Gemeindemitglteder, er hat es verstanden, eine große Anzahl derselben, die früher dem Judenthum kühl gegenüber standen, durch persönliche Einwirkung zur eifrigen Mitarbeit heranzuziehen und insbesondere den jüdischen Schulen des Landes und der Vereinsthätigkeit einen Aufschwung zu geben, der von allen Seiten rückhaltslos anerkannt wird. Selbst in christlichen Kreisen erfreut sich Herr Dr. M. großer Beliebtheit, und als kürzlich in der hiesigen Ortsgruppe des deutschen Schulvereins, der die Elite der Bürgerschaft angehört, Vortragsabende arrangtrt wurden, sprach als erster Redner Herr Dr. M.: „Ueber den Einstuß des Deutschthums auf das Eulturleben Rußlands" und fand der Vortrag eine glänzende Beurtheilung seitens der Hörer und der gesammten Presse, deren vornehmstes Organ die „Oldenburger Zeitung," die Rede „eine geniale Leistung" nannte. Belgien. Ostende. Das seit 40 Jahren bestehende jüdische Hotel Frank hat die herrliche Villa Nora direkt vor der See angekauft und kann daher dasselbe in jeder Beziehung sehr empfohlen werden. Als Schochet wurde für dies Hotel von streng orthodoxem Rabbinat ein hessischer Lehrer hingesandt, der auch die Aufsicht über die Küche übernimmt. England. London, 31. Mai. Baron Hirsch ist in Paris an der Influenza heftig erkrankt.