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Der Israelit · 1892-06-08 · Heft 45-46 (8.6.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 45-46 (8.6.1892)
Date
1892-06-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang.; M 4S & 46. Der Israelit Ein Gentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthmn. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 8. Juni 5652 (1892). Leitender Artikel. Das Argentinische HiltswerK. Mainz, 5. Juni. Vor Kurzem brachten wir einige Mittheilungen des Herrn Professors Dr. Löwenthal über das Argentinische Hilfswerk. Nachdem dieselben in einem großen Theile der europäischen jüdischen wie nichtjüdischen Presse aus dem „Israelit" zum Abdruck gebracht und an diese Mittheilungen vielfache Bemerkungen geknüpft wurden, die auf eine vollständige Unkenntniß der Thatsachen schließen lassen, sehen wir uns hierdurch veranlaßt, unsere Ansicht und Erfahrungen, die wir auf Grmck uns zugegaugeuer Informationen über das große Werk gebildet haben, unserem verehrten Leserkreise zu unterbreiten. Vorher indeß eine Richtigstellung. Einige jüdische Blätter, die die Mittheilungen unserem Blatte entnahmen, stellten die Sache so dar, als ob Dr. Löwenthal eine Erwiederung und Dementirung der jüngst gemeldeten Nachrichten über Unruhen in Argentinien geben wollte und stellten die ironische Frage, warum Herrn Dr. Löwenthal, wenn sich dort Alles so schön und glatt entwickele, die Leitung nicht weiter überlassen wurde. Diese Darstellung ist eine irrige, Herr Dr. Löwenthal hat uns seine Erfahrungen mitgetheilt, ohne auf Nachrichten, die von anderer Sette über Argentinien in die deutsche Presse gelangten, irgendwelchen Bezug zu nehmen. Daß ferner der Rücktritt des Herrn Professor von der Leitung des argentinischen Colonisationsgeschäftes durchaus nicht von Vorthetl sür das letztere gewesen ist, das ist ein Eindruck, den selbst der Fernstehendste bei nur etwas näherer Kenntniß der Dinge unbedingt gewinnen muß. Alle unparteiische und mit der Sachlage vertrauten Leute in Argentinien hatten diese Ueberzeugung von vornherein; sie wird jetzt mehr und mehr von allen Freunden der Sache auch in Europa getheilt. Herr Dr. Löwenthal aber kann sich, trotz wiederholter Aufforderungen von maßgebender Seite, nicht dazu entschließen, wieder mit Hand an's Werk zu legen, so lange die Ursachen fortbestehen, welche zu der jetzigen schweren Schädigung des Unternchmens geführt haben; denn derselbe hat von vornherein nicht dem Amte, sondern der Sache gedient. Hören diese schädigenden Factoren zu bestehen auf, dann kann und wird auch, wie wir fest überzeugt sind, Herr Dr. Löwenthal wieder Mitarbeiten. Als derartige schädigende Factoren sind namentlich zu bezeichnen: 1) Das Vordringen bezw. das Uebergewicht notorisch unfähiger und eigennütziger, sogar direkt unredlicher Elemente in der Lokalleitung in Buenos- Aires; 2) Das Rkchtvorhandensein einer fachmännischen und sachverständigen Centralleitung in Europa. ad. 1) hat sich in den letzten Tagen schon vieles gebessert: die paar Monate seit dem Rücktritte des Herrn Professor haben genügt, um der europäischen Leitung die Augen darüber zu öffnen, weß Geistes Kinder die Leute sind, denen derselbe weichen mußte, und aus welchen Beweggründen sie gegen ihn intriguirt haben. ad. 2) aber bleibt noch alles zu thun übrig. Nur wenn Herr Baron Hirsch seine ursprüngliche Idee ausführt: die einzelnen Ressorts der europäischen Centralleitung (Finanzen, innere Verwaltung, Coloniales, Technisches, Rechtsfragen) einem Collegium von Fachmännern zu übertragen, welche also nach gemeinsamer Berathung der Hauptsachen die Einzelheiten unter ihrer vollen persönlichen Verantwortung selbstständig ausführen, — wenn dieses Executtvcollegium einem Aufsichtsrathe Rechenschaft zu geben hätte, welcher auch seinerseits collegial gestaltet und aus den berufenen Vertretern der Sache zusammengesetzt wäre (Delegirte der Berliner und Hamburger Comit4s z. B. neben Baron Hirsch und den englischen Förderern des Werkes), -dann, aber nur dann erst wird das Werk seine feste Grundlage gewonnen haben, dann erst ist auf einen Erfolg wenigstens zu hoffen.

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